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Nackt-TV für Kinder löst Entrüstung aus

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Nackt-TV für Kinder löst Entrüstung aus

Beitrag von Eule » Mi 7. Apr 2021, 14:58

Eine neue Kindersendung im niederländischen Fernsehen hat schon vor der ersten Ausstrahlung Proteste ausgelöst. "Gewonn.Bloot." (Einfach.Nackt.) ist der Titel des Programms. Darin sollen Kinder Erwachsenen Fragen stellen über deren Körper. Das Besondere: Die Erwachsenen sind splitternackt. In Den Haag überreichen Kritiker eine Petition an Abgeordnete gegen das Programm. Sie wurde von etwa 100.000 Niederländern unterzeichnet. Gegner gibt es vor allem unter konservativen Christen, orthodoxen Muslimen, rechtspopulistischen Parteien sowie deren Anhängern. Die "Unschuld der Kinder" müsse geschützt werden, erklärten die Initiatoren der Petition. Sie befürchten, dass die Konfrontation mit nackten Erwachsenen sexuellen Missbrauch Vorschub leisten könne. "Gewonn.Bloot." wurde gemeinsam mit einem Studienzentrum für Sexualität entwickelt.
Soweit eine von mir gekürzte Meldung der dpa.

Jetzt hoffe ich, hiermit keine religionsfeindliche Debatte auszulösen. Ich hoffe vielmehr, dass wir hier die notwendige Reife haben, uns mit den Bedenken dieser Menschen auseinander setzen zu können und eine Antwort finden, die wir diesen Menschen geben können. Ich verweise hier auch auf ein Argument der "guten bürgerliche Moral", die von einem angeborenen Schamgefühl spricht, den ist in dieser gemeinten Form objektiv nicht gibt.

Die Frage, die sich hier stellt ist die: Was ist mit dieser "Unschuld der Kinder" gemeint? Gibt es diese und wenn es diese gibt, wann geht diese verloren? Die nächste Frage, die hier angesprochen wurde, ist folgende: In welchem Zusammenhang steht der sexuelle Missbrauch zur "Unschuld des Kindes"? Warum sind Kinder, die erwachsene Menschen unbekleidet sehen, einer erhöhten Missbrauchsgefahr ausgesetzt als Kinder, die erwachsene Menschen nicht unbekleidet sehen?

Sind wir in der Lage und fähig, diesen Menschen eine angemessene Antwort auf ihre Befürchtungen zu geben?

 
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Re: Nackt-TV für Kinder löst Entrüstung aus

Beitrag von Eule » Mi 7. Apr 2021, 18:20

Eine unschätzbare Lösung des Erziehungsproblems finden die Eltern in der Freikörperkultur. Hier wächst das Kind heran, gewöhnt an seine Nacktheit, und die der Eltern und Geschwister. Es wird der Unterschiede zeitiger gewahr, die zwischen dem Körperbau der Geschlechter bestehen, aber nimmt sie als etwas Natürliches hin. Die Fantasie kann nicht mehr hinter verhüllenden Kleidern suchen. So gibt es ein neues, freies, gesundes und starkes Geschlecht.
Zitat aus Licht-Land, Januar 1931.

Stimmt diese Aussage, die man mit einer etwas anderen Formulierung aus den Kreisen der organisierten FKK'ler auch heute noch hören kann?

Diese Frage möchte ich mal an zwei Personen in diesem unseren Forum hier konkretisieren. Bitte, ich nehme keine Wertung dieser Personen vor. Diese beiden Personen eignen sich hier nur deswegen als Beispiel, weil die erste Person in einer aktiven FKK-Familie aufgewachsen ist und die andere Person nicht. Die erste Person ist Campingliesel und die zweite Person bin ich selbst.

