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Brustkrebs - Screening

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Brustkrebs - Screening

Beitrag von ostfriesenpaar » So 29. Mär 2015, 20:15

Macht diese Reihenuntersuchung wirklich Sinn, oder werden hierdurch viele Leben zerstört durch :

1.Unnötige Strahlenbelastung, weil die meisten Frauen keinen Brustkrebs haben.

2. Dadurch Fehldiagnosen, wodurch Ängste geschürt werden, die nicht wiedergutzumachen sind. Viele Frauen, je nachdem wie labil sie sind, sind danach psychische Wracks.

3. Bestrahlungen und Chemotherapien von Frauen, die völlig gesund sind, da fehldiagnostiziert.

Ich komme gerade auf dieses Thema, weil momentan bei vielen Frauen in unserem Umfeld Brustkrebs diagnostiziert wird und weil wir gerade wieder an diesem Mammographie Mobil vorbei gefahren sind.

Nur wie oft stimmt diese Diagnose wirklich?

Wir sind hier übrigens die Region Deutschlands, in der prozentual die meisten Frauen über 50 an dieser fragwürdigen Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen.

Gruß aus Ostfriesland

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Re: Brustkrebs - Screening

Beitrag von Klaus_59 » So 29. Mär 2015, 20:39

Wenn dich dieses Thema interessiert, dann solltest du in diesem Zusammenhang mal nach der Sterberate in Gegenüberstellung von untersuchten und nicht untersuchten Menschen googeln. Das Ergebnis ist verblüffend. Aus dem Gedächtnis: In der Gruppe der nicht untersuchten stirbt von 5000 eine Frau mehr als bei den untersuchten und behandelten.

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Re: Brustkrebs - Screening

Beitrag von Puistola » Mo 30. Mär 2015, 13:45

Die andere grosse Screening-Kampagne betrfft den Prostatakrebs,
der so ungefähr jeden dritten Mann im Laufe der höheren Lebesjahre
betrifft, aber meist erst bei einer Autopsie gefunden wird.
Tatsächlich sterben von jenen, die sich in den späten 40ern oder 50ern
einem PSA-Test unterziehen, weniger Männer an Prostatakrebs als
von denen, die auf den Test verzichten.
Die Gesamtsterblichkeit bleibt aber dieselbe, mit PSA-Screening werden
also für Einzelne segensreiche Diagnostik und Therapien ermöglicht,
andere scheinen unter ebensolchen Therapien geschwächt an anderen
Ursachen zu sterben. Ein Tod durch die blutdrucksteigernde Wirkung einer
Hormontherapie wird nicht dem Krebs-, sondern dem Herztod zugerechnet.

Da Brust- und Prostatakrebs als zumindest teilweise hormonsensitive
Krebsentitäten sind, könnte ich mir ähnliche Verhältnisse auch bei
Brustkrebs vorstellen, von dem übrigens auch Männer betroffen sein
können. Die werden aber nicht gescannt.

Das Thema wird auch in Fachforen von Betroffenen heiss diskutiert,
aber schlussendlich werden vor Allem Glaubensbekenntnisse geäussert.
Dies hier zu wiederholen, ergibt wohl kaum einen Sinn.
Obwohl betroffen, äussere ich mich daher weder pro noch contra
Screening.

Puistola

 
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Re: Brustkrebs - Screening

Beitrag von Tim007 » Mo 30. Mär 2015, 14:00

Schade, Puistola.

Gerade Deine Meinung hätte mich interessiert, da Du Dich mit Sicherheit sehr intensiv mit der Materie befasst hast und Du auch keine Lobby zu bedienen hast, also für mich glaubwürdiger bist.

Bezogen auf die Prostata: selbst wenn was festgestellt wird:
Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen überhaupt?
Und: wären diese, vor allem als OP, ratsam?

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Re: Brustkrebs - Screening

Beitrag von Puistola » Di 31. Mär 2015, 22:55

Eben gerade weil ich mich intensiv mit der Sache befasst habe,
lieber Tim, schliesse ich mich weder der Pro-noch der Contra-
Screening-Frakion an. Zu viele offene Fragen, als mehr als ein
Glaubensbekenntnis abzugeben, und wie Du weisst, ist Glauben
meine Sache nicht.

Behandlungsmöglichkeit?
Je nun, wenig fortgeschrittene, wenig aggressive Tumoren in älteren
Männern lässt man ganz einfach vor sich hinwachsen. Viele sterben
dann an was ganz anderem. Wenn es weh tut, behandelt man (Watchful Waiting)

Bei jüngeren Männern startet man bei solchen Tumoren ein aufwändiges
Beobachtungsprogramm mit wiederholten Biopsien (eine hochnotpeinliche
Prozedur) und PSA-Überwachung. Werden Schwellenwerte überschritten
geht es weiter wie unten. Damit leben Viele einige Jahre mit guter
Lebensqualität, aber die dauernde Krebsangst läss manchen das Programm
frühzeitig abbrechen (Active Surveillance).

