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Brutalo-Sommer in der Literatur

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Brutalo-Sommer in der Literatur

Beitrag von bc53 » Sa 22. Aug 2020, 23:04

Vor ein paar Tagen habe ich in einem berühmten Buch, das heute eher unbekannt ist, die kurze Beschreibung eines Hitze-und Dürre-Sommers gelesen, wie wir sie jetzt schon zum dritten Mal hintereinander erlebt haben. Das Buch heißt "Seefahrt ist Not" und wurde von einem gewissen Johann Willhelm Kinau geschrieben, besser bekannt unter dem Pseudonym "Gorch Fock". Nach ihm wurde das Segelschulschiff der deutschen Bundesmarine benannt. In diesem Buch kommt sogar eine kurze "FKK-Szene" vor. Der Wind schläft ein und der Fischerei-Ewer von Klaus Mewes treibt manövrier-unfähig tagelang auf der Nordsee. Die Sonne brennt gnadenlos und der Aufenthalt auf Deck und erst recht unter Deck wird unerträglich. Irgendwann zieht sich Hein Mück, der Koch, nackt aus und flüchtet sich in das Wasserbecken unter Deck, in dem lebende Schollen bis zum Verkauf frisch gehalten werden. Wenig später zieht sich auch der Eigner und Käpt'n des Ewers "Laertes" nackt aus und schwimmt eine Runde in der Nordsee. Sein 11 - 13 (?) Jahre alter Sohn, der mit auf Schiff fährt, macht es seinem Papa nach, und alle wundern sich, daß Klaus Mewes Junior schon schwimmen kann. Von dieser kleinen Nacktionen-Szene ist her mein Beitrag nicht komplett off-topic. Wissen über den Schiffstyp "Ewer" gibt es auf Wikipedia. Hier jetzt die literarische Beschreibung eines Brutalo-Sommers aus der Feder von Gorch Fock:

"Sommer heißt der gewaltige Herr, den die Welt hat. In königlicher Pracht schreitet er einher, weithin über Land und See gleißt und
funkelt sein Purpurmantel. Groß und ehern sind seine Schritte. Alles wirft er nieder, alles muß sich vor ihm beugen! Das grüne Korn
erbleicht und senkt die Ähren, die Blumen verdorren, die Vögel verstummen, die Tiere verkriechen sich.
Nach dem spielenden Kind, nach dem lachenden Jüngling ist der [b]Mann[/b] gekommen, der Riese. Stückwerk ist nicht sein
Handwerk: er macht ganze Arbeit. Mit gewaltiger, furchtbarer Kraft drückt er alles Freundliche, Milde, Leichte in Grund und Boden,
zermalmt er es zu Staub, bis er allein dasteht. Dann zuckt es in seinen Fäusten, dann reckt er die Arme, dann stemmt er die Beine,
dann sprüht es aus seinen Augen, dann glüht und dampft sein Atem, und hart lacht es um seine Zähne. Selbst die großen Meister
der Winde müssen vor ihm ducken, und wollen sie sich erheben, so fegt er sie mit Blitz und Donner von dannen.
Eö weiß, was er zu tun hat, weiß, daß es um Brot und Leben geht, weiß, daß der Winter kommt. Was andere nicht gekonnt haben
in all den langen Tagen, in all den milden Monden, das vollbringt er in wenigen Wochen: in unerbittlichem Ernst, in kochendem Eifer,
in glühendem Haß, in flammendem Zorn, - und all sein Ernst, und Zorn ist wilde, gewaltige Liebe!"

Nun ja, was massenhaftes Baumsterben durch extreme Trockenheit mit Liebe zu tun hat, ist mir nicht so recht klar. Auch weiß ich
nicht, wer oder was "Eö" ist. Vielleicht wissen die Nordlichter auf diesem Forum darüber Bescheid. Ich finde allerdings, daß mit diesem
Text die Atmosphäre eines brutalen Hitze-Sommers perfekt eingefangen ist. Wie seht Ihr die Sache? Ich jedenfalls habe die Schnauze
voll von Backofen-Sommern!
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Re: Brutalo-Sommer in der Literatur

Beitrag von Free2015 » Sa 22. Aug 2020, 23:58

bc53 hat geschrieben:Auch weiß ich nicht, wer oder was "Eö" ist. Vielleicht wissen die Nordlichter auf diesem Forum darüber Bescheid.

Dieser "Eö" ist eher was von Südlichtern:

Aiolos (altgriechisch Αἴολος, lateinisch Aeolus, deutsch Äolus oder Äol) ist der von Zeus als Herrscher über die verschiedenen Winde eingesetzte Günstling der Götter.[1] Zu den Haupt-Winden gehören Boreas (Nordwind), Euros (Ostwind), Notos (Südwind) und Zephyros (Westwind).

