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Dokumente des Gesellschaftlichen Wandels II

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Re: Dokumente des Gesellschaftlichen Wandels II

Beitrag von Aria » Mi 6. Jun 2018, 16:36

Bummler hat geschrieben:Da du aber aus deinem Demokratieverständnis heraus, alles was bei uns auch gegen eine Mehrheit entschieden wird, als demokratisch also innerhalb gesellschaftlicher Normen einstufst, wird dir meine Antwort nicht genügen.
Ich hoffe, du hast dich vertan und Mehrheit geschrieben, aber Minderheit gemeint.

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Re: Dokumente des Gesellschaftlichen Wandels II

Beitrag von Aria » Do 7. Jun 2018, 11:51

Zitat aus der Süddeutschen von heute Miss-America-Organisation schafft die Bikinirunde ab:
"Wir erleben in unserem Land eine kulturelle Revolution, bei der Frauen den Mut finden aufzustehen und sich in vielen Bereichen Gehör verschaffen." Das hat die Miss-America-Vorsitzende Gretchen Carlson ernsthaft zu Protokoll gegeben. Tatsächlich ist #Metoo nur das Hintertürchen, durch das die alte Prüderie wieder hereintrippelt, die insbesondere Amerika nie ganz los geworden ist. Wenn das so weitergeht, wird der weibliche Körper quadratzentimeterweise indiziert, natürlich zu seinem eigenen Besten: Kein lüsterner Blick kann ihn mehr treffen.

Ein weiteres Indiz der zunehmenden Prüderie.

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Re: Dokumente des Gesellschaftlichen Wandels II

Beitrag von Bummler » Fr 8. Jun 2018, 09:08

Merke: Nackte Haut und Sexismus führen zu Prüderie.

Da hilft nur die konsequente Trennung von Sexualität und nackter Haut, meine Rede seit Jahren.

 
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Re: Dokumente des Gesellschaftlichen Wandels II

Beitrag von Nacktfrosch » Fr 8. Jun 2018, 13:47

Sexismus ist immer ein Problem, aber ich nehm mal an Du meintest damit auch Sexualität.

Ich denke nicht, dass nackte Haut und Sexualität zu Prüderie führt (sonst wäre ich auch prüde, ich hab selten Sex, wenn ich nicht nackt bin). Die Kommerzialisierung von nackter Haut und Sex führt zu Prüderie, vor allem in Verbindung mit angeblich idealen Körpern. Da wird eher ein Schuh draus...

 
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Re: Dokumente des Gesellschaftlichen Wandels II

Beitrag von Blood Moors » Fr 8. Jun 2018, 13:56

Bummler hat geschrieben:Da hilft nur die konsequente Trennung von Sexualität und nackter Haut, meine Rede seit Jahren.


Das geht nicht! Sexualität ist so gut wie untrennbar mit nackter Haut verbunden.

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Re: Dokumente des Gesellschaftlichen Wandels II

Beitrag von Aria » Fr 8. Jun 2018, 14:51

Nacktfrosch hat geschrieben:Die Kommerzialisierung von nackter Haut und Sex führt zu Prüderie, vor allem in Verbindung mit angeblich idealen Körpern. Da wird eher ein Schuh draus...
Nein, die Unterdrückung der Sexualität führt zur Prüderie. Man könnte auch sagen: Prüderie ist ein Zeichen dieser Unterdrückung – siehe das viktorianische Zeitalter, das berühmt war für seine Negierung der Sexualität, die soweit ging, dass z.B. Frauen gar keinen Hintern haben durften: Man sprach stattdessen vom verlängerten Rücken.

Deswegen ist die zunehmende Tendenz, öffentlich nicht mehr nackt zu baden, ein Zeichen der zunehmenden Prüderie, und die ist ihrerseits ein Zeichen der Unterdrückung der Sexualität – siehe oben.

 
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Re: Dokumente des Gesellschaftlichen Wandels II

Beitrag von Nacktfrosch » Fr 8. Jun 2018, 17:30

Das sehe ich (zumindest heutzutage) nicht so.

Junge Menschen haben oft weit aus weniger Probleme über ihren letzten GV zu sprechen als sich irgendwo auszuziehen. Sex und Nacktheit in Filmen ist (zumindest in Westeuropa) in den letzten Jahren nicht weniger geworden, Nacktheit in der realen Welt hingegen schon.

Das Hauptargument gegen Nackte im öffentlichen Raum (Badeseen, Nachtwanderer) ist nicht, dass es unmoralisch sei sondern in den allermeisten Fällen, dass es unästhetisch oder eklig wäre, sich unförmige nackte Körper anschauen zu müssen. Ich denke, dass diese Auffassung aus einer negativen Einstellung zum eigenen Körper beruht, die wiederum aus dem "Idealkörperwahn" der Medien und Werbung entstanden ist. Also aus kommerziellen Interessen.

