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Dialekte

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Re: Dialekte

Beitrag von hajo » Di 19. Jun 2018, 17:23

Puistola hat geschrieben:Das Nasenrümpfen der Kindergärtnerin 1959 über meinen
Alemannischen Dialekt in Singen (!) hatte mich zutiefst verletzt, denn er
war und ist auch heute noch mein alltägliches Verständigungsmittel.

Beides verstehe ich.
Dennoch:
Soll Sprache ausgrenzen?

Gut.
Heutzutage wohl.

Aber grundsätzlich?

Puistola hat geschrieben:...was soll es, diesen jungen Leuten am Nordufer des Hochrheins einen Dialekt beizubringen, den ihre Eltern bereits mehrheitlich abgelegt hatten?

Eben.

Meine Mutter sprach mit allen, die ihr nahe waren, Dialekt.
Mit ihrem Vater - mein geliebter Großpapa -, der konnte nichts anderes.
Mit den wenigen, den vorbei gehenden, manchmal radelnden Nachbarn, die so-gut-wie-immer anhielten, um zu "reden" (das Dialekt-Originalwort kenn ich nicht mehr :( )
MEIN Vater war völlig (neudeutsch: total) dagegen, Dialekt zu sprechen.
Er las Schiller, Goethe, Lessing...

Also verstand ich Dialekt, aber sprechen?
Auf gar keinen Fall!

Ich hab das später verstanden.
Also: nicht immer den Dialekt...

Aber, eine Sprache zu verwenden, die auch der jeweils andere zu verstehen in der Lage sein sollte...

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Re: Dialekte

Beitrag von Zett » Di 19. Jun 2018, 22:41

norbert hat geschrieben:Soll ich jetze off sechsisch schreiwe?
Wo wird denn zu »schreiben« in Sachsen "schreiwe" gesagt? Bei uns heißt das "schreim". Und entweder hochdeutsch "sächsisch" oder auf sächsich "sexsch".
Also: "Sollschetz off sexschreim?" (Man erkennt die kurze Sprachdauer gegenüber dem langatmigen Hochdeutsch bei gleicher Aussage!)

 
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Re: Dialekte

Beitrag von Blood Moors » Di 19. Jun 2018, 23:17

Hier noch mal was lustiges zum Thema "Dialekte":
https://goo.gl/images/jfShux

 
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Re: Dialekte

Beitrag von Campingliesel » Mi 20. Jun 2018, 08:45

Puistola hat geschrieben:
Aria hat geschrieben: So, so, dass Bildungsdünkel, ein eher negativ konnotierter Begriff, die Dialekte weggeputzt hat, findest du gut.


Nein, den Bildungsdünkel find ich überhaupt nicht gut, und ein Land,
in dem 'Bauer' unter Schülern ein Schimpfwort ist, hat wohl ein Problem
mit dem Ländlichen, selbst in Jestetten oder Lottstetten. Ich hab doch
gesehen, wie die Kinder meiner badischen Freunde von dem Tag an
keinen Dialekt mehr sprachen, an dem sie (viel zu früh) ins Gymnasium
kamen. Das Nasenrümpfen der Kindergärtnerin 1959 über meinen
Alemannischen Dialekt in Singen (!) hatte mich zutiefst verletzt, denn er
war und ist auch heute noch mein alltägliches Verständigungsmittel.

Aber was soll es, diesen jungen Leuten am Nordufer des Hochrheins
einen Dialekt beizubringen, den ihre Eltern bereits mehrheitlich abgelegt
hatten? Es wäre ja ohnehin ein in Freiburg oder gar Stuttgart erfundener
und verschriftlichter Kunstdialekt, der in Lottstetten nie gesprochen wurde
und auch nie gesprochen werden wird.

Selbstverständlich gibt es in Deutschland noch Dialektinseln, die ich sehr
begrüsse. Aber das ist dort meist mit einem scharfen Klassendenken verbunden:
Ich war in den letzten zwei Jahren öfter mal in der Uniklinik Heidelberg.
Das Pflegerpersonal spricht dort mehrheitlich Pfälzisch (?), aber kein Arzt
hat auch nur einen Akzent in diese Richtung.
Wie anders in St. Gallen, wo Ärzte selbstverständlich Dialekt sprechen.
Natürlich nicht zugereiste Ärzte aus Serbien, Ägypten oder Deutschland,
mal von Oberbayern abgesehen.