Im Spanischen heißt Windenergie übrigens "Energía eólica", , franz. und ital. entsprechend "eólienne" und "eolica".

 
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Re: Brutalo-Sommer in der Literatur

Beitrag von Tim007 » So 23. Aug 2020, 00:20

Ich liebe den Sommer und habe meine Probleme mehr mit der kalten Jahreszeit.

Vielen Dank für den tollen Artikel!

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Re: Brutalo-Sommer in der Literatur

Beitrag von kuma » So 23. Aug 2020, 06:17

@bc53
Danke das du mich an meine Heimat-Literatur erinnerst

Dieses Buch gehörte zur pflicht Literatur in meiner Schule, wenn auch nicht von der Schulbehörde verordnet

Ich hatte es vollkommen verdrängt

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Re: Brutalo-Sommer in der Literatur

Beitrag von nordnackt » So 23. Aug 2020, 06:52

Als Kind war ich oft in Schweden. Dort sind wir an der Westküste mit einem kleinen Boot, das zum einfachen Ferienhaus mit Plumpsklo gehörte, jeden Tag raus in den Schärengarten der Westküste gefahren und haben uns dort ein Inselchen gesucht. Meist hatten wir die Schäre dann ganz für uns allein. Eine Tour führte uns zu der Schäre, auf der Wolfgang Kinau begraben ist, angeschwemmt nach der Schlacht im Kattegatt. Wir waren unter anderem deshalb dort, weil man Bruder und ich damals auf eine Gorch-Fock-Schule gingen, über deren Portal übrigens "Navigare necesse est" stand - Seefahrt tut not. Ich komme aus einer Hafenstadt mit - auch - Marinevergangenheit. Jede dieser Schären, auch die mit dem Grab, habe ich als Junge damals erforscht und erobert. Dazu bin ich weg von Boot und Familie, habe ich mich an der ersten nicht mehr einsehbaren Ecke nackt ausgezogen und bin ich so über "meine" Inseln gezogen. Damals muss ich etwa sieben bis 14 Jahre alt gewesen sein. Wir waren oft dort. Manchmal auch in Norddänemark, Skagen, bei Hirtshals. Da war es mit den weitläufigen Dünen das gleiche. Mit Gorch Fock verbinde ich deshalb also besonders schöne und frühe Erinnerungen an das Nacktsein. Schon damals hat mir das ungemein gut getan und war es mir offenbar ein angeborenes Bedürfnis, meine Klamotten abzulegen. Vor meiner Familie war mir damals nicht vorstellbar. Wohl eine Fehleinschätzung, denn Nacktbaden war zum Beispiel allseits in Ordnung und wurde, abgesehen von meinem älteren Bruder, auch häufig praktiziert. Wahrscheinlich hätten sich die anderen auch mehr ausgezogen, wenn ich es offen getan hätte. Nun denn.

Hier schließt sich für mich persönlich also der Kreis zum Startbericht. Vielen Dank für den schönen Beitrag.

Was den Sommer angeht: Einerseits werden wir im Norden nicht so von Sonne und Wärme verwöhnt. Wir kennen Regen in allen Jahreszeiten und haben dafür entsprechende Jacken. So gesehen spricht also nichts oder wenig gegen Rekordsommer. Andererseits ist das, von der egoistischen Perspektive abgesehen, eine nicht zu beschreibende Tragödie. Der Klimawandel ist nicht zu leugnen (bitte hier keine Diskussion darüber), die Folgen fangen jetzt erst an. Eigentlich möchte ich nicht sterben und lebe ich derzeit ganz gern. Wenn ich mir vorstelle, wie das so weitergehen kann und soll, ist die Alternative zum ewigen Leben aber doch nicht so schlecht. Natürlich gebe ich mir trotzdem Mühe, was ein klimafreundliches Dasein angeht. Aber das ist ein anderes, weites Feld.

Schöne Geschichten u.a. zur Seefahrt gibt es übrigens auch von Joachim Ringelnatz, der allerdings übelst von der Seekrankheit befallen war und früh, finanziell leider vollkommen erfolglos, umsatteln musste.

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Re: Brutalo-Sommer in der Literatur

Beitrag von bc53 » So 23. Aug 2020, 21:13

Danke für die positive Resonanz! Oft genug bin ich fertig gemacht worden wegen meiner Beiträge hier auf dem Forum. Eure Reaktion auf
den kurzen Gorch-Fock-Text ist eine ganz neue Erfahrung für mich!

bc53


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