Campingliesel ist in einer FKK-Familie hineingeboren worden und war bis zu ihrem 18. Lebensjahr in einem FKK-Verein aufgewachsen und aktiv. Ich hingegen bin in einer Familie aufgewachsen, in der die Nacktheit kein Thema war, es gab diese einfach nicht. Weder habe ich meine Eltern noch meine Geschwister unbekleidet gesehen. Nach der Auffassung der Initiatoren der Petition wuchs ich in der "Unschuld der Kinder" auf und war so gegen sexuellen Missbrauch besser geschützt als Campingliesel, die ja ohne diese "Unschuld der Kinder" aufwuchs. Ist dieser Ansatz logisch? Kann man dieses wirklich so sagen.

Nach der Meinung der FKK'ler müsste Campingliesel über ein stärkeres Geschlecht verfügen als ich, da sie ja in einer natürlichen Nacktheit aufwuchs, ihr die Unterschiede des Körperbaues der Geschlechter bekannt und immer sichtbar war. Kann dieses wirklich so gesagt werden?

Der Umstand, dass Campingliesel weiblich ist und ich männlich bin, spielt hier keine Rolle. Ebenso ist der Altersunterschied zwischen Campingliesel, die 62/63 Jahre alt ist und ich in der Mitte des 8. Lebensjahrzehnt stehe, spielt ebenso keine rolle. Denn es geht hier um das allgemeine geschlechtliche Verständnis und die Bejahung der Geschlechtlichkeit.

Wir haben jetzt hier die zwei entgegenstehenden Positionen und Begründungen zur Frage der Geschlechtlichkeit und der gesunden Entwicklung hierzu. Welche von diesen beiden Positionen ist die richtige Position? Oder sind beide Positionen unzutreffend? Wenn es so ist, warum?

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Re: Nackt-TV für Kinder löst Entrüstung aus

Beitrag von ynda » Mi 7. Apr 2021, 19:04

Ich glaube eine (Weiter)entwicklung durch menschliche Einflüsse findet etwas später, nach dem frühen Kindesalter
immer noch statt.
Zum Beispiel durch Schulfreunde, durch berufliches Umfeld in der Berufsausbildung oder durch neue Freunde beim
Studium. Also so die Zeitspanne ab 12/13 bis etwas über 20. Rückblickend auf meine eigene Entwicklung, hab ich
vieles was mir meine Familie vor gelebt hat in Frage gestellt und neu ... hmm? ... bewertet, überdacht, evt für mich
geändert.
Das passiert mehr oder weniger zufällig dadurch, was für Menschen man in dieser Zeit kennen lernt.

Aber grundsätzlich denke ich, ein Kind mit FKK oder auch nur ungezwungener Nacktheit in der Familie, entwickelt
sich besser zum 'starken Geschlecht'. Die Formulierung find ich nicht so gut, passt irgendwie nicht :?:
Gesundes, freies, ungezwungenes, ist besser, ... glaub ich.

Ganz wichtig ist aber was anderes. Kinder werden schon relativ früh Fragen stellen, die manche Eltern in Erklärungsnot
bringen und bei der Großmutter für Schnappatmung sorgen ..... Ähem, nee, ich hab vergessen, die Großmütter von
heute sind in den 70ern groß geworden, die erschüttert so was nicht ;) :D
Jedenfalls sollten die Fragen der Kinder möglichst ehrlich beantwortet werden. Alles drum herum Gerede und Märchen
erzählen, rächt sich!

Ist nur meine persönlich Ansicht, ich hör gern zu was andere sagen.