Puistola


Daß in den 50er Jahren über Dialekt öfter mal die Nase gerümpft wurde, war damals schon der Fall, weil man über Dialekte noch ganz anders dachte.
Das kommt einfach von der früheren Situation, weil in den meistens ländlichen Gebieten, wo man hauptsächlich von der Landwirtschaft lebte, also die Bauernwirtschaft vorherrschte, die meistens Kinder höchstens in der Volksschule waren oder gar nur die Grundschule absolvierten, nur um überhaupt lesen und schreiben und rechnen zu können. Und das sogar auch oft nur im Winter. Hochdeutsch kannte man also nur in größeren Städten, wo es auch Gymnasien oder Universitäten gab. Wer hatte zu diesen Zeiten schon Bücher zu Hause? Höchstens die Bibel, aber mehr kaum. Deshalb hielt man die ländliche Bevölkerung für ungebildet, und der Dialekt war eben auch ein Zeichen dafür.

Außerdem gibt es immer noch gewisse Dialekte, die als sehr unbeliebt gelten. Das sind z.b. Schwäbisch und Sächsisch. Woher diese Unbeliebtheit kommt, weiß ich auch nicht so genau.
Das Schweizer Deutsch hat auch eine Sonderstellung, weil das anderswo kaum verstanden wird.

Heute betrachtet man aber das Dialektsprechen nicht mehr als ungebildet. Es gehört zur Kultur wie Volksmusik (also echte alte Volksmusik, nicht das volkstümliche Schlagergedudel) Volkstheater, Volkstänze, und das würde alles auf Hochdeutsch sehr komisch klingen.
Auch wenn junge Generationen heute vielfach wenig oder kein Dialekt mehr sprechen, liegt das daran, daß eben viele Leute nicht da aufwachsen, wo sie geboren wurden oder auch die Eltern schon lange woanders hingezogen sind.
Aber einen bestimmten Akzent hört man dennoch raus. Selbst bei Radiosprechern im BR höre ich raus, wo der Sprecher herkommt, auch wenn er eigentlich Hochdeutsch spricht.
Meine Eltern waren auch Zugereiste, und haben nicht den Gunzenhäuser Dialekt gesprochen, und auch nie angenommen. Da meine Mutter aber aus Pappenheim kam, was ja nur 35 km weg war und es dort auch einen Dialekt gibt, der zwar noch zu mittelfränkisch gehört, aber durch die Nähe zu Oberbayern schon einen deutlichen Einfluß von oberbayrisch zeigt, war da nicht soviel Unterschied, aber mein Vater sprach einen völlig anderen Akzent.
Den typischen Gunzenhäuser Dialekt hörte ich erstmals so richtig, als ich meine Ausbildung in einem Supermarkt anfing und dort auch viele alteingesesssene Gunzenhäuser und Leute aus den anderen Dörfern kamen, wo ich manche Wörter nicht verstand. In der Schule wurde auch weitgehend einigermaßen Hochdeutsch gesprochen, aber wenn man die Akzente kannte, hörte man die Herkunft trotzdem heraus.

Jeder kennt wohl den typischen Dialekt von den großen Städten wie München, Nürnberg, Köln, Berlin, Hamburg, Stuttgart usw. Was wären die kulturellen Dinge ohne deren Dialekt. Aber es gibt natürlich auch noch viele andere Gebiete mit ihrem typischen Dialekt, der heute auch in Büchern festverankert wird, damit das nicht verloren geht. Und heute hat das nichts mehr mit Ungebildetheit zu tun, sondern im Gegenteil mit Kultur, mit Heimatkunde und mit der Toleranz gegenüber anderen Dialekten, als man selbst spricht. Jeder meint, daß er ganz normal und verständlich spricht, aber wenn man mal woanders hinkommt oder mit Leuten aus anderen Teilen zusammenkommt, merkt man erst, wie anders da gesprochen wird. Ich war mal Teil einer sehr lustigen Gesellschaft: Ich aus dem Gunzenhäuser Raum, mein Freund aus Thüringen, (Westthüringen), eine Freundin aus Ostberlin und deren Freund aus der Oberpfalz und noch eine Bekannte aus dem südlichen Brandenburg.
Das war sehr lustig und interessant.

