Gerne würde ich hier ein paar Gedanken zum Nacktsein teilen und mit euch diskutieren. Meine Schilderungen beruhen auf eigenen Erfahrungen, Gefühlen und Gedanken zum Thema. Auslöser war für mich die Frage beim Kennenlernen anderer FKKler: Wie bist Du dazu gekommen?
Also fragte ich mich: Warum ist das Nackte Leben für mich so anziehend? Was macht den Reiz aus bzw. wieso fühle ich mich nackt wohler als in Klamotten?
Zuerst: Was bedeutet für mich Nacktes Leben?
Für mich steht dabei der Wunsch im Vordergrund möglichst viel Zeit unbekleidet zu verbringen und in möglichst vielen alltäglichen Situationen nackt sein zu können. Primär ist das bei mir zu Hause möglich, also beim Schlafen, bei Hausarbeiten, beim Yoga und auch wenn ich (werktäglich) im Home Office arbeite. Nur selten bei Wanderungen, im FKK-Freibad, an FKK-Badeseen oder in Saunen / Thermen. Und auch nur bei angenehmen Temperaturen, d.h. (da ich sehr verfroren bin) hauptsächlich im Sommer.
Freiheit
Ein Großteil meines Vergnügens am Nacktsein ist wohl der Genuss der Freiheit, die damit einhergeht. Nichts engt ein, nichts hindert, nichts beschränkt.
Im Sinne von sozialverträglicher / sozialadäquater Nacktheit bedeutet das für mich auch, dass ich niemand die unerwartete Ansicht meines bloßen Körpers aufdrängen möchte. Für mich endet meine Freiheit erstmal dort, wo ich die Freiheit anderer einschränke. Ohne auf rechtliche Randbedingungen einzugehen (die werden hier anderweitig ausführlich diskutiert), möchte ich mich anderen gegenüber aus Respekt nicht aufdrängen. Gute Freunde kennen meine Faible und ich ziehe nicht extra was an, wenn sie zu Besuch kommen. Klingelt dagegen ein Nachbar, schlüpfe ich schnell in eine kurze Hose. Gesellschaftliches Zusammenleben besteht zu einem Gutteil aus Kompromissen.
Reiz des „Verbotenen“
Dies ist bei mir sehr ausgeprägt und mit einer Prägung aus der Kindheit zu erklären. Ich wuchs unter ständiger und starker Kontrolle auf, die sich bis ins Erwachsenenalter zog. Einen Teil dieser Kontrolle habe ich internalisiert, d.h. ich versagte mir viele Dinge, die mir als „Verboten!“ anerzogen wurden. Erst nachdem mir dies bewusst wurde, wehre ich mich – auch heute noch – aktiv dagegen. Nackt sein zu können ist ein bedeutender Teil davon.
Gefühl
Ich erlebe das Leben nackt viel unmittelbarer: nicht nur den Wind und die Sonne auf der Haut, das Streifen durch Gras oder Blätter, sondern auch im Zusammensein mit anderen scheint es eine Barriere weniger zu geben. Nacktsein bedeutet für mich nicht nur Offenheit, sondern auch eine gewisse Verletzlichkeit zu zeigen.
Ich-Sein
Nackt zu leben ist Teil meines Ichs. Wer mit mir zu tun haben möchte, sollte das akzeptieren, mindestens jedoch tolerieren. Genauso wie ich gewisse Eigenheiten bei anderen.
Praktische Aspekte
Kleidung, die ich nicht trage, muss auch nicht gewaschen werden. Im Sommer fällt bei mir deutlich weniger Wäsche an als im Winter. Auch Spaghetti mit Tomatensoße oder ein tropfendes Eis sind nackt kein Problem – kann ich ja abwischen!
Beim Nackten Leben sind sicher für jede und jeden andere Aspekte wichtig und ausschlaggebend. Es gibt wahrscheinlich genau so viele Ansichten zu dem Thema wie es Anhänger gibt. Und trotzdem bleibt uns allen die Freude am Nacktsein gemein.
So, hoffentlich war das nicht zu viel zum Lesen. Und jetzt bin ich auf eure Reaktionen gespannt. Antworten können etwas dauern; ich schaue nicht regelmäßig ins Forum.
Grüßle
--Jürgen