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Re: Nackt-TV für Kinder löst Entrüstung aus

Beitrag von Aria » Mi 7. Apr 2021, 21:06

ynda hat geschrieben:Jedenfalls sollten die Fragen der Kinder möglichst ehrlich beantwortet werden. Alles drum herum Gerede und Märchen
erzählen, rächt sich!
Die Erziehung – und dazu gehört auch das elterliche Vorleben ihrer Einstellung zur Nacktheit – wird überbewertet: Hätte dies einen so großen Einfluss, dürfte es die weite Verbreitung der FKK in den 1920er und 1970er Jahren nicht geben, denn die Mehrheit der Leute, die in jenen Zeiten zur FKK kamen, hatten ihre Eltern nie nackt gesehen. Nacktheit und Sex waren damals für Eltern kein Thema, das mit ihren Kindern zu besprechen wäre. Man redete, wenn überhaupt, nur drum herum – erkennbar z.B. an den Kommentaren zu den in den 1960er aufkommenden Miniröcken: „So gehst du mir nicht aus dem Haus!“ Also wurde gehorsam der knielange Rock angezogen – und am Bund umgeschlagen, sobald man aus der Sichtweite des Elternhauses war.

Viel wichtiger als alles andere und bestimmend für das eigene Verhalten ist das Verhalten der Altersgenossen in der Jugend. Man will zu dieser Gruppe gehören und nicht zu der Gruppe der Alten. Und im Teenageralter sind alle Menschen über 30 alt – also auch die eigenen Eltern.

Die eigentliche Frage, Eule, wurde schon in der von dir zitierten dpa-Meldung beantwortet – Zitat:

In Den Haag überreichen Kritiker eine Petition an Abgeordnete gegen das Programm. Sie wurde von etwa 100.000 Niederländern unterzeichnet. Gegner gibt es vor allem unter konservativen Christen, orthodoxen Muslimen, rechtspopulistischen Parteien sowie deren Anhängern. Die "Unschuld der Kinder" müsse geschützt werden, erklärten die Initiatoren der Petition.

Wie in solchen Fällen üblich, werden Kinder, die es angeblich zu schützen gelte, nur vorgeschoben. Der dahinterstehende Gedanke ist: Nackt = Sex = Porno. Ähnliches und in verschärfter Form kennen wir schon aus den 1950er Jahren – Zitat aus dem Spiegel vom 29.07.1959:

Auf dringliche Empfehlung des rangältesten Ortspfarrers beschloß der Friesoyther Stadtrat, im städtischen Freibad die Geschlechter nur noch getrennt baden zu lassen ...

Selbstverständlich nicht nackt, sondern in Badeanzügen. :shock:

 
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Re: Nackt-TV für Kinder löst Entrüstung aus

Beitrag von Tim007 » Mi 7. Apr 2021, 22:06

Aria hat geschrieben:
Wie in solchen Fällen üblich, werden Kinder, die es angeblich zu schützen gelte, nur vorgeschoben. Der dahinterstehende Gedanke ist: Nackt = Sex = Porno.


Leider wahr.

 
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Re: Nackt-TV für Kinder löst Entrüstung aus

Beitrag von Kantianer » Mi 7. Apr 2021, 22:29

Warum löst der Film oder Sendebeitrag die aktuelle Empörung aus? Es gab doch schon einmal einen Saunawerbefilm, der aktuell nur noch übers Internet in Holland abgerufen werden kann.

Bei dem in Rede stehenden Filme ist es genau so. Man könnte diesen durchaus mit einer holländischen IP auch in Deutschland sehen. Kleiner Haken, wenn es dumm läuft, kommt die Polizei nimmt den PC mit, und prüft ob diese in Holland frei ausgestrahlte Sendung, nach deutschem Recht, nicht der strafbaren Kinderpornographie unterfällt.

Das ist ein klarer Beweis, dass man mit der eigenen Kultur nicht mehr richtig umgehen kann. Ein Schagwort reicht aus um viele Leute kriminalisieren zu können.