Die Verhältnisse heute sind nicht vergleichbar mit denen vor xxx Jahren. Menschen lassen sich von den Mächtigen am besten durch ihre Grundbedürfnisse (in diesem Fall Anerkennung und Sexualität) steuern. Nur heute sind die Mächtigen nicht mehr die Kirchen und Fürsten sondern die Unternehmen.

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Re: Dokumente des Gesellschaftlichen Wandels II

Beitrag von Aria » Fr 8. Jun 2018, 18:59

Darum geht es ja: Nacktheit im realen Leben ist verpönt, und das nicht nur bei der Jugend. Insgesamt ist die Gesellschaft gegenüber der Nacktheit reservierter geworden und reagiert bei nackten Kindern und Jugendlichen geradezu hysterisch. Hierzu ein Beispiel: Ein Bild wie dieses

Bild
, das dem FKK-Museum entnommen ist und vom DFK im Jahr 1971 herausgegeben wurde, kann der DFK heute nicht mehr publizieren, selbst wenn die Eltern dazu ihr Einverständnis geben.

Daran tragen keinesfalls die heutigen Mächtigen Verantwortung, wie du meinst, sondern die Gesellschaft insgesamt. Die Jugend weiß einfach, was die Gesellschaft von ihnen erwartet – und verhält sich entsprechend. Das aber nur gegenüber der Erwachsenenwelt, untereinander sind sie weitaus freizügiger.

 
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Re: Dokumente des Gesellschaftlichen Wandels II

Beitrag von Nacktfrosch » Fr 8. Jun 2018, 19:30

Dass solch ein Titelbild heute verboten wäre, liegt ursächlich daran, dass der Fall Edathy von den Medien wie die sprichwörtliche Sau durchs Dorf getrieben wurde. Medien haben Macht (und ein kommerzielles Interesse an möglichst hohen Auflagen) und der Aufschrei des braven Volkes war laut. Das Gesetz war ein Beispiel für den Populismus der Palamentarier, die damit ohne Schmerz diesem „Volkeswillen“ nachgeben konnten (bei TTIP hatten sie da grössere Hemmungen).

Das erinnert mich stark an die Verschärfung des Waffenrechts nach dem Amoklauf von Winnenden: Es wurde zwar verschärft, aber in erster Linie in Bezug auf Taschenmesser anstatt auf Schusswaffen. Hilft zukünftigen Opfern von Schusswaffen genauso viel wie das Verbot von solchen Abbildungen den Kindern, die in der Familie missbraucht werden.

Aria hat geschrieben:Daran tragen keinesfalls die heutigen Mächtigen Verantwortung, wie du meinst, sondern die Gesellschaft insgesamt. Die Jugend weiß einfach, was die Gesellschaft von ihnen erwartet – und verhält sich entsprechend. Das aber nur gegenüber der Erwachsenenwelt, untereinander sind sie weitaus freizügiger.

Diese Angepasstheit ist das eigentliche Problem, nicht die Prüderie als solches. Wir haben eigentlich mehr das gemacht, was die Gesellschaft nicht von uns erwartet hat. 8-)

Die neue Religion heisst Konsum und dem kann man halt nur frönen, wenn man angepasst irgendwie Karriere macht. Diese Religion hat keinen moralischen Zeigefinger mehr sondern handfeste finanzielle Interessen. Ein unverkrampftes Verhältnis zum eigenen Körper ist ökonomisch sehr kontraproduktiv.

P.S.: Die alten, moralinsauren Religionen sind mir auch nicht lieber ;)

 
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Re: Dokumente des Gesellschaftlichen Wandels II

Beitrag von Ralf-abc » Fr 8. Jun 2018, 19:54

Nacktfrosch hat geschrieben:Die neue Religion heisst Konsum und dem kann man halt nur frönen, wenn man angepasst irgendwie Karriere macht. Diese Religion hat keinen moralischen Zeigefinger mehr sondern handfeste finanzielle Interessen. Ein unverkrampftes Verhältnis zum eigenen Körper ist ökonomisch sehr kontraproduktiv.

Gut formuliert! Sehe ich genau so.
Sexualität und Nacktheit ist in der Öffentlichkeit (Medien, Werbung) voll und ganz akzeptiert - so lange sie kommerziellen Zwecken dient.
Die ganze aufkommende Prüderie geht nur gegen nicht-kommerzielle Nacktheit.

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