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Aktive Sterbehilfe

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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitrag von norbert » Mi 12. Sep 2018, 20:07

Eric hat geschrieben:Für viele Menschen ist das Leben auch ohne Krankheit scheiße genug, dass ich jeden verstehen kann, der darauf keinen Bock mehr hat.

Nein, das Leben bringt auch sehr viele schöne Momente.
Klar gibt's mal einen schlechten Tag. Aber die schönen Tage überwiegen das doch immer wieder.
Wenn du solche Gedanken häufiger hast, dann lass dir bitte helfen. Sprich mal mit deinem Hausarzt darüber.

 
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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitrag von Ralf-abc » Mi 12. Sep 2018, 21:29

Eric hat geschrieben:Für viele Menschen ist das Leben auch ohne Krankheit scheiße genug, dass ich jeden verstehen kann, der darauf keinen Bock mehr hat. Das Grundproblem ist doch, dass jede Form von suizidalem Gefühl sofort als "krank" gesehen wird. Dabei ist es denke ich ganz normal.

Allerdings muss man da schon sicherstellen, dass ein potenzieller Selbstmörder nicht "nur" an z.B. einer Depression oder unter Mobbing (aktuelles Stichwort D. Küblböck) leidet, was sich i.d.R. durch eine psychologische Behandlung in Griff bekommen lässt.

 
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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitrag von Mecki » Mi 12. Sep 2018, 22:24

Eric hat geschrieben:
Für viele Menschen ist das Leben auch ohne Krankheit scheiße genug, dass ich jeden verstehen
kann, der darauf keinen Bock mehr hat.


was richtet ein Suizid mit Angehörigen an - egal wie nah/weit diese Angehörigen standen/stehen?

Wer sich umbringen will, ist mit seiner Tat "aller Sorgen ledig" - nicht aber die Angehörigen. Eines
natürlichen Todes zu sterben, ist eine ganz andere Abfolge im Umgang mit dem Tod.

Es wäre ethisch nicht vertretbar, der Sterbehilfe Tür und Tor zu öffnen... daher ist es gut, dass es
Hürden gibt, der "Sterbehilfe für Jedermann" Einhalt zu gebieten.

Oder glaubst du wirklich, ein Angehöriger würde zustimmen, wenn jemand sterben will, weil er "nicht
immer gut drauf ist", lange Phasen von Depression hat, was aber durch Medikation und therapeutischer
Betreuung durchaus behandelbar ist. Kein Mensch wird gewöhnlich im "Dauer-Susal" gehalten, um "über
den Tag" zu kommen...kann ich mir zumindest nicht vorstellen - nicht bei der Spezifikation der entsprechenden Medikation.

 
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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitrag von Blood Moors » Mi 12. Sep 2018, 23:09

Normalerweise hängt jeder Mensch an seinem Leben, egal ob er nun religiös ist oder nicht.

Dennoch scheint für viele der Suizid der letzte Ausweg zu sein:

- depressive Erkrankung. Die läßt sich aber in den meisten Fällen psychotherapeutisch behandeln.
- Beziehungsprobleme. Nicht selten geht dem Suizid ein oder auch mehrfacher Mord voraus. Das, was man geliebt und verloren hat, soll dann auch nicht weiter leben.
- wirtschaftliche Probleme. Übernommen beim Hausbau, Konkurs der eigenen Firma usw.
- straffällig geworden. Man erträgt die Schmach und das Gerede nicht. Nicht umsonst gibt es gerade unter Häftlingen eine hohe Suizidrate.

Alle diese Fälle ließen sich i. d. R. anderweitig lösen.

Für mich persönlich wäre der einzige Grund, vorzeitig aus dem Leben scheiden zu wollen eine unheilbare Krankheit, die mir unerträgliches Leiden und Schmerzen bereiten würde. Ich möchte nicht irgendwann von irgendwelchen Maschinen künstlich am Leben gehalten werden.

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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitrag von skyfire » Do 13. Sep 2018, 06:15

noch viel schlimmer:
- zu Unrecht verurteilt. Eben nicht straffällig geworden, aber das System hat was anderes gesagt, und dann der irre Frust, das nicht beweisen zu können, zu unrecht diskriminiert zu werden...

Trotzdem... dafür.

 
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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitrag von Reinhard » Fr 14. Sep 2018, 19:55

ich habe seit jahren depressionen, mal leicht, mal schwer. in holland kann man angeblich die todesspritze bekommen. schade, dass das hier nicht geht. es braucht niemand aktiv werden. ich bräuchte nur die spirtze und das mittel.

was ich davor lese kann nicht unwidersprochen bleiben.

ich bekomme gute und wirksame medikamente und viel psychotherapie aber allen versprechungen zum trotz wird es nicht besser, sondern schrittchenweise schlechter.

das leben ist ein groß angelegter betrug. letzter teil: wenn du mal im ruhestand bist, dann....
scheiße mit ruhestandsitzt bei ärzten rum und igelst dich zuhause ein, fällst der familie mit deinem verhalten zur last. ich würde meiner frau noch ein viertel jahrhundet freiheit und gutes leben ohne mich gönnen.

her mit der spritze.