Der einmal legendäre freie Umgang mit dem nackten Körper, dürfte wohl in diesem Land am Meer ebenfalls vorüber sein

 
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Re: Nackt-TV für Kinder löst Entrüstung aus

Beitrag von Campingliesel » Mi 7. Apr 2021, 23:13

Ich finde eine solche Sendung auch nicht gut. Ich glaube nicht, daß man damit gegen die Prüderie ankommt. Man erreicht eher das Gegenteil.
Die Leute sollten einfach auf einen FKK-Platz gehen, sich anständig benehmen und dann brauchen Kinder auch nackten Erwachsenen keine Fragen zu stellen. Was sollen sie denn über ihren Körper fragen, wenn sie eh schon alle nackt sind?
Ich finde das schon sehr merkwürdig.

Die "Unschuld der Kinder" müsse geschützt werden, erklärten die Initiatoren der Petition. Sie befürchten, dass die Konfrontation mit nackten Erwachsenen sexuellen Missbrauch Vorschub leisten könne.


Diese Begründung finde ich einen totalen Quatsch. Es liegt doch nicht an den Kindern, die die nackten Erwachsenen zu sehen bekommen, wenn die nackten Erwachsenen auf blöde Gedanken kommen. Jetzt sind wohl die Kinder daran schuld, wenn durch die Nacktheit der Erwachsenen sexuellem Missbrauch Vorschub geleistet wird? Oder wie soll man das verstehen? Logischer wäre es doch, wenn solche Erwachsene auf nackte Kinder so reagieren würden.
Kein Kind erleidet einen Schaden, wenn es nackte Leute sieht. Ich glaube eher, daß diese Erwachsenen einen Schaden haben, wenn sie so auf Kinder reagieren. Und das hindert die Erwachsenen auch nicht, das im angezogenen Zustand zu tun.

 
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Re: Nackt-TV für Kinder löst Entrüstung aus

Beitrag von Campingliesel » Mi 7. Apr 2021, 23:32

@ Eule
Deine übrigen Fragen beantworte ich gesondert.
Aber im Hinblick auf diese Sendung scheinen die Macher das mit der kindlichen Unschuld ziemlich falsch zu verstehen. Es ist doch völlig egal, ob sich Kinder noch in der Phase ihrer völligen Unschuld befinden oder nicht, oder ob sie nun FKK kennen oder nicht, daß sie vor sexuellem Mißbrauch geschützt werden müssen.
Eine Frage kann ich dir schon mal beantworten: Es spielt keine Rolle, ob Kinder mit der FKK aufwachsen oder nicht, denn die Phase der kindlichen Unschuld haben alle Kinder. In diesem Alter denken Kinder absolut nicht darüber nach, wo der Unterschied sein soll, ob man nun FKKler ist oder nicht. Die kindliche Unschuld, was nichts anderes heißt, als die Unwissenheit über die Dinge des Lebens, verlieren alle Kinder mit der Zeit, wenn sie begreifen, worum es geht, wenn sie anfangen, Fragen zu stelllen. Und das hat mit FKK gar nichts zu tun. Durch die FKK können sie aber lernen, ein natürlicheres Verhältnis zu ihrem Körper zu haben, was aber nicht heißt, daß man alles an sich an heranlassen muß.

 
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Re: Nackt-TV für Kinder löst Entrüstung aus

Beitrag von Campingliesel » Do 8. Apr 2021, 11:42

@ Eule:

Campingliesel ist in einer FKK-Familie hineingeboren worden und war bis zu ihrem 18. Lebensjahr in einem FKK-Verein aufgewachsen und aktiv. Ich hingegen bin in einer Familie aufgewachsen, in der die Nacktheit kein Thema war, es gab diese einfach nicht. Weder habe ich meine Eltern noch meine Geschwister unbekleidet gesehen. Nach der Auffassung der Initiatoren der Petition wuchs ich in der "Unschuld der Kinder" auf und war so gegen sexuellen Missbrauch besser geschützt als Campingliesel, die ja ohne diese "Unschuld der Kinder" aufwuchs. Ist dieser Ansatz logisch? Kann man dieses wirklich so sagen.