Mittelaggressive Tumoren werden zumeist operiert, das heisst, man schneidet
die ganze Prostata raus, mit allen Konsequenzen. Diese Schwere, vielstündige
OP artet öfter in ein regelrechtes Blutbad aus, und kaum einer kommt ohne
Bluttransfusionen aus ( ich schon). Dabei werden auch regionale Lymphknoten
entnommen, um sie auf Metastasierung zu überprüfen (hatte ich). Öfter
erweist sich nach der OP der Tumor als aggressiver als angenommen.
Etwa gleichwertig ist die Bestrahlung der Prostata, wobei Blase und Darm
unweigerlich auch ihren Anteil abbekommen, weil das alles so eng zusammenliegt.
Man liegt dabei rund dreissig mal unter der Strahlenkanone, wobei man aus
unterschiedlichen Richtungen beschossen wird, um benachbartes Gewebe zu
schonen. Das macht man, wenn Mann zu fett ist, aus anderen Gründen keine OP
erträgt oder schlicht nicht operiert werden will.

Bis dahin ist alles auf Heilung ausgerichtet, oder genauer gesagt die vollkommene
Entfernung oder Zerstörung der Krebszellen. Mit den Nebenwirkungen muss man
sich dann oft lebenslänglich rumschlagen.

Aggressive und hochaggressive Tumore der Prostata werden zwar auch gelegentlich
operiert oder bestrahlt, etwa um die Harnröhre vorm Zuwachsen zu schützen
oder die Tumormasse zu reduzieren. Aber im Vordergrund steht da die Hormon-
Therapie, die das Weiterwachsen des Tumors um Monate bis Jahre aufschieben
kann, aber niemals heilt. Verfettung, Müdigkeit, Muskelschwund, reduzierte
Konzentrationsfähigkeit und Erinnerungsvermögen, Depression, Brustwachstum,
Libidoverlust, Schweissausbrüche und Hitzewallungen sind so in etwa, was man
gegen ein vielleicht verlängertes Leben eintauscht. Diese Therapie gibt es in Varianten
und seit kurzem auch in einer mindestens ebenso belastenden zweiten Linie, die grad
mal € 25'000.-/Jahr kostet und wieder einige Monate Lebenszeit bringen mag. An deren
Ende steh ich jetzt wohl oder übel.

Weiter gibt es Chemotherapie mit meist geringem Erfolg und, im vergleich zu
anderen Chemos "mässigen" Nebenwirkungen, aber lange Nacktwanderungen
wird danach keiner mehr unternehmen.

Ferner noch allerlei Exoten wie Immuntherapien, radioaktive Infusionen,
Fokale Hitzetherapien für einzelne Metastasen, die sich alle im Glaubens-,
Versuchs- oder Studienstadium befinden.

Wer den Prostatakrebs nicht per Screening findet, wird Jahre später
Knochenschmerzen oder brüche haben zufolge von Metastasen.
Oder auch in Lunge, Leber, Niere etc. setzen die sich gerne an oder in
Lymphknoten längs der Hauptschlagadern.
Das ist öfter auch der Fall trotz "rechtzeitiger" Primärtherapie, weil
Metastasierung stattfinden kann in einem sehr frühen Stadium, das
noch auf keine Weise, auch nicht per Screening, nachgewiesen
werden kann. Dann bleiben meist nur noch Hormon- und Chemotherapie,
jeweils von beschränkter Dauer und mit entsprechender Toxizität.

Da dies Herz und Kreislauf schädigt, hat man eine gute Chence, nicht
zu den Opfern des Prostatakrebses gezählt zu werden, sondern einen
kardiologischen Tod zu sterben. Daher wohl die vergleichbare Gesamt-
Sterblichkeit von Kohorten mit und ohne Screening.

Bei Brustkrebs, um beim Thema zu bleiben, verhält es sich ähnlich.

Carpe diem!
Puistola

 
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Re: Brustkrebs - Screening

Beitrag von Tim007 » Di 31. Mär 2015, 23:29

Lieber Puistola,

vielen, vielen Dank für Deine ergreifende Darstellung!
Du weißt: meine besten Wünsche begleiten Dich.

Gruß
Tim

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Re: Brustkrebs - Screening

Beitrag von ostfriesenpaar » Di 31. Mär 2015, 23:40

Auch von mir vielen, vielen Dank.
Du hast auch mir sehr geholfen.
Ich werde Dir in den nächsten Tagen eine PN schicken.
Alles Gute für Dich.
Gruß Peter

 

