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Gesundheitswahn

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Re: Gesundheitswahn

Beitrag von Aria » Mo 9. Okt 2017, 13:53

Stärken Karotten das Sehvermögen?
Nein, das tun sie nicht. Aber – Zitat aus dem obigen Spiegel-Artikel:
Solange kein Vitamin-A-Mangel vorliegt, haben Möhren keinen Einfluss auf das Sehvermögen. Dafür kann Provitamin A die Haut begrenzt vor Sonne schützen. Nebenwirkung: eine leichte Orangefärbung.

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Re: Gesundheitswahn

Beitrag von Aria » Mo 9. Okt 2017, 15:55

Ernährung in der Schwangerschaft - Vorsicht Vitamine! – Zitat aus der Süddeutschen von heute:
Kürzlich warnte die französische Gesundheitsbehörde Anses noch einmal vor übermäßigem Konsum von Vitamintabletten. Die Forscher berichten von fünf Neugeborenen mit Hyperkalzämie, also einem erhöhten Kalzium-Pegel im Blut, weil ihre Mütter Vitamin-D-Tabletten genommen hatten. Zwei weitere Kinder hatten eine Schilddrüsenunterfunktion durch zu viel Jod. Beides könne schwere Folgen haben, warnen die Anses-Forscher: bei einer Hyperkalzämie etwa starken Gewichtsverlust oder Dehydrierung, bei einer Schilddrüsenunterfunktion geistige Retardierung.

Offizielle Warnungen wie in Frankreich gibt es in Deutschland zwar bislang nicht, da mögliche Nebenwirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln hierzulande nicht systematisch erfasst werden. Doch auch Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sind der Ansicht, dass Schwangere ohne nachgewiesenen Mangel oder Rücksprache mit einem Arzt von Multinährstoffpräparaten die Finger lassen sollten.


PS: Vielleicht hat jemand in seiner Verwandtschaft Frauen die schwanger sind oder demnächst schwanger werden könnten. Für die wäre diese Broschüre als Information und Beruhigung gut: Handlungsempfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“.

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Re: Gesundheitswahn

Beitrag von Zett » Mo 9. Okt 2017, 17:41

Aus der Broschüre:
"Bei einem hellen Hauttyp ist es dazu in unseren Breiten in den Sommermonaten ausreichend, wenn Gesicht und Arme etwa 5 bis 10 Minuten täglich in der Mittagszeit ohne Lichtschutz der Sonne ausgesetzt werden. Sonnenbrände sollten in jedem Fall vermieden werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empiehlt für Schwangere bei fehlender Vitamin-D-Eigensynthese eine Vitamin-D-Aufnahme von 20 μg (800 IU) täglich 29. Die mittlere Aufnahmemenge von Vitamin D über die Nahrung liegt jedoch nur bei 2 μg bis 4 μg täglich. Diese Zufuhrmenge reicht nicht aus, um bei geringer endogener Synthese von Vitamin D im Winter und im Sommer im Falle begrenzter Sonnenexposition die wünschenswerte Serumkonzentration an 25(OH)-Vitamin D von mindestens 50 nmol/L zu erreichen. Schwangere, die sich selten im Sonnenlicht aufhalten oder bei Sonnenexposition ihre Haut weitgehend bedecken bzw. Sonnencreme anwenden, und Frauen mit dunklem Hauttyp sollten ein Supplement mit Vitamin D verwenden, um die wünschenswerte Vitamin-D-Serumkonzentration zu erreichen."

