Ende Mai erreichte uns die erste "Hitzewelle", so dass es den Naturisten in ihren Klamotten schnell zu warm wurde bzw. es den Schafen unter der Wolle juckte. In der Woche vor dem Termin der HNT'26 brach dann die "Schafskälte" mit Regen und niedrigen Temperaturen über das Land herein - und so war auch der Anreisetag (Freitag) deutschlandweit noch grau und feucht.
Mit dem ÖPNV unterwegs im Bahn-Abenteuerland Deutschland hatte mich mit zweistündiger Verspätung der an diesem Tag letzte lokale Bus gut, d.h. auch warm bekleidet, in der Nähe des Krackhofs abgesetzt (Linie 55, HS "Leimenhof" von Flieden-Rückers). In der sog. Scheune, die bei Veranstaltungen als Gastraum dient, hatte ich mit dem Betreten eine bereits nackte Truppe erwartet, doch das regnerische Wetter mit den frischen Temperaturen wollte in diesem Jahr bisher kein unmittelbares Ablegen der Kleidung mit der Ankunft (erster "Programmpunkt": Kaffee & Kuchen) zulassen - doch es gab einige wenige Unerschrockene, die nach dem "Vorglühen" im Hot-Tub oder der Fass-Sauna den Startpunkt setzten.
Hinter dem Haus wurden noch weitere Zelte für die individuelle Übernachtung aufgebaut - auch ich hatte diese Unterkunftsweise gewählt - und da es hierbei körperlich in Bewegung einem wärmer wurde, konnte die Kleidung doch im Zelt zurück bleiben. Nun war um 19 Uhr Zeit für das gemeinsame Abendessen (Buffet mit drei Gerichten, eines davon vegetarisch, sowie Gemüse- und Salatvariationen), und hierbei gab es bald nur noch einzelne Textile im Raum.
Der Samstag-Morgen startete ziemlich windig, dafür aber auch mit großen Wolkenlücken, so dass die aufgehende Sonne die frische Morgenluft von etwa 14°C zunehmend erwärmen konnte. Zum gemeinsamen Frühstück (8:30 Uhr, wiederum als Buffet, klassisch "süß", aber auch bereits herzhaft-deftig mit Käse und Wurst) gab es nur wenige Nackte, auch ich hatte des besseren Wohlbefindens wegen Short und T-Shirt übergezogen. Noch weitere (Tages-)Teilnehmer sind zwischenzeitlich angekommen - pünktlich um 10:30 Uhr (Sonnenschein mit Quellwolken um die 18°C) hatten sich 20 überwiegend nackte Wanderer(innen) und eine zweite Gruppe von 15 nackten Radfahrern um das Haus zum "Briefing" (u.a. Sonnencreme...) zusammengefunden.
Die Wanderrunde durch das hügelige Hinterland im Naturpark Hessische Rhön, wohl auch als Vorderrhön bezeichnet, wurde mittels einer "Wander-App" mit etwa 16 km geplant, so gut wie möglich die verzeichneten Feld- und Waldwege nutzend und den Siedlungsbereich umgehend. Bereits von vorne herein wurde eine kürzere Version aufgezeigt, die das "Basislager" in einer abkürzenden Runde erreichen ließ. Tatsächlich hatten sich nach der Mittagspause - währenddessen trotz des auflebenden Windes angenehme 21°C "Zimmertemperatur" gemessen wurden - 7 Personen zusammengefunden, die ihres Körpers zuliebe diese Option gewählt hatten - und dann etwa gleichzeitig mit der Radgruppe (fast alle mit E-Bike) zurück gekommen sind, welche eine ausgedehntere Runde von knapp 30 km durchs hügelige und durch den Vortages-Regen teilweise matschige Hinterland zurück gelegt hatte.