Re: Brustkrebs - Screening

Beitrag von Nackidei » Di 31. Mär 2015, 23:42

Ich lasse auch im Rahmen des jährlichen Gesundheitschecks bei meiner Hausärztin den PSA-Test auf Privatrechnung machen. Das Ergebnis war bisher immer im grünen Bereich und ich wiegte mich in Sicherheit. Dann plötzlich dies: Ein sehr guter Freund von uns, der jede Vorsorgeuntersuchung wahrnimmt offenbarte uns, dass bei Ihm Prostatakrebs diagnostiziert wurde und die Operation keinen Aufschub dulde (zu diesem Zeitpunkt 62 Jahre). Der PSA-Wert war von einer zur anderen Untersuchung plötzlich dramatisch angestiegen. Sicherheitshalber erfolgte ein zweiter Test. Das Ergebnis war gleich. Dann folgte eine Punktion, die die das Schlimmste bestätigte. Dann die Einweisung ins Klinikum und weitere Untersuchungen. Ergebnis: Operation, so schnell wie möglich.
Die OP verlief gut. Es folgte die Reha mit Blasentrainung und Beckenbodentraining und was sonst noch dazugehört. Alles lief letztlich gut. Die zwei wichtigsten "Nebenwirkungen" der OP aus dem "Beipackzettel" traten nicht ein: Blasenschwäche mit der Notwendigkeit Windeln tragen zu müssen und Verlust der "Manneskraft". Glück gehabt! Die OP ist jetzt drei Jahre her so dass wohl gesagt werden kann, dass er über dem Berg ist.

Wie wichtig Vorsorge sein kann sagt vielleicht der Satz des Klinikarztes, der unseren Freund so erfolgreich operierte: "Wären sie nicht regelmäßig zur Vorsorge gegangen oder hätten auch nur den letzten PSA-Test ausgelassen hätte ich sie drei Monate später warscheinlich nicht mehr retten können.
Sollte ein solcher Test nicht jedem Mann 23,- Euro/Jahr (in meinem Fall) wert sein? Ich würde auch 100,- Euro zahlen.

Nachtrag: Irgendwie witzig: Jetzt ist die weibliche Brust zwischen Männerbeine gerutscht...

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Re: Brustkrebs - Screening

Beitrag von Puistola » Mi 1. Apr 2015, 16:24

Dein Freund, lieber Nackidei, ist einer der wenigen von Tausenden, denen
das PSA-Screening geholfen hat.

Ich bin das Gegenbeispiel: Trotz vorbildlichen Tests über Jahre hinweg konnte
mein Krebs nicht gefunden werden, bevor er metastasiert hatte. Da war er
noch so klein, dass keine Diagnostik dieser Welt ihn entdecken hätte können.
Das zeigen Rückrechnungen des exponentiell verlaufenden Wachstums.

Und viele Männer bekommen Kenntnis von einem Krebs, der ihnen niemals
aufgefallen wäre ohne die Früherkennung mit PSA-Screening. Die leben
fortan in Krebsangst, denn es ist gar nicht so einfach, diese Männer von denen
zu unterscheiden, die therapiert werden müssen und geheilt werden können.

Es ist schwierig, aus Einzelfällen Empfehlungen abzuleiten.
Ich wünsch Dir allzeit PSA-Werte im "grünen" Bereich.
Wichtiger als der absolute Wert ist dabei, dass es keinen Anstieg gibt.
Sonst innert dreier Monate nachmessen und die Verdoppelungszeiten (VZ) berechnen.
Die sagen sehr viel mehr aus, als Einzelwerte. Je kürzer, desto eher
weitere Diagnostik anwenden.

Puistola

Guck dazu auch:
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagno ... 84605.html

 

Re: Brustkrebs - Screening

Beitrag von Nackidei » Do 2. Apr 2015, 12:37

Ja Puistola, eine absolute Sicherheit gibt es nicht. Die regelmäßige Inanspruchnahme der gängigen Vorsorgeuntersuchungen und Schutzimpfungen und nicht zuletzt eine gesunde Lebensweise können sicherlich dazu beitragen, sich anbahnende Erkrankungen früher zu erkennen, um ihnen entsprechend entgegenzutreten bzw. zu behandeln oder sie erst gar nicht entstehen zu lassen. Dies alles dient aber bestenfalls der Risikominimierung. Dennoch baue ich darauf, natürlich wohlwissend, morgen einem Herzinfarkt erliegen zu können.

Puistola, dein Bericht hat mich sehr ergriffen, zumal uns etwas verbindet: Der hohe Norden. Auf meinen einsamen Wanderungen dort oben ist es mir immer besonders bewußt geworden, wie wertvoll das Leben ist und wie leichtfertig die Menschheit damit umgeht. Mit "Leben" meine ich damit das Leben als Gesamtheit auf unserem Planeten.
Auf wenn es mich bisher nicht so hart wie dich getroffen hat, hat mich das Alter bzw. die Folgen eines im jugendlichen Alter ereilten Unfalls eingeholt: Eine fortgeschrittene Arthrose in den Kniegenken läßt Wanderungen mit 20kg Gepäck auf dem Rücken in der mehr oder weniger unberührten Natur finnischer Wälder nicht mehr zu. Die Ärzte sind zwar zuversichtlich, mir mit einem Kunstgelenk diese Form der Lebensqualität wieder herstellen zu können. Nur gibt es dafür leider keinen Garantieschein. Dennoch will ich nicht klagen. Krebs spielt in einer ganz anderen Liga.
Ich wünsche dir trotz oder gerade wegen deiner Erkrankung alles Gute, viel Kraft und Zuversicht. Du weißt ja. Der Wille kann Berge versetzen! In diesem Sinne:

Parane pian!

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