Hannes 2.0 hat geschrieben:Den sozialverträglichen Umgang mit der eigenen Sexualität lernt man normalerweise im Laufe seines Lebens.
Dafür braucht es keine späte Gebrauchsanweisung im erwachsenen Alter.
Wie Sexualität gesehen wird und wie wir damit umgehen, hat sich während meiner Lebenszeit enorm gewandelt. Alle hat diese Entwicklung bewegt. Manche fühlten sich befreit, andere wurden verunsichert, haben gelitten, fühlten sich überfordert, unter Leistungsdruck, wurden enttäuscht und suchten den Rückweg in alte Zeiten. Bei aller "Aufklärung" ist die Fähigkeit, über Sexualität, als etwas Positives und individuell Vielfältiges zu reden, nicht sehr verbreitet. Dass Menschen den Umgang mit ihrer Sexualität so einfach und konfliktfrei lernen, ist leider oft nicht so. Unter den Fachleuten ist ja auch nicht geklärt, was Sexualität ist und was wohl der richtige Umgang damit wäre.
In unserer Gesellschaft gibt es immer noch die Auffassung, Sexualität sei eigentlich Sünde und nur akzeptabel, um Kinder zu zeugen. Von daher werden immer noch alle sexuellen Aktivitäten negativ betrachtet, die nichts mit dieser Zeugung zu tun haben, z.B. gleichgeschlechtlicher Sex oder Selbstbefriedigung. Wie weit sind wir als einzelne Personen davon entfernt, diese Themen positiv zu sehen und uns darüber mit Erwachsenen und Kindern angemessen und ernsthaft auszutauschen. Solche Gespräche sind Bedingung, um z.B. in sexuellen Beziehungen Einvernehmen zu erzielen und um zu Kindern eine offene Gesprächsbasis zu bieten, was sie weniger anfällig gegen sexualisierte Gewalt machen würde.
Mir ist klar, dass FKKlerinnen, Naturisten und Nudistinnen deutlich machen wollen, dass es nicht Sex ist, wenn sie nackt baden, wandern oder Tee trinken. Ich finde es nur sehr traurig und peinlich, wenn dabei solche Sätze heraus kommen. Es gibt keinen gegensatz von Sexualität und Natürlichkeit. Wir, als jene, die gern nackt sind, brauchen uns vor Sexualität nicht zu fürchten. Ihre Deklaration als Sünde hat dazu geführt, dass wir uns unserer Körper schämen sollen.
Je positiver Sexualität in unserer Gesellschaft gesehen wird, desto eher könnte auch die Nacktheit der damit verbundenen Körperteile akzeptiert werden.