 
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Re: Dialekte

Beitrag von Campingliesel » Mi 20. Jun 2018, 08:59

noch eine kleine Geschichte dazu: Als ich 1978 eine Schule in Nördlingen besuchte, was schon im bayrischen Schwabenland liegt, war die Hälfte der ca 22 Schülerinnen direkt von dort, die andere Hälfte aus lauter völlig verschiedenen Orten und z.T. deswegen auch im dazugehörigen Internat. Anfangs hatten wir eine riesen "Gaudi" deswegen, weil man ständig beinahe dolmetschen mußte, was jeder so meinte. Also verlernt hatten wir auch damals unseren jeweiligen Dialekt nicht.

Also bedeutete das auch damals weder Ausgrenzung noch eine negative Reaktion auf die Dialekte.

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Re: Dialekte

Beitrag von Aria » Do 21. Jun 2018, 00:24

Campingliesel hat geschrieben:Daß in den 50er Jahren über Dialekt öfter mal die Nase gerümpft wurde, war damals schon der Fall, weil man über Dialekte noch ganz anders dachte.
[...]
Und heute hat das nichts mehr mit Ungebildetheit zu tun, sondern im Gegenteil mit Kultur, mit Heimatkunde und mit der Toleranz gegenüber anderen Dialekten, als man selbst spricht.
Bild

 
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Re: Dialekte

Beitrag von Mecki » Do 21. Jun 2018, 09:48



Campingliesel hat geschrieben:
[...]
Und heute hat das nichts mehr mit Ungebildetheit zu tun, sondern im Gegenteil mit Kultur, mit Heimatkunde und mit der Toleranz gegenüber anderen Dialekten, als man selbst spricht.


@

wenn dem wirklich mal so wäre...es gibt geografische Bereiche, die sind meilenweit davon entfernt.
Ob das auch noch andere Gründe vermuten lässt - ich denke schon.
Jeder KÖNNTE "gebildet" sein, das so zu sehen. Tauchen Dialekte auf, die "nicht genehm" klingen,
gehen sofort Schubladen auf, die der (negativen) Klischee-Bedienung dienen.

 
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Re: Dialekte

Beitrag von Campingliesel » Do 21. Jun 2018, 10:52

@ Mecki : welche geografischen Bereiche meinst Du, die wovon meilenweit entfernt sind?

 
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Re: Dialekte

Beitrag von thomy » Do 12. Jul 2018, 15:39

Campingliesel hat geschrieben:
Daß in den 50er Jahren über Dialekt öfter mal die Nase gerümpft wurde, war damals schon der Fall, weil man über Dialekte noch ganz anders dachte.
...
Heute betrachtet man aber das Dialektsprechen nicht mehr als ungebildet. Es gehört zur Kultur wie Volksmusik (also echte alte Volksmusik, nicht das volkstümliche Schlagergedudel) Volkstheater, Volkstänze, und das würde alles auf Hochdeutsch sehr komisch klingen.
...
Und heute hat das nichts mehr mit Ungebildetheit zu tun, sondern im Gegenteil mit Kultur, mit Heimatkunde und mit der Toleranz gegenüber anderen Dialekten, als man selbst spricht. Jeder meint, daß er ganz normal und verständlich spricht, aber wenn man mal woanders hinkommt oder mit Leuten aus anderen Teilen zusammenkommt, merkt man erst, wie anders da gesprochen wird.


So schaut´s aus! Ich selbst liebe Dialekt, er ist für mich ein Stück Kultur und auch Regionalität, für manchen auch Heimat.
Klar sollte man sich "Fremden" gegenüber noch mitteilen können, aber deshalb vollends auf Dialekt verzichten?

Was ich schlimm finde und leider m.E. immer mehr zunimmt, ist die Verfremdung, hauptsächlich in Englisch, der Deutschen Sprache, muss man denn für alles einen Englischen Begriff verwenden? Als ob es im Deutschen keinen Bezeichnung dafür gäbe.

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