 
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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitrag von norbert » Fr 14. Sep 2018, 20:12

Hast du Kinder, Enkel?
Für mich ist es das größte Glück, meine Enkel heranwachsen zu sehen.

 
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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitrag von Reinhard » Fr 14. Sep 2018, 20:55

Ja. Nein, und eine Ehefrau die ich sehr liebe

 
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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitrag von Mecki » Mo 17. Sep 2018, 17:32

@

es ist nichts Neues, dass der Übergang ins Rentenalter einen gravierenden Einschnitt ins Leben
bedeuten können. Zu wissen, DANN wird der Zeitpunkt sein - meist Jahre zuvor bekannt - lässt einen
nicht unvorbereitet ins Rentenalter übergehen. Sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, vertraut
machen zu müssen, dass "dann und dann" der Tag kommt, an dem morgens kein Wecker mehr
klingelt, der zur Arbeit mahnt, ist nicht einfach....aber unumgänglich.

Woher weiß ich das - ich hatte keine Zeit, mich auf das Renten-"Dasein" vorzubereiten. Von einem
auf den anderen Tag war es soweit - gesundheitsbedingt frühverrentet. Das war ein Scheiß-Gefühl.
Es zeigte sich schnell, keine Langeweile zu haben - keine Zeit für Langeweile zu haben. Was ich noch
zu leisten imstande war, habe ich gemacht - das war verdammt wenig, aber immer noch genug, um
"beschäftigt" zu sein....körperlich wie mental.
Als probates Mittel wurde mir Bewegung empfohlen...mehr als spazieren zu gehen, ging nicht. Das
jeden Tag zu tun...anfänglich 10 Minuten am Tag...hat dann die Grundvoraussetzung gelegt, nicht
auf "verquere" Gedanken zu kommen.
Wie es ist, mit allerlei Gedanken umgehen zu müssen, mit körperlich wie mentalem Befinden (Disharmonien) umgehen zu lernen - das Liedchen will kein Mensch wissen, der sich gesund fühlt. Ich war zu jung,
um mich gehen zu lassen...wollte mir beweisen, dass es DAS noch nicht gewesen sein sollte....und habe
es mir bewiesen - knapp 20 Jahre sind daraus geworden.
Nein... Zuckerschlecken war das nicht, ist es nicht. Harte konsequente Arbeit an mir selbst ist es....ohne
Unterlass. Medikamentöse Begleitung inklusive, gab es therapeutische Betreuung....um die Spitzen (nach oben), wie die tiefen Täler (nach unten) "gestalten" zu lernen. Medikamentös gut eingestellt - war hart
genug, das zu erreichen - komme ich über die Runden.

"Grund" genug hätte ich gehabt, andere Wege zu gehen. Nach jetzt 6 Krebsdiagnosen (die letzte im Juni 2018) muss ich erneut damit umgehen lernen, wieder bei NULL anzufangen. Es stellten sich immer neue Aufgaben.....auch jetzt. "Müssen" muss ich nix.... ich WILL leben - und ich gestalte es mir so, dass ich ohne Konventionen auszukommen versuche. Mir läuft nichts mehr weg, muss mich und mir nicht/s mehr beweisen....

....und achte auf das, was MIR wichtig ist. Na ja...ein Einfacher bin ich sicher nicht (geworden). Heftige
Lebens-Situationen "verändern" halt....das ist auch gut so. Sich der Veränderungen bewusst zu werden - auch der altersbedingten, die zwangsläufig dazu kommen - erleichtert einiges.

Fazit - sich selbst erst mal richtig kennenzulernen, birgt riesiges Potenzial. Das geht nur, wenn die imaginären Hosen runtergelassen werden. Das ist Schwerstarbeit...und bei Männern eher noch schwieriger, wollen Männer doch eher den "harten Kerl" geben, der NULL an sich ran lässt - schon gar nicht eigene Gefühle zulässt... ;-)

 
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Re: Aktive Sterbehilfe

Beitrag von Mecki » Do 20. Sep 2018, 13:33

@ Nachtrag

nach dem Absenden des letzten Posts habe ich mich an meine Zeit erinnert, als es mir wirklich scheiße ging.
Als ein Psycho-Therapeut mich fragte, ob ich je Gedanken an einen Suizid gehabt hätte, konnte ich das mit
gutem Gewissen verneinen. Die Frage hatte mich allerdings "geplättet", wie sich später zeigen sollte.