Nach der Meinung der FKK'ler müsste Campingliesel über ein stärkeres Geschlecht verfügen als ich, da sie ja in einer natürlichen Nacktheit aufwuchs, ihr die Unterschiede des Körperbaues der Geschlechter bekannt und immer sichtbar war. Kann dieses wirklich so gesagt werden?


Ganz so einfach sind diese Fragen nicht zu beantworten. Das ist viel zu sehr nur schwarz und weiß gemalt.

Ich bin zwar mit der FKK aufgewachsen, aber es durchaus nicht so, daß ich nichts anderes als FKK gekannt habe. Als FKK-Familie versteht man ja anscheinend heute, daß man zu Hause fast ständig nackt lebt. Aber das war bei uns nicht der Fall. Wir waren NUR im Verein nackt und auf den FKK-Campingplätzen. Öffentliche vereinslose Plätze kannten wir nicht, also solche wie jetzt die FKK-Strände z.B. an den Seen hier.

Außerdem hat ja meine FKK-Laufbahn nicht mit dem Austritt aus dem Verein bzw "Nicht-wieder-Eintritt" in den Verein geendet, sondern allenfalls eine Pause bedeutet, weil mein damaliger Mann ein paar Jahre brauchte, bis er sich darauf einließ. Und die 2. Pause während der 90er lag einfach daran, daß ich keine Gelegenheiten für die FKK hatte. Aber geändert hat sich meine Einstellung dazu nie. Und seit 2002 mache ich ja auch wieder FKK. Nur FKK-Urlaube waren nicht mehr so häufig wie früher.

Ich kannte auch genauso Textilbäder und Textilcampingplätze. Das lief bei uns einfach parallel durch die Möglichkeiten, die wir hatten oder eben nicht hatten.

Unter kindlicher Unschuld verstehe ich einfach die kindliche Unwissenheit über die Bedeutung der Dinge. Es spielt dabei auch überhaupt keine Rolle, ob das Kind nackte Menschen sieht oder nicht. Jedenfalls nicht bei KLeinkindern unter 3 Jahren. Ich kann mich auch absolut nicht daran erinnern, daß ich mir als 3, 4 und 5jährge irgendwelche Gedanken gemacht hätte, wieso jetzt auf dem Campingplatz an dem See in Österreich alle Leute nackt waren und warum das zu Hause im Schwimmbad nicht so ist. Das ist in diesem Alter einfach bedeutungslos. Ebenso wenig wie ein KInd eine Ahnung davon hat, daß Nacktheit auch mit sexuellen Dingen in Verbindung stehen kann. Oder was das überhaupt sein soll. Aber ich wurde eben langsam und unmerklich daran gewöhnt, was FKK war und was es eben nicht dabei gab.
ABer die kindliche Unschuld hatte ich sicher genauso wie alle anderen Kinder auch.

Aber irgendwann war mir sicher auch klar, daß es Dinge gibt, die nicht unbedingt für Kinder geeignet sind, zu sehen oder zu wissen.
Da es auf den FKK-Plätzen absolut nichts gab, was irgendwie mit sexuellen Dingen zu tun hatte, so wußte ich anscheinend intuitiv, wo es Grenzen gab. Ohne daß ich das damals hätte erklären können.

Wenn mich jemand , also ein Nicht-FKKler, gefragt hatte, ob ich denn keine Angst hätte, daß mich jemand unsittlich antatscht oder so, dann konnte ich ruhigen Gewissens sagen, daß es dort sowas nicht gibt und daß ich deshalb keinen Grund für Angst vor sowas haben muß. Heute kann man das leider nicht mehr so generell sagen.