Als Teilnehmer der Wandergruppe - das Rad hatte ich auch aufgrund der Temperatur-Vorhersage zuhause gelassen - hatte ich nicht nur Interesse an der für mich unbekannten Landschaft, sondern wollte insbesondere erleben, wie textile Begegnungen auf unser nacktes Erscheinen reagieren. Die Routenführung sah auch kurze Abschnitte entlang einer Fahrstrasse oder eine Überquerung dieser vor. Am Ende der Wanderung, die ich natürlich nackt mit Zehen-Barfußschuhen zurück gelegt hatte, hatten wir nur wenige relaxte Begegnungen gehabt - und ich eher die Erkenntnis, wie einsam es an einem sonnigen Samstag in dieser Gegend ist. Dies mag einerseits daran gelegen haben, dass noch keine (Sommer-)Ferien waren, wohl aber auch, dass es dort eine eher landwirtschaftlich geprägte Landschaft ohne besondere Sehenswürdigkeiten ist. Die auf der Karten-App "zusammengeklickte" Route war überwiegend auf befestigten Wegen gut zu gehen, nur einige Zwischenabschnitte waren grasbewachsen oder durch den Vortages-Regen noch etwas batzig. Immer wieder zeigte sich ein Ausblick auf den nahen Kalisalz-Berg "Monte Kali" und die weiter entfernte Wasserkuppe im Osten.
Bei der Rückkehr konnte wieder das Kaffee- & Kuchen-Buffet oder der warme Pool mit heißer Sauna in Anspruch genommen werden. Rund um das noch etwas umfangreichere Abend-Buffet verabschiedeten sich einige Tagesgäste oder diejenigen, die tags darauf andere Verpflichtungen hatten. Im Gegenzug waren an den Tischen auch einzelne neue Gesichter zu entdecken, einige weitere kamen Tags darauf am Morgen.
Der Sonntag-Morgen begann mit durchgängig bewölktem Himmel und noch niedrigeren Temperaturen um die 11°C, aber wenigstens war (vorerst) der Wind weg. Zum Frühstücken waren wir wieder "in der Scheune", um die nächtliche Kühle zu mildern wurde vorübergehend der Gasheizer angeworfen, dennoch fanden sich fast alle "Nackten" mehr oder weniger "warm" bekleidet ein.
Um 10:30 Uhr bildeten sich wieder zwei Gruppen: 19 Personen starteten in leicht veränderter Zusammensetzung und aufgrund des nach wie vor dünn-bewölkten Himmels und der kühlen Temperatur um die 15°C bekleidet zur Wanderung, nur zwei verwegene Teilnehmer zollten dem Veranstaltungsmotto den vollen Respekt. Mit dem "Warmlaufen" erhöhte sich der Nacktanteil etwas, doch ohne Sonne und erneut mit etwas Wind blieb auch ich erst mal in Short und T-Shirt.
Die Route wurde ähnlich einer (liegenden) "8" geplant, um am Kreuzungspunkt wieder die Möglichkeit der Verkürzung zu bieten. Hier entschieden sich nun 8 Teilnehmer, Nackte wie Textile, für die Kurzvariante, um die gewonnene Zeit, ggfs. mit vorgezogenem Kaffee & Kuchen, für ihre Heimfahrt zu verwenden. Somit blieben mit mir 11 Teilnehmer (inkl. einer Frau) in der "Langläufer-Gruppe" erhalten. Nun wechselte auch ich den Wander-Dress, und weil wir alsbald mit zunehmend sonnigen Abschnitten belohnt wurden, waren wir wenig später wieder als eine feine Nackt-Wandergruppe unterwegs. Mit etwas auflebendem Wind wurden die Wolkenlücken noch größer - wir Glücklichen bekamen nun annähernd das Wetter wie am Vortag. Bei der Mittagsrast wurden etwa 18°C Lufttemperatur gemessen, die für die bewaldeten Abschnitte (darin ohne den Wind) in der Bewegung gerade ausreichend waren.
Sonntags waren tatsächlich mehr Leute in diesem Gebiet unterwegs, was mitunter auch auf die gewählte Routenführung zurück zu führen war. So wie es für sozialadäquate Nacktheit sein sollte, waren die allermeisten Reaktionen bei Begegnungen heiter und freundlich, aufgrund der frischen Wetterbedingungen sogar eher bewundernd. Nur bei einer kleinen Radfahrergruppe (E-Biker), die uns auf einer kleinen Strasse außerhalb des Siedlungsbereichs überholten, kamen vom vorausfahrenden "Leithammel" die üblichen, sich empörenden Worte...
Auch wenn die Wolken in Richtung dem westlichen Horizont nach wie vor verschiedene Grautöne aufwiesen, so auflösend und zerrissen waren sie zwischen uns und der Sonne, damit war uns auch in den schattigen Abschnitten nicht kalt. Die Route, die wir später noch etwas ausdehnten, war abwechslungsreich in Flora und Fauna, mit landwirtschaftlicher Nutzung und abschnittsweise wildem Naturraum. Um 15 Uhr gelangten wir nach knapp 17 km zum Krackhof zurück, von dem sich die "Kurzläufer" und auch die meisten der Radgruppe, die nur eine verkürzte Runde von etwa 20 km (Planung) gefahren waren, verabschiedet hatten oder sich unmittelbar im Aufbruch befanden.
Für uns gab es auf der Terrasse noch Kaffee & Kuchen - oder wahlweise ein Bier bzw. Radler - zur Belohnung, dann brach ein Schwall kühler Luft mit böigem Wind über uns herein und beendete die ausklingende Gemütlichkeit. Die letzten Rechnungen wurden beglichen und bald blieb ich als Einziger zurück, denn mein Plan sah eine weitere Übernachtung vor (im Zelt hinter dem Haus, der Gasthof ging in den Feierabend bzw. die nachfolgenden Ruhetage). Anstatt mit dem ÖPNV eher gestreßt noch bis Mitternacht nach Hause zu hoffen - oder gar noch unterwegs "zu stranden"... - wollte ich am zeitigen Morgen meine Sachen packen, zum werktäglichen Bus gehen und mit mehr Zugauswahl als an einem Sonntag bis hoffentlich am Nachmittag nach Hause gelangen.
Am nächsten Morgen (Montag) war der Himmel völlig blankgeputzt, kein Wölkchen störte den Sonnenaufgang bei natürlich ziemlich kühler Temperatur (gemäß Wetter-Radar zog jedoch am Vormittag wieder eine geschlossene Wolkendecke herein). Meine Heimfahrt erfolgte "nach Fahrplan" und mit dem Aufräumen des Gepäcks zuhause war nun auch für mich dieses lange Wochenende mit neuen Erfahrungen und dem Kennenlernen anderer Naturisten zu Ende.
Fazit:
Die Landschaft ist aus meiner Sicht nicht so "spektakulär" wie das Alpenvorland und vor allem die deutsch-österreichischen Alpen selbst. Mit dem e-Radl läßt sich diese Gegend sicher am besten erkunden, da die Wege überwiegend gut gepflegt sind. Die relative Einsamkeit wohl auch am Wochenende ist jedoch hinsichtlich des Nacktwanderns ein angenehmer Punkt.
Der kleine und außerhalb des Siedlungsbereichs gelegene Landgasthof Krackhof (Überblick) ist für diese FKK-Veranstaltung geradezu ideal, da bei passender Witterung eigentlich keine Bevölkerung von der nackten Anwesenheit "gestört" wird. Das mit Können zubereitete Abend- und Morgen-Buffet war lecker und reichhaltig.
Hinsichtlich der Übernachtung sind während dieser Veranstaltung einige Möglichkeiten angeboten, lediglich die nächtliche Geräuschkullisse der nahen Autobahn 66 kann etwas stören. Mit der Verkehrsfreigabe des vorbeiführenden Teilstücks im Jahre 2007 (gemäß [url=https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesautobahn_66#Frankfurt-Bergen-Enkheim_–_Hanau]Wikipedia[/url]) war es dort mit der Jahrzehnte langen Ruhe vorbei. Der Krackhof war früher den Gebäuden nach wohl ein (für die Zukunft zu kleines) landwirtschaftliches Anwesen, bis möglicherweise auch der flächenfressende Autobahnbau eine Aufgabe und Umwidmung verursacht hat.
Wer sonst beim FKK bzw. dem natürlichen Nacktsein gut mit sich klarkommt und überwiegend allein wandernd unterwegs ist - so wie ich meistens - so fand ich die gemeinschaftlichen Wanderungen, in etwas gemäßigterem Tempo an die Schwächeren angepasst, durchaus angenehm und eine bereichernde Erfahrung.
Wer Gesprächspartner braucht und sucht, findet diese in der Regel bei dieser Veranstaltung, aber zwischen Rückkehr von den "geführten" Touren und dem Abendessen gibt es auch ausreichend Raum zum Rückzug ohne Gruppenkoller.
Mich hat es gefreut, mit dieser gelungenen Veranstaltung einige Mitglieder aus dem Forum persönlich kennen zu lernen und mit ihnen etwas auszutauschen. Leider wird die räumliche Entfernung mich ausbremsen, an anderen Veranstaltungen teilzunehmen - doch im nächsten Jahr kann ich mir die HNT durchaus wieder vorstellen...