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SWR2 Forum: „Nackte Haut - Warum wir uns entblößen“

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Re: SWR2 Forum: „Nackte Haut - Warum wir uns entblößen“

Beitrag von BOeinNackter » Fr 5. Aug 2022, 14:48

Ich kenne bis jetzt auch nur Arias Darstellung. Danke dafür. Die 3 Fachleute haben jeweils ihre eigene Sicht durch ihre wissenschaftliche Arbeit. Sicher kann man sie vom Kreis der NaturistInnen aus gesehen als Außenstehende bezeichnen. Nicht nur bei ihnen gibt es aber Informationen, die man bei überzeugten und offizeillen NaturistInnen vermisst.
Ich bin mit dem Gefühl, dass die Gesellschaft immer freier und nackter wird, in den 60ern aufgewachsen und musste auch enttäuscht registrieren, dass diese Entwicklung heute auf dem Rückzug zu sein scheint.
Inzwischen sehe ich, dass auch ich einer optischen Täuschung erlegen bin. Meine Aufmerksamkeit galt lange allen Anzeichen für das nächste überwundene Tabu. Diese Entwicklung fand wesentlich in den Medien statt. In der realen Welt gab es nur schwache Ansätze zu mehr Offenheit. Immer noch reden Eltern und Kinder oder SexualpartnerInnen nur selten über Nacktheit und Sexualität.
Eine wirkliche Auseinandersetzung mit der eigenen Einstellung zum eigenen Körper, seiner Nacktheit, seinen Empfindungen und Gefühlen, findet immer noch wenig statt. Ich glaube nicht, dass uns NaturistInnen Nacktheit einfach kalt lässt. In Wahrheit hat sie für uns alle in verschiedenen Situationen eine andere Bedeutung und löst andere Gefühle aus. Die Behauptung, da gäbe es keine Probleme, keine Fragen, dient auch dazu, ein Nachdenken oder gar Reden darüber zu vermeiden.
Für manche Sexualpädagoginnen ist heute ein wesentliches Ziel, zum freien Reden anzuregen und zu ermutigen. Auch die Ermutigung, den eigenen Körper kennenzulernen, ist wesentlich für ein persönliches Verhältnis zu sich selbst, zur eigenen Nacktheit oder zur eigenen Sexualität und was es da sonst noch zu entdecken gbt. Gerade solche Sexualpädagogik geht vielen Menschen zu weit. Sie trifft einen empfindlichen Punkt. Sex und Nacktheit interessiert eigentlich alle Menschen. Darüber miteinander zu reden würde aber schrecklich viel Offenheit bedeuten. Lieber nutzen wir anonyme, kommerzielle Angebote, erleben jedes bisschen Nacktheit als Sensation, als uns mal mit unseren Nächsten auseinanderzusetzen, zum Beispiel darüber, wieso zuhause alle ständig was anhaben, trotz dieser Hitze.

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Re: SWR2 Forum: „Nackte Haut - Warum wir uns entblößen“

Beitrag von hajo » Sa 6. Aug 2022, 00:54

Gerade dein letzter Satz trifft das Problem. Nämlich das Problem des Schweigens. Nacktheit ist dermaßen ein Tabu, dass selbst in den meisten Familien darüber nicht gesprochen wird. Vor Vorleben will ich gar nicht reden.
Aber darüber müsste man reden, besser es selber tun. Kinder lernen sehr viel durch Nachahmung. Das fängt beim Sprechen der Muttersprache an und hört beim Umgang mit Nacktheit nicht auf.
Als wir noch eine Familie waren - die Kinder sind längst z.T. selbst Eltern - war Nacktsein zu Hause kein Thema. Wir Erwachsenen waren zu Hause immer nackt, empfingen unseren Besuch so, selbst wenn dieser bekleidet blieb (was meist der Fall war). Auch die Kinder bevorzugten das nackte Leben. Nachbarsmädchen, das quasi zur Familie gehörte, war schon deswegen sehr gern bei uns, weil es wohl gerade dieses Leben so schön fand.
Aber dann wurden die Kinder älter. Wir(!) sollten uns plötzlich doch bitte bekleiden, wenn sie Besuch von Mitschülern, Freunden etc bekamen. Eine lange Diskussion. Wir blieben nackt. Wahrscheinlich haben wir nicht nur Erstaunen ausgelöst, sondern auch das Lästern forciert.
Irgendwann kam der erste Freund, der erste Sex. Darüber wurde sehr offen gesprochen - soweit ich das aus meiner Sicht beurteilen kann. Mama ging mit zum Frauenarzt oder - ärztin, um die "Pille" verschreiben zu lassen. Die Welt wurde wieder offener, die Kinder selbstbewusster.
Wenig später erfuhren wir alle möglich Spielarten des sexuell-körperlichen Umgangs, den sie so ausprobierten. Wäre ich jünger und/oder experimentierfreudiger gewesen... Hmmm ;) . So hörte ich mir das staunend an und erfuhr auch von manchem, was ich erst später, als das Internet mir Zugang zu zuvor verborgenen Informationen ermöglichte, so richtig wahr genommen hab.
Nun ist diese Phase wohl auch bei den Kindern vorbei. Mit eigenen Kindern wird offen und ungehemmt umgegangen, Nacktheit steht nicht so im Mittelpunkt wir bei mir/uns, aber ist kein Tabu, jedoch auch nicht wichtiges Thema.
Ich habe mir längst angewöhnt, aus meiner Art zu leben, keine große Sache zu machen. Ich bin nicht zu den jeweils neuen Nachbarn rüber, um sie vorzuwarnen. Sie haben es selbst recht zügig gemerkt, dass wir auch draußen bei entsprechender Witterung nackt rumlaufen ohne zuvor einen Rundruf zu starten. Wie schon an der ein oder anderen Stelle geschrieben: das geht klar, ist in Ordnung, man redet mit uns, man besucht uns, bringt bisweilen eine Spezialität vorbei (z.B. kasachische und russische Küche) und klappt nicht zusammen, wenn dort ein nackter Mensch in der sich öffnenden Haustür erscheint.
Nie ist jemand von den Nachbarn, den Freunden, den Verwandten auf die Idee gekommen, es könne bei vor allem meiner (bin ja als Mann ur-verdächtig) Nacktheit sich um Anbahnung sexuellen Vergnügens handeln. Es kam auch tatsächlich nie zur Sprache.
Warum auch? Ich bin zu Hause (da wo das gerade ist: Jugendzimmer, Studentenbude, Wohnung, Wohnmobil, Zelt, Hotel, Ferienwohnung ...) nackt. Seit mehr als 60 Jahren. Von wenigen zeitweisen Ausnahmen abgesehen (u.a. Alaska, Altiplano, Baffin Island, Bundeswehr...). Selbst in der kalten Jahreszeit. Früher half gegen die Kälte eine Heizung, demnächst werde ich wohl Decken requirieren müssen :cry: .
Wie oft hatte ich in der Zeit Sex? Ich müsste mal nachzählen. Auf sehr viele 8-Stunden-Tage käm ich da aber nicht (war meist nur ein Bruchteil des jeweiligen Tages...) :mrgreen:

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