Daß das eher auf Textilplätzen passiert, zeigt ein Beispiel: Einmal trat im Textilschwimmbad ein in meinen Augen "jüngerer" Mann auf mich zu. Ich war wohl so etwa 8 Jahre alt. Er stellte sich also vor mich hin und packte seinen Penis aus der Hose aus, um mir das zu zeigen. Ich hatte zwar keine Ahnung, was das sollte und warum er das machte, und ich wurde auch nicht hysterisch oder ängstlich, sondern das einzige, was ich dachte, war: "Na und? Das habe ich im Verein oder im Urlaub schon oft genug gesehen. Was soll da jetzt was Besonderes sein?" Und ich ging achselzuckend weg. Trotzdem spürte ich, daß dieses Verhalten nicht in Ordnung war. Ich habe meiner Mutter aber nichts davon erzählt, weil es eben keine so besondere Bedeutung für mich hatte und ich es deshalb auch völlig vergessen hatte, zu erzählen. Trotzdem kann ich mich noch gut daran erinnern. Da das ja mitten im Schwimmbad passierte und es auch leicht für alle zu sehen gewesen wäre, ist der junge Mann ja auch nicht weiter aufdringlich geworden. Ich machte mir also keine weiteren Gedanken mehr darüber, was womöglich noch alles hätte passieren können.

Ich kann mir aber gut vorstellen, daß ein KInd, das noch nie andere nackte Menschen gesehen hat, nicht so gelassen reagiert hätte.

Auch als Jugendliche hatten wir keinerlei Probleme mit der FKK, weil es eben etwas völlig Natürliches war, daß man sich körperlich verändert. Das gehörte eben zum Leben und jeder Jugendliche konnte es kaum erwarten, endlich auszusehen wie die Erwachsenen. ABer geschämt hat sich keiner wegen den Veränderungen.
Wir hatten auch keine Angst, daß uns irgendjemand sexuell belästigen könnte. WEnn man jemanden nicht an sich heranlassen wollte, dann sagte man das eben deutlich.
Sicherlich konnte es sein, daß man sich verliebte und es auch zu Küssen und Streicheln kam. Wir wußten aber auch, daß es Annäherungsversuche geben könnte, die man sich nicht gefallen lassen muß. Aber das hatte ja mit der FKK nichts zu tun. Da gab es für uns keinen Unterschied, ob man so etwas evtl auf einem FKK-Platz oder einem Textilplatz erleben könnte. Man kann schließlich in jedem Fall sagen "Nein" und "Stop".

ABer nach meiner Erfahrung im Schwimmbad hatte ich eher das Gefühl, daß sowas eher auf Textilplätzen passiert als auf FKK-Plätzen. Auf Textilplätzen sind vor allem eben die Jungs und Männer viel neugieriger als auf FKK-Plätzen, weil sie ja nicht an nackte Menschen gewöhnt sind. Auf FKK-Plätzen ist das nichts Besonderes mehr. Diese Neugier fällt da also schon mal weg. Auf Textilplätzen müßte sich ja einer erst mal an eine ranmachen, wenn er was sehen wollte. Und umgekehrt auch. Aber es sind ja eher die männlichen Wesen, die immer was sehen wollen. Mädchen interessiert das alles nicht sooo sehr. Auch daß sich Jungs oder Männer so zeigen wollen, war damals zumindest kaum ein Bedürfnis auf FKK-Plätzen. Ich habe jedenfalls nie etwas derartiges erlebt.

Und genau diese Dinge sind eben heute leider nicht mehr so selbstverständlich, daß sie nicht auf FKK-Plätzen stattfinden. Es gibt ne Menge Leute, die den Sinn der FKK darin sehen, sich zu zeigen und zu präsentieren, auch solche, die nichts Ungewöhnliches dabei finden, wenn einer einen Steifen hat. Das hätte es eben damals niemals gegeben. Ich kann sogar sagen, daß ich das vorher nie irgendwo gesehen habe und deshalb nicht mal wußte, was ein Steifer überhaupt ist, bevor ich nicht meine persönlichen Erlebnisse damit gehabt habe. Aber das hatte auch nicht auf FKK-Plätzen stattgefunden. (soviel zum Thema, daß man eben als FKKler nicht asexuell ist und nicht sexfeindlich eingestellt ist. Nur hat es eben mit der FKK nichts zu tun) Diese Dinge sind eben privat und gehören nur in den privaten Bereich.