Was würde geschehen, wenn....! Mich gäbe es nicht mehr! Aber....was hätte ich hinterlassen - bei den Menschen, die mir jahrelang nahe standen, die viel ausgehalten haben, die mich ertragen haben? Schock? Entsetzen? Verzweiflung? Oder doch Erleichterung, nicht mehr aushalten/ertragen zu müssen? Selbstzweifel der Zurückgelassenen, evtl. nicht genug getan zu haben, um "zu verhindern"?

Vor 2 Jahren raste in der Gegend ein Geisterfahrer auf der Autobahn in ein mit 4 Personen besetztes Auto.
Es zeigte sich - der Geisterfahrer wollte das! Die eigenen Angehörigen - deren Leben ist vorbei...obwohl
das ganz sicher keiner der Angehörigen vorhatte. Ihnen blieb keine Chance

Als der Pilot mit einem Flieger und 150 Menschen an Bord in ein Bergmassiv der französischen Seealpen krachte...150 Menschen "mitgenommen" hat, weil er sein Leben beenden wollte, hat er SEIN leben zwar beendet, aber das Leben von 150 anderen, unbeteiligten Menschen auch. Der Pilot hat mehr zerstört, als
nur sich selbst....auch das Leben Anderer, an seinen Problemen Unschuldiger hat er mitgerissen. 151 Familien in etwas gestürzt, wofür ER die alleinige Verantwortung hat. Niemand wird wirklich wissen wollen, was in den
151 Familien geschehen ist, weil EIN Mensch entschieden hat, nur ER sei wichtig.

Und wer wirklich "gehen" will, braucht keine gesetzliche Legitimation - der kann "gehen", wann er will!
Ein Arbeitskollege fuhr heim und sah auf einer Autobahn-Brücke einen Mann am Geländer stehen. Der Kollege hielt an, sprach mit dem Mann. Das "große Besteck" an Rettungskräften und Feuerwehr und Polizei rückte an. Der Mann kam in eine med. Versorgung - das "große Besteck" wurde aufgefahren. Nach einiger Zeit wurde der Mann wieder entlassen, sein "Zustand" hatte sich augenscheinlich und nach seinem Bekunden gebessert. Es gab keine Anzeichen dafür, in weiter in der med. Einrichtung zu belassen. Gut anderthalb Monate später hat es der Mann an anderer Stelle doch vollzogen, sein Leben zu beenden.

"Aktive Sterbehilfe" - sie zu legitimieren, bedeutet was? Legitimation zu bekommen, "gehen" zu wollen, wenn es nicht mehr weitergeht? Was macht das mit den Angehörigen? Ist es für siei "einfacher", einen geliebten Mensch "gehen" zu sehen/zu lassen?
Eine Schweizerin arbeitet als Palliativ-Medizinerin und sie begleitet Menschen ...auf ihrem letzten Weg. Ein Brite, der erblindete, wollte nicht erleben, vollkommen blind zu sein. Der Mann hatte das blind-sein verhindern wollen - in der Schweiz. Seit 4 Jahren wird er von der Palliativ-Medizinerin betreut....und hat durch sie mit der Blindheit umgehen lernen.

Die HOHEN Hürden der aktiven Sterbehilfe sind richtig - sonst würde sich wohlmöglich ein Geschäftsmodell entwickeln...für Menschen, egal welchen Alters, die "des eigenen Lebens müde" sind, egal aus welchem Grund.

Suizid.... "Erlösung"? Flucht? "davon stehlen"?

Ein Bekannter - Lokführer im Fernreiseverkehr...NULL Chance, wenn ein Mensch auf den Schienen steht. Es kracht "sehenden Auges"....OHNE eingreifen zu können. Mehrfach ist ihm das geschehen...und das hat sein Leben vollkommen verändert - verroht, umtrieben, ständig auf der Flucht, mit dem PKW "reisewütig". Wo er aufblüht - wenn er seine Enkel um sich hat.
Ein anderer Lokführer - Güternahverkehr. NULL Chance, wenn jemand auf den Schienen stand. Es "krachte" auch da...sehenden Auges. Krankschreibung. Was passierte mit ihm - Ehen gingen in die Brüche, Beziehungen klappten nicht mehr, Alkohol,...

....und "gehen" zu wollen, ohne Anderen die Chance zu geben...

Heiße und heikle Themen, wenn bekannt wird, was sich sonst noch dahinter verbirgt....und welche Gewalt dahinter steckt, wenn Leben Unbeteiligter ausgelöscht wird, bzw. Unbeteiligte dann zum lebenden Nichts werden....

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