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Re: Zukunftswerkstatt

Beitrag von Eule » So 14. Jan 2018, 01:52

@ Campingliesel
Wir sind schon so an das Tragen von Kleidung gewöhnt, daß wohl die meisten glauben, daß man erst ein vollwertiger Mensch sei, wenn man angezogen ist.
Es kommt nicht darauf an, was wir glauben oder meinen, es kommt darauf an, dass wir die Begriffe richtig nutzen, um so Missverständnisse zu vermeiden. Du musst also genau zwischen der Evolution und der Zivilisation (Kultur) unterscheiden. Ja, die Umwelt kann in die evolutionäre Entwicklung eingreifen, wenn dieses für das Überleben der speziellen Art überlebenswichtig ist. Kleidung wird von der Evolution nicht als überlebensnotwendig angesehen, denn wir werden immer noch ohne Kleidung geboren.

Es wäre interessant, wie du als überzeugte und langjährige FKK'lerin anderen Personen, die einer Nacktheit nicht positiv gegenüber stehen, die Nacktheit als solches in der Öffentlichkeit erklären würdest und ihnen dabei sagst, dass dieses weder für sie noch für die Moral eine Gefahr darstellt.

@ Bummler
M.E. hat Evolution auch etwas mit Anpassung an die Umwelt zu tun, aber lassen wir das.
Ja, hier liegst du völlig richtig. Aber Kleidung wurde von der Evolution nicht als eine für den Menschen überlebensnotwendige Angelegenheit angesehen und darum werden wir nach wie vor ohne Kleidung geboren. Ob die kulturelle (zivilisatorische) Anforderung, Kleidung tragen zu müssen, wirklich auf natürliche Umwelteinflüsse zurück zu führen ist, dürfte zum größten Teil erfolgreich bestritten werden. Du musst, wie ich es oben schon zur Campingliesel sagte, zwischen einer evolutionären und einer zivilisatorischen (kulturellen) Entwicklung und Anforderung unterscheiden.

Der von dir hier eingebrachte Link ist sehr gut. Dieser Philosoph spricht genau so, wie ich diese Sachlage sehe und empfinde. Ich würde auch lieber vom Unbekleidet-sein reden als vom Nackt-sein. Und weil der Begriff Nackt sehr weit und sehr unterschiedlich aufgefasst wird, nutze ich hier ja den Begriff der Nacktheit als solches.

Das ist das eigentliche Problem: Über Nacktheit wird überhaupt nicht diskutiert. Sie wird abgelehnt, fertig.
Dann liegt es an uns, dieses Thema in der Öffentlichkeit zu diskutieren. In diesem Thread wollen wir uns ja hierfür die entsprechenden Voraussetzungen erarbeiten. Es wäre interessant, wie du anderen Personen, die einer Nacktheit nicht positiv gegenüber stehen, die Nacktheit als solches in der Öffentlichkeit erklären würdest und ihnen dabei sagst, dass dieses weder für sie noch für die Moral eine Gefahr darstellt.

@ Kartunger
Sind wir ("FKK'ler", Nackten) nicht selber schuld, dass über Nacktheit zu wenig diskutiert wird?
Mit einer Schuldzuweisung, selbst wenn diese berechtigt ist, kommen wir nicht weiter. Es wäre wirklich interessant, wie du als ein sehr logisch denkender Mensch anderen Personen, die einer Nacktheit nicht positiv gegenüber stehen, die Nacktheit als solches in der Öffentlichkeit erklären würdest und ihnen dabei sagst, dass dieses weder für sie noch für die Moral eine Gefahr darstellt.