a) schlecht, dass nicht zwischen 4 Hauttypen unterschieden wird (was eigentlich üblich ist), sondern nur zwei ("hell" und "dunkel" - was auch immer das konkret sein soll)
b) lobenswert, dass wenigstens erwähnt wird, dass die Zeitlänge (5-10 Minuten) in Verbindung gebracht wird mit der Tageszeit (Mittagszeit)
c) schlecht: die "Mittagszeit" wird nicht konkretisiert. Es wird also nicht darauf eingegangen, dass durch die Sommerzeit ca. 13 Uhr Sonnenhöchststand ist. Damit ist eine beliebige "Mittagszeit" von z.B. 11 Uhr bei weitem nicht eine Mittagszeit von 13 Uhr, sondern entspricht dem Sonnenstand von 15 Uhr und damit nur noch rund 85% der UV-Leistung.
d) "täglich" heißt wohl, wenn nicht tatsächlich täglich zur Mittagszeit, dann ist die angegebene Zeitspanne auch nicht ausreichend.
e) schlecht die völlig ungenügende Angabe "in den Sommermonaten". Während die 5-10 Minuten genau zur Mittagszeit zur Sommersonnenwende bei völlig wolkenlosem Himmel wohl die ausreichende Tagesmenge D erzeugt, ist dies in dem Sommermonat August schon lange nicht mehr der Fall, im darauf folgenden Spätsommer bis zum Herbstbeginn ohnehin nicht. Dazu steht die Sonne bereits viel zu tief. All das wird verschwiegen.
f) Verschwiegen wird, dass bei stärkerer Bewölkung nur noch weniger als ein Drittel der UV-Strahlung ankommt. Geht man davon aus, dass in Deutschland 365 Tage im Jahr der Mittag wolkenlos ist?
g) Als Schichtarbeiter habe ich ja tatsächlich die Möglichkeit, fast täglich genau oder zumindest nahe Mittagszeit ins Frei zu gehen. Geht man bei der Empfehlung "täglich zur Mittagszeit" davon aus, dass das jeder kann? Wie wäre es mit einer nicht nur rechnerisch ermittelten Empfehlung, sondern mit einer realistisch durchführbaren, z.B. für Menschen in Normalschicht? Nicht jeder hat Gelegenheit, Zeit und Lust, täglich genau zum Sonnenhöchststand auf Arbeit mit freien Armen 10 Minuten in der Sonne zu sein. Es muss also irgendwie mit zusätzlichem Sonnenaufenthalt ausgeglichen werden.
h) Bei "wünschenswerte Serum- konzentration an 25(OH)-Vitamin D von mindestens 50 nmol/L" fehlt die Empfehlung, dies einfach auch mal beim Arzt testen zu lassen. Dann würden wohl die meisten erschreckend feststellen, wie weit sie davon weg sind.

Also, man hat etwas geschrieben, damit man als schlau dasteht. Aber richtig durchdacht ist es eben nicht.

Übrigens Arzt: Auf unser Drängen wurde bei unserer Tochter Vitamin D getestet. Ergebnis: 9 µg/L = 22,5 nmol/L. Dies bedeutet selbst für den sehr geringen deutschen Mindestwert einen schwerwiegenden Mangel. Der Arzt hat den Wert kommentar- und folgenlos zur Kenntnis genommen.

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Re: Gesundheitswahn

Beitrag von Aria » Do 12. Okt 2017, 19:31

Dass teure (Original-)Medikamente wirksamer sind als billigere, ist ein weit verbreiteter Glaube. Aber dass das auch für Nebenwirkungen gilt, finde ich schon sonderbar. Lest selbst: Mehr eingebildete Nebenwirkungen bei teuren Therapien.

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Re: Gesundheitswahn

Beitrag von Aria » Sa 25. Nov 2017, 15:37

Die Spirale dreht sich weiter: Die Neudefinition des gesunden Blutdrucks macht fast die Hälfte der Amerikaner zu Patienten – Zitat:
Gesunde gibt es nicht, nur Menschen, die nicht gründlich genug untersucht wurden.

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Re: Gesundheitswahn

Beitrag von Hans H. » Sa 25. Nov 2017, 15:49

Das ist ja ständig genauso mit den Blutfett und Cholesterinwerten. Die Sollwerte werden so lange angepasst, bis möglichst viele der Mittel zur Absenkung verkauft werden.

