onbydus hat geschrieben:die Akzeptanz für solche Events und Nacktheit wäre deutlich größer, wenn sie auch der Gesellschaft entsprechend stattfinden würde.
Es gibt natürlich immer Möglichkeiten die Akzeptanz noch weiter zu steigern, aber wenn Jerome nun schon über 20 Jahre die "Cyclonodista" in Brüssel organisiert (quasi ist er so etwas wie der "Vater" der Veranstaltung - jawohl, es gibt auch eine "Mutter", ob die aber in diesem Jahr dabei war, kann ich nicht sagen) und dafür auch immer Akzeptanz von den entscheidenden Leuten erfahren hat, dann muss ja schon einmal ein gewisses Maß an Akzeptanz vorhanden sein. Das dies von "Berufs-Aufregern" anders gesehen wird, tut dem keinen Abbruch. 20 Jahre sind halt 20 Jahre.
Nebebei: Jerome scheint es auch nicht geschadet zu haben, sonst wäre er nicht als Kandidat für den Stadtrat aufgestellt worden.
onbydus hat geschrieben:Bei "nur Männern" hat es immer diesen "schmuddeligen" Beigeschmack
An dieser Stelle kommt von mir immer ein kleines Lemma, und das geht - in aller Kürze - so: Auch wegen meiner früheren beruflichen Tätigkeit, habe ich gelegentlich Kontakt zu einer Gruppe von Hobby-Astronomen, die sich ihre Teleskope basteln, und alles, was des Nachts am Himmel sichtbar ist, fotographieren. Es ist ihr Hobby. Die Gruppe besteht zu über 97 % aus männlichen, überwiegend älteren Personen. Das Verhältnis der Geschlechter entspricht somit überhaupt nicht dem der Bevölkerung. Das ist auffallend, aber würdest du da auch sagen: "Das hat einen "schmuddeligen" Beigeschmack ??" Natürlich nicht!
Das, was du als "schmuddeligen" Beigeschmack beschreibst, folgt aus miteinander verketteten Erwartungshaltungen: Es wird dabei vermutet, dass unbeteiligte Passanten wiederum vermuten, es könne sich um (getarnten) Exibitionismus handeln. Mehrstufige Vermutungen. Aber natürlich ist das im Einzelfall nicht auszuschließen, wenngleich natürlich zu hoffen ist, dass dies selten vorkommt. Vielleicht tragen Maskierungen zu solchen Vermutungen unbeteiligter Passanten bei ?
Lassen wir den "schmuddeligen" Beigeschmack einmal beiseite, und betrachten etwas breiter das Geschlechterverhältnis unter den Nackten. Irgendwo schieb ich schon einmal: "Je 'öffentlicher' und je 'nackter' eine Aktion ist, desdo größer ist der Anteil der männlichen Teilnehmer". Dafür gibt es Gründe. Um das etwas einfacher zu machen, sortiere ist die Aktivitäten immer gerne nach dem Grad ihrer Öffentlichkeit :
(1) FKK-Vereine
(2) FKK-Abend in der XY-Therme
(3) FKK am offiziell dafür ausgewiesenen FKK-Strandabschnitt
(4) FKK am nicht offiziell dafür ausgewiesenen, aber allgemein so genutzen Strandabschnitt
(5) Nacktwandern/radeln im Wald / einsamer Gegend.
(6) Nacktwandern/radeln in nicht so einsamer Gegend.
(7) WNBR in der Innenstadt
In (1) erklärt sich das Verhältnis der Geschlechter zu einem großen Teil schon dadurch, dass in der Regel Familien gemeinsam Mitglied sind. Aber: Trotdem sind dort unterschiedliche Zugänge zum Nacktsein beobachtbar. Während im statistischen Mittel männliche Mitglieder deutlich mehr Wert auf das Nacktein legen (Ich schreibe dann gern: "Nackt mit Ausrufezeichen!") ist für die weiblichen Mitgieder das gemeinsame Leben im Verein häufig mindestens ebenso wichtig. In kurz, knapp und sehr, sehr stark vereinfacht: Männer werden durch das "Nacktsein" und Frauen durch das "Gemeinschaftsgefühl" an den FKK-Verein gebunden. Dieser Unterschied zieht sich jedesmal deutlich verstärkt bis in die höheren Nummern der obigen Aufzählung durch und kann teilweise den Prozentsatz der männlichen Teilnehmer z.B. an den WNBR-Demos (Stufe 7, noch einmal: "Nackt mit drei Ausrufezeichen !!!") erklären.
Dazu kommt wieder so etwas wie eine "Erwartungshaltung". Ein Beispiel kann das erläutern: Bei einer wirklich sehr großen Nacktwanderung (mit 100+ Teilnehmenden) irgendwo nahe Herborn, die in obiger Liste so etwa zwischen (5) und (6) einzusortieren wäre, begleitete uns ein Reporter einer örtlichen Radiostation. Er war überrascht, woher denn die beteiligten Frauen kamen. Wenn eine Erwartungshaltung der Art "nur Männer" verbreitet ist (wie bei dem Radioreporter), dann fühlen sich Frauen in der Mehrzahl weniger angesprochen und dann sind es hinterher tatsächlich "(fast) nur Männer".