Insgesamt kann ich also sagen, daß ich als FKKlerin, die das von klein auf kennt, viellleicht mehr geschützt bin und war. Ich habe zwar ein natürliches Verhältnis zum Körper und auch zur Sexualität,( eben da, wo sie hingehört), aber das heißt nicht, daß ich mich leichtfertiger auf Dinge einlasse, die ich nicht will oder die böse enden könnten. Ich konnte mich damals jedenfalls auf FKK-Plätzen sicher fühlen, daß nichts Unangenehmes passierte. Und ich wußte, wo die Grenzen lagen, was erlaubt war und was nicht. Oder was normal war und was nicht normal gewesen wäre. Ich bin sicher, daß wohl so ziemlich alle so denken, die es genauso erlebt haben wie ich.

Das klingt zwar nach Verallgemeinerung, aber es betraf eben Millionen von FKK-Fans in all der Zeit und auf sämtlichen offiziellen Plätzen.

Heute und seit gut 20 Jahren ist das eben leider nicht mehr so. Die heutige Prüderie zeigt mir, daß viele junge Leute das nicht mehr so abgrenzen können und deshalb mehr Angst haben. Und genau das kommt von der starken Vermischung von der Nacktheit der FKK und der Nacktheit der Sexualität.
Und da kann mir einer erzählen, was er will. Alle anderen angeblichen Gründe sind nur oberflächliche Ausflüchte. Und die gab es größtenteils schon immer, wenn jemand die FKK von vornherein ablehnte. Auch mit Zeitgeist hat das gar nichts zu tun, denn der hat sich ja schließlich seit Beginn der FKK bis zu den 90ern auch häufig und sehr drastisch geändert. Was aber der FKK nie geschadet hat.

 
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Re: Nackt-TV für Kinder löst Entrüstung aus

Beitrag von Campingliesel » Do 8. Apr 2021, 12:09

zur Erklärung, was kindliche Unschuld bedeutet:

Nach der Auffassung der Initiatoren der Petition wuchs ich in der "Unschuld der Kinder" auf und war so gegen sexuellen Missbrauch besser geschützt als Campingliesel, die ja ohne diese "Unschuld der Kinder" aufwuchs. Ist dieser Ansatz logisch? Kann man dieses wirklich so sagen.


Nein, das kann man so nicht sagen. Ich wuchs absolut nicht ohne diese "Unschuld der Kinder" auf, nur weil ich die FKK von klein auf kannte. aber eben mehr unbewußt. Das ist totaler Quatsch, was diese Leute da behaupten.

(Google) gehoben sittliche Reinheit, Wesensart ohne Falschheit und ohne Schuld
Beispiele:
eine kindliche, kindhafte Unschuld
die schlichte Unschuld ihres Herzens
ein Ausdruck von Unschuld lag auf ihrem Gesicht
Weiß ist die Farbe der Unschuld
Harmlosigkeit, Naivität
Beispiele:
die Unschuld kindlicher Freuden, Vergnügungen
etw. in aller Unschuld sagen, aussprechen, tun

Geradheit · ↗Geradlinigkeit · ↗Integrität
↗Aufrichtigkeit · ↗Freimut · ↗Offenheit · ↗Offenherzigkeit
↗Natürlichkeit · Ungekünsteltheit · ↗Ungezwungenheit · Unverbildetheit ●

Das heißt: Kindliche Unschuld zeigt sich darin, daß es noch nicht zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch, Gut und Schlecht unterscheiden kann und völlig auf die elterlichen Vorbilder angewiesen ist, die natürlich beides sein können. Aber es ist völlig hilflos und wehrlos, wenn es z.B. mißhandelt wird. Es merkt nur, daß es das Kind krank macht und weh tut.

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