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Re: Zukunftswerkstatt

Beitrag von Zett » So 14. Jan 2018, 04:33

Eule hat geschrieben: Ich würde auch lieber vom Unbekleidet-sein reden als vom Nackt-sein. Und weil der Begriff Nackt sehr weit und sehr unterschiedlich aufgefasst wird, nutze ich hier ja den Begriff der Nacktheit als solches.
Ersteres kann ich mitgehen: Ich finde »unbekleidet sein« ebenfalls exakter. Nur musst Du uns bitte mal erklären, worin der Unteschied bestehen soll zwischen dem Begriff »nackt« und »Nacktheit als solche«!?! Ok, das eine ist ein Adjektiv, das andere ein Substantiv. Aber es bleibt das mysteriöse »als solche«.
Gibt es also eine »Nacktheit« und eine »Nacktheit als solche«? Meinst Du damit nicht eher eine »Nacktheit im engeren Sinne« oder in einem bestimmten Sinne?

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Re: Zukunftswerkstatt

Beitrag von Zett » So 14. Jan 2018, 04:48

Ich bin ja z.B. auch oft nackt aber nicht völlig unbekleidet. Also schon wenn ich Sandalen trage, bin ich ja nicht mehr völlig unbekleidet aber doch nackt - und man würde mich ohne weiteres als "völlig nackt" bezeichnen. Es sind halt doch zwei verschiedene Begriffe. Man kommt immer wieder dahin, dass »nackt« bedeutet, dass etwas »Entscheidendes fehlt«.

 
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Re: Zukunftswerkstatt

Beitrag von Campingliesel » So 14. Jan 2018, 11:45

Eule hat geschrieben:@ Campingliesel
Wir sind schon so an das Tragen von Kleidung gewöhnt, daß wohl die meisten glauben, daß man erst ein vollwertiger Mensch sei, wenn man angezogen ist.

Es kommt nicht darauf an, was wir glauben oder meinen, es kommt darauf an, dass wir die Begriffe richtig nutzen, um so Missverständnisse zu vermeiden. Du musst also genau zwischen der Evolution und der Zivilisation (Kultur) unterscheiden. Ja, die Umwelt kann in die evolutionäre Entwicklung eingreifen, wenn dieses für das Überleben der speziellen Art überlebenswichtig ist. Kleidung wird von der Evolution nicht als überlebensnotwendig angesehen, denn wir werden immer noch ohne Kleidung geboren.

Es wäre interessant, wie du als überzeugte und langjährige FKK'lerin anderen Personen, die einer Nacktheit nicht positiv gegenüber stehen, die Nacktheit als solches in der Öffentlichkeit erklären würdest und ihnen dabei sagst, dass dieses weder für sie noch für die Moral eine Gefahr darstellt.


Natürlich kommt es darauf an, was die Leute glauben, denn genau danach handeln sie. Ob der Begriff richtig genutzt wird oder nicht, ist den meisten Leuten völlig egal, weil sie entweder gar nicht wissen, was die eigentliche richtige Nutzung wäre, oder weil es für manche mehrere Bedeutungen gibt und verschiedene Auslegungen oder Herleitungstheorien.

Als die europäischen Auswanderer in Länder und Kontinente einfielen, wo sie indigene Völker antrafen, hatten sie sicher keine Ahnung davon, warum die nun nicht genauso lebten wie es in Europa üblich war. Für sie waren das einfach wilde nackte Kreaturen, die sie nicht als vollwertige Menschen betrachteten.
Ich unterscheide da sehr zwischen der Evolution und Zivilisation und das habe ich auch schon oft erklärt, wie ich das sehe.
Und wie ich Personen, die der FKK negativ gegenüber stehen, die FKK erkläre, habe ich auch schon oft beschrieben. Es war nach meiner persönlichen Erfahrung eben früher einfacher, zu sagen, daß dabei keine Gefahr weder für die Person noch für die Moral besteht. Und warum? Welchen Gefahren hätte es denn überhaupt gegeben? Wovor haben denn die Leute überhaupt Angst? Eigentlich gibt es dafür keine Gründe und Erklärungen. Das ist und war meist nur so ein unsicheres Gefühl, weil