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Re: Gesundheitswahn

Beitrag von Bummler » Mi 29. Nov 2017, 13:20

Süddeutsche hat geschrieben:Zwar betonen auch die Autoren der US-Leitlinie, die wohl bald europaweit übernommen wird, dass zunächst das individuelle Risiko berücksichtigt werden muss und Änderungen des Lebensstils angeregt werden sollten, bevor Medikamente gegeben werden. Doch da die meisten Menschen nun mal nicht mehr Sport treiben, gesünder essen, weniger Alkohol trinken und ihren Stress reduzieren, werden eben doch mehr Pillen verordnet.


Ja angeregt wurde ich des öfteren meinen Lebensstil zu ändern, nur genützt hat es nichts.
Die Frage ist: Warum schaffen es die Menschen nicht "einfach" ihren Lebensstil zu ändern.

Das hat noch niemand untersucht. Alle schreiben bloß man "müsste".

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Re: Gesundheitswahn

Beitrag von Aria » Mi 29. Nov 2017, 16:41

Bummler hat geschrieben:Ja angeregt wurde ich des öfteren meinen Lebensstil zu ändern, nur genützt hat es nichts.
Die Frage ist: Warum schaffen es die Menschen nicht "einfach" ihren Lebensstil zu ändern.
Du generalisierst, denn die Frage ist nicht, warum „schaffen es die Menschen nicht“, sondern warum du es nicht schaffst. :D

Klar, du bist keine große Ausnahme, aber es gibt auch Menschen, die statt Pillen zu schlucken lieber ihren Lebensstil ändern. Ich habe hier in diesem Thread schon von meinem Onkel berichtet, der Diabetiker ist und wie er allein aufgrund der Diät dramatisch abnahm. Aber es gibt auch andere, die weiter Kuchen etc. essen, und sich gleich anschließend eine entsprechende Menge Insulin spritzen – im Haus des Volkes habe ich per Zufall sogar einen extra Raum neben dem Restaurant gesehen, wo die Diabetiker das ungestört machen können; das ist für mich eine falsch verstandene Fürsorge.

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Re: Gesundheitswahn

Beitrag von Aria » Fr 15. Dez 2017, 16:45

Es gibt neue Erkenntnisse aus der Gen-Forschung: Neandertaler-DNA beeinflusst, wie leicht wir bräunen – Zitat:
Weiterhin, stellten die Forscher fest, dass die Neandertaler-DNA auch Merkmale wie Stimmung, Rauchverhalten und Schlafmuster beeinflusst. Zum Beispiel sind Menschen mit bestimmten Neandertalervarianten durchschnittlich häufiger Raucher, während andere Neandertaler-DNA öfter in „Nachtmenschen“ zu finden ist. Viele dieser Merkmale hängen mit der Sonneneinstrahlung zusammen.
[…]
„Haut- und Haarfarbe, Biorhythmen und Stimmung werden alle von der Sonneneinstrahlung beeinflusst", so die Forscher. „Wir denken daher, dass diese zur Herausbildung der verschiedenen Neandertaler-Phänotypen beigetragen haben könnte und durch Genfluss auch weiterhin zur Variation dieser Eigenschaften bei heute lebenden Menschen beiträgt.“

 
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Re: Gesundheitswahn

Beitrag von Mecki » Fr 15. Dez 2017, 18:10

@

da sehe ich einen wahren Gesundheitswahn, der auf viele Konjunktive fußt...

Zitat:
„Wir denken daher, dass diese zur Herausbildung der verschiedenen Neandertaler-Phänotypen beigetragen haben könnte


"Wir denken daher".... und... "zu.... beigetragen haben könnte!"

... und dann wird darauf eine Feststellung abgeleitet?

"...durch Genfluss auch weiterhin zur Variation dieser Eigenschaften bei heute lebenden Menschen beiträgt.“


Das erscheint mir sehr fragwürdig...

Dem Gesundheitswahn wird damit Vorschub geleistet?! Wundern würde es mich nicht (mehr)!

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