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Übergang der DDR in die BRD

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Übergang der DDR in die BRD

Beitrag von riedfritz » Mo 29. Jun 2020, 10:16

Das Thema taucht immer wieder in verschiedensten Diskussionen auf, deshalb sollte es vielleicht separat besprochen werden. Bummler hat das folgende Zitat in einem Corona-Thread eingebracht.
Apropos, weil du Historiker erwähnt hast, ich kenne da einen Siegfried Prokop, der schreibt recht anschaulich, z.B. hier:
https://www.freitag.de/autoren/der-frei ... hne-schuld

Die Regierung Kohl ging 1990 davon aus, dass nach einer kurzen Zeitspanne des gewiss schmerzhaften Übergangs sich im Osten so etwas wie ein "Wirtschaftswunder" nach dem Muster der alten Bundesrepublik vollziehen würde. Deshalb dachte niemand daran, etwas im Westen zu verändern, der Osten sollte sich dem Westen vollends anpassen. So stand denn auch die Entwicklung ostdeutscher Potenziale bei der Ausformung der Einheit nicht auf der Tagesordnung, sondern der Institutionen-, Eliten-, und Ressourcentransfer von West nach Ost. Dabei wurde in den neuen Bundesländern nicht nur die Positionselite verdrängt, sondern auch ein großer Teil der Funktionselite. Dank dieser Politik hat Ostdeutschland für viele Jahre die Fähigkeit verloren, sich aus eigener Arbeit zu ernähren. Die Perspektive eines selbsttragenden Aufschwungs verschwand gleichwohl in weiter Ferne. Ostdeutschlands Perspektive bleibt die einer alimentierten "Sonderzone".


Gestern gab es hierzu auch einen Fernsehbeitrag, in dem diverse Fragen gestellt wurden.
1. Die ostdeutschen Stahlarbeiter erhielten kurz nach der Wende aufgrund neuer Tarifverträge 30% mehr Lohn, obwohl die (damals noch nicht übernommenen) DDR- Betriebe keine höheren Erlöse erwirtschafteten. Die Weitergabe dieser Zusatzkosten an die Auftraggeber war nicht möglich, deshalb brachen die Aufträge ganz weg.
Die Frage ist, ob die Stahlarbeiter zu ihrem bisherigen Lohn weiter gearbeitet hätten oder abgewandert wären.
Wie hätte man die Abwanderung bei der Garantie der Freizügigkeit verhindern können?

2. Die DDR-Betriebe mussten in der Planwirtschaft einen Großteil ihrer Erlöse an den Staat abführen, hatten also kein Eigenkapital.
Dank dieser Politik hat Ostdeutschland für viele Jahre die Fähigkeit verloren, sich aus eigener Arbeit zu ernähren.
Diese Fähigkeit hatte sie bereits vorher und nicht erst durch die Vereinigung verloren.

Hätte ohne die Abschaffung der DDR-Währung ein System zweier unterschiedlicher Währungen funktionieren können?
Hätte man die DDR-Funktionäre in ihren Ämtern lassen sollen, um die gewohnte Verwaltung sicherzustellen?

Dies ist nur ein kleiner Teil von Fragen, die sicher je nach Sichtweise anders beantwortet werden können.

Die "Goldgräberstimmung" hat auf beiden Seiten Krisengewinnler hervorgebracht und Verlierer produziert. Ich will hier nur an Verkehrsminister Krause erinnern, der als Minister und Mensch kläglich versagt hat.

Trotz aller Mängel ist die Wiedervereinigung ohne Beispiel, das Wichtigste ist, dass sie friedlich vonstatten ging.
Zuletzt geändert von Horst am Mo 29. Jun 2020, 20:56, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Verschoben in die Rubrik "Sonstiges"

 
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Re: Übergang der DDR in die BRD

Beitrag von Tim007 » Mo 29. Jun 2020, 10:45

riedfritz hat geschrieben:Trotz aller Mängel ist die Wiedervereinigung ohne Beispiel, das Wichtigste ist, dass sie friedlich vonstatten ging.


Das stimmt.

Trotzdem warte ich jeden Tag darauf, dass Bummler eines Tages mit einem Blumenstrauß vor meiner Haustür steht. Warum? Lassen wir Wikipedia sprechen:

Die Kosten der deutschen Einheit setzen sich aus der Übernahme von DDR-Verbindlichkeiten, Transferleistungen für die neuen Bundesländer und weiteren einigungsbedingten Sonderausgaben zusammen.

Für die Gesamtkosten (Stand 2014) der deutschen Einheit einschließlich des Sozialtransfers liegen die Schätzungen zwischen 1,3 und 2,0 Billionen Euro, jährlich um etwa 100 Milliarden Euro steigend.[1] Ein großer Teil davon sind Sozialleistungen, die über Transfers in der Renten- und Arbeitslosenversicherung finanziert werden. Die reinen Aufbauhilfen aus spezifischen Programmen zur Verbesserung der Infrastruktur und zur Förderung von Unternehmen im Bereich der neuen Länder, der Aufbau Ost, summieren sich auf etwa 300 Milliarden Euro.


Das war 2014. In den letzten sechs jahren wird noch bisschen dazugekommen sein. Warum eigentlich, wenn alles so propper war?

 
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Re: Übergang der DDR in die BRD

Beitrag von riedfritz » Mo 29. Jun 2020, 11:17

Warum eigentlich, wenn alles so propper war?
Dem Helmut Kohl wurden die "blühenden Landschaften" bis zum Lebensende um die Ohren geschlagen, aber als er das sagte, war noch kaum jemand bekannt, wie marode das System bereits war. Ohne dass das ganze Deutschland mit der Wirtschaftskraft ganz vorne in der Welt stand und steht, wäre auch der heutige Stand nicht erreicht worden.
Dass auch die Ostdeutschen daran einen hohen Anteil haben, ist unbestritten. Du und Bummler solltet euch vielleicht mal auf halbem Weg treffen (ist geografisch gemeint!).

Viele Grüße,

Fritz

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Re: Übergang der DDR in die BRD

Beitrag von HTJ » Mo 29. Jun 2020, 11:34

Obwohl dies ja ein FKK-Forum ist- wenn wir schon mal das Thema haben, möchte ich meine Meinung dazu sagen.
Den Eingangsbeitrg von riedfritz kann ich unterstreichen. Kein Widerspruch. Allerdings möchte ich auf ein paar Dinge hinweisen:
Die Betriebe in der DDR hätten mehr Zeit haben müssen, sich an das neue Wirtschaftsysten anzupassen. Wäre diese Zeit da gewesen? Es wird ja immer gesagt, die Menschen wären abgewandert, wäre die D-Mark nicht gekommen. Allerdings hat auch Helmut Kohl die Dinge beschleunigt. Es gab ja das Notaufnahmeverfahren zur Zeit der deutschen Teilung, daß jeden Menschen, der flüchtet, ersteinmal eine Unterkunft bietet. Man hätte aber dieses Notaufnahmeverfahren schon nach der Grenzöffnung, aber spätestens nach der Volkskammerwahl 1990 abschaffen können. Nein, es wurde als zusätzliches Druckmittel beibehalten, nach dem Motto: Seht, die Leute hauen alle ab.
Als nun alles gelaufen war mit der deutschen Einheit hätte man auch manches anders machen können. In Jena z.B. hat Lothar Späth einiges aufgebaut, so daß es hier noch einigermaßen gut aussieht, und nicht alles tot ist. In anderen Regionen wurde nur noch alles platt gemacht.
Ich finde es auch unfair von Tim007 die Sozialleistungen in die Gesamtkosten mit einzurechnen. Dies hat nichts mit den Kosten der Einheit zu tun. Die andere Frage ist, ob das Geld immer gut angelegt ist. Es wird ja immer gesagt, wie schön Straßen und Plätze in Ostdeutschland sind. Nur wird von schönen Straßen und Plätzen niemand satt. Das Problem ist, daß die Firmenzentralen meist in Westdeutschland sind, und dort das große Geld verdient wird. Auserdem ziehen diese Firmenzentralen die Menschen mit höheren Schulabschluß an.

 
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Re: Übergang der DDR in die BRD

Beitrag von Tim007 » Mo 29. Jun 2020, 11:36

Ich würde mich mit Bummler gerne mal treffen. Unterschiedliche Auffassungen dürften kein Hindernisgrund sein, zumal wir uns beide darüber einig sein dürften, dass unsere Meinungen keinen interessieren. Das ist wie mit dem Reissack in China.

Trotzdem ist ein Austausch mit ihm immer wieder interessant, da er naturgemäß eine andere Perspektive hat. Das ist für mich relevanter als das, was oft in den Medien vorkommt.

 
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Re: Übergang der DDR in die BRD

Beitrag von riedfritz » Mo 29. Jun 2020, 13:06

Die Betriebe in der DDR hätten mehr Zeit haben müssen, sich an das neue Wirtschaftssystem anzupassen. Wäre diese Zeit da gewesen?
Du weißt aber selbst, wie die Öffnung verlief, da hat die DDR-Führung unter dem Druck der Bevölkerung selbst nicht gewusst, was sie tut. Und deine Frage hast du selbst beantwortet.
Bei vielen Entscheidungen kann man heute noch nicht sagen, ob es eine bessere Lösung gegeben hätte. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass die Wiedervereinigung ja nicht die einzige Umwälzung in dieser Zeit war.
Lothar Späth war ein Glücksfall für Jena und Biedenkopf für Sachsen, andere Bundesländer hatten nicht so viel Glück mit den ihnen zur Verfügung stehenden Personen.
Es wird ja immer gesagt, wie schön Straßen und Plätze in Ostdeutschland sind. Nur wird von schönen Straßen und Plätzen niemand satt.
Doch! Diese Investitionen brachten Beschäftigung, auch für Leute, die sonst von Sozialleistungen hätten leben müssen. Die Entscheidungen für Projekte wurden großenteils von den Kommunen selbst getroffen. Im Gegenzug wurden viele Investitionen im Westen aufgeschoben.
Das Spannende ist, dass es für fast jedes Argument auch ein Gegenargument gibt und Entscheidungen zwangsläufig zum jeweiligen Zeitpunkt richtig gewesen sein können und bei späterer Betrachtung sich als fehlerhaft herausstellten.
Wer konnte ahnen, dass Rohwedder, der ein ganz anderes Konzept der Treuhand als Frau Breuel verfolgte, erschossen würde.

Viele Grüße,

Fritz

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Re: Übergang der DDR in die BRD

Beitrag von HTJ » Mo 29. Jun 2020, 13:17

riedfritz hat geschrieben:Wer konnte ahnen, dass Rohwedder, der ein ganz anderes Konzept der Treuhand als Frau Breuel verfolgte, erschossen würde.

Viele Grüße,

Fritz

Meine Rede. Zum Tod von Rohwedder: Wem hat es genützt. Ich glaube bis heute nicht daran, daß es die RAF war.

 
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Re: Übergang der DDR in die BRD

Beitrag von Tim007 » Mo 29. Jun 2020, 14:58

HTJ hat geschrieben:Ich finde es auch unfair von Tim007 die Sozialleistungen in die Gesamtkosten mit einzurechnen.


Warum unfair? Abgesehen davon, dass die Berechnung nicht von mir stammt, zählen sie natürlich zu den Belastungen, die aufgebracht werden mussten, weil die DDR nicht einmal dafür Rücklagen gebildet hatte. Die "Konkursmasse" gab das nicht mehr her.

Und das Problem der Zeit: Abgesehen davon, dass die Zeit fehlte: Wie lange hätte es gedauert, bis aus dem Plastikbomber ein konkurrenzfähiges Produkt geworden wäre?

 
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Re: Übergang der DDR in die BRD

Beitrag von riedfritz » Mo 29. Jun 2020, 14:58

Ich wollte nur mit der Erwähnung dieser beiden andeuten, wie sehr oft Geschichte von Einzelpersonen und -ereignissen abhängt.

Viele Grüße,

Fritz

 

Re: Übergang der DDR in die BRD

Beitrag von guenni » Mo 29. Jun 2020, 17:21

riedfritz hat geschrieben:Lothar Späth war ein Glücksfall für Jena ....

das von ihm geführte ex kombinat carl zeiss verfügte neben technologisch bedeutenden, sanierungsfähigen betrieben über wertvolle immobilien und grundstücke in jena. die hat "cleverle" verkauft und somit zusammen mit staatlichen investitionshilfen genug geld für neues gehabt.
bei vielen anderen ex-kombinaten war das so nicht der fall.

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