Gerade das erwähnte Miramar hatte in den 90ern drei jederzeit gutbesuchte FKK-Abende. Und das *trotz* wesentlich freizügigerer Atmosphäre. Das Dörfchen Weinheim hatte zwei Swingerclubs, die sich aus Besuchern nährten, die vom Vorglühen aus dem Miramar kamen. Oder zum zweiten Gang antraten.
Das hieß zwar damals auch schon "FKK-Abend", gemeint war aber "Nacktbaden". Also normale Leute, die sich halt mal ausziehen, *nicht* Ultraorthodoxe, die den hundertzeiligen Verhaltenskodex von ihrem preußischen Luftbadeplatz in einer Schachtel vor die Stirn gebunden vor sich hertragen.
Allerdings ist unsere Gesellschaft mittlerweile ohnehin von verschobenen Maßstäben gebeutelt, die nicht mehr zusammenpassen. Selektive Regelanwendung allerorten. Wenn es nun in der Sauna etc. so wichtig ist, die Baderegeln einzuhalten, warum wird dann *nur* auf (unterstellte) Sexualität geachtet, und nicht auf die 10 anderen wichtigen Verhaltensregeln, die mindestens genauso wichtig sind (z.B. keine Badekleidung tragen, Badetuch auch unter die Füße und nicht mit den Badelatschen auf die Bank, nicht rumschreien und rumrennen, keine anderen Leute aggressiv angehen usw.)?
Streng genommen ist ja selbst das Masturbieren in der abgeschlossenen Toilettenkabine verboten. Also aufpassen beim Abschütteln bzw. Abwischen, wenn der Reinigungszweck überschritten wird. Dabei reicht das Wort des Bademeisters, der unter dem Verschlag durchschaut und die gesehenen Bewegungen fachkundig zwischen Toilettengang und Autoerotik einordnen kann. (Das als Anspielung darauf, daß eine gewisse Therme bei Sinsheim von Ehepaaren 600 Euro Strafe erpreßt hat, die gemeinsam in eine Umkleidekabine gegangen sind und nichts weiter taten, als sich dort umzuziehen. Dazu hat sich das Aufsichtspersonal als gewerbsmäßige Spanner betätigt und bei allen Gästen unter dem Kabinenrand durchgesehen.)