Bingo hat geschrieben:„Regenmacher“, darin: „Ist das die Wahrheit ? Es kommt ihr doch zumindest sehr, sehr nahe. “sehe ich eine maßlose Überheblichkeit! Bei der Wahrheitsfindung sollte man sich bescheiden geben.
Man sollte sich nicht nur "bescheiden geben", sondern auch "bescheiden sein". Aber ich will dich nicht zu wörtlich nehmen. Trotzdem: Wieso "überheblich" ? Und warum sogar "maßlos" ?
Tatsächlich ist es doch genau so geschehen, wie beschrieben. Ich war dabei. Einige dieser - von der Presse begleiteten - Nacktwanderungen hatte ich organisiert. So gab es einmal einen längeren Bericht in der "DIE ZEIT". July, eine der damaligen Nacktwanderinnen, hatte sich mit einer zufälligen Textil-Passantin, die Mitarbeiterin der hiesigen Stadtverwaltung war, ganz nett unterhalten und sich hinterher sogar bei mir beschwert, dass ich zur Eile gemahnt hatte. Es hat also tatsächlich die toleranten Begegnungen so gegeben. Es ist somit ganz, ganz nah an der Wahrheit.
Bingo hat geschrieben: Vielleicht hilft eine Beschäftigung mit der Philosophie. Z. B. Karl Raimund Popper oder Hannah Ahrend. Sind Ihnen die Namen geläufig? Sonst hilft das Internet.
Keine Sorge. Nicht nur die Namen sind mir geläufig. Nebenbei: Ich habe u.U. in Bielefeld Philosophie studiert. Zwar nur einige Semester, denn Physik/Astrophysik/Mathemathik/Informatik fand ich weitaus interessanter - aber immerhin. Vermutlich sind wir uns einig: Mit den Namen derart wegweisender Persönlichkeiten will und kann ich mich - ganz im Gegensatz zu sonstwem - hier nicht schmücken. Denn das wäre dann tatsächlich maßlos. Oder "maßlos Überheblich"
Aber jetzt mal weiter: Was ist nah an der Wahrheit ? Und was ist ganz, ganz nah an der Wahrheit ? Glücklicherweise gibt es z.B. in der Mathematik Metriken mit denen sich die Abstände zwischen zwei Punkten in abstrakten Räumen messen lassen. Metriken sind also so etwas wie Zollstöcke der Theoretiker. Betrachten wir also die Zahlenreihe:
0/1, 1/2, 2/3, 3/4, 4/5, ... . Sie geht gegen 1 - erreicht sie aber nie, so wie auch die Annäherung an die Wahrheit dieselbe nie erreicht. Zumindest sind wir uns einig, dass z.B. der Bruch 29876/29877 schon sehr nahe an der 1 (in diesem Bild: nahe an der Wahrheit) ist. Trotdem gibt es immer noch eine unbeschränkte Zahl von Brüchen in der Reihe, die zwischen dem "ganz, ganz nahen" Bruch 29876/29877 und der 1 liegen. Das, was in der einen Sichtweise also schon recht nah an der 1(=Wahrheit) ist, ist in der anderen Sichtweise immer noch unendlich weit von der 1(=Wahrheit) entfernt.
Ich gebe zu, dass ich jetzt etwas getrickst habe, ein Mathematiker darf das also jetzt nicht lesen.
Für die Philosophen reichts aber.
Was lehrt uns das ?
Oder: Wo liegt da nun der sittliche Nährwert ??
Mit der Messung von Abständen ist das so eine Sache. Das was den einen als ganz, ganz nah zur Wahrheit gilt, ist für den anderen weit entfernt von derselben. Damit wird natürlich nicht die Wahrheit als Ideal, aber der Abstand zum Ideal zu einer Meinungssche.
Meine Meinung:
Ich gehe jetzt wieder in die Sonne. Bitte nicht wörtlich nehmen - denn ich gedenke mit beiden Beinen auf dem Erdenboden zu bleiben. Sonne, Rhabarberkuchen und Kaffee rufen mich. Ganz laut. Methphysisch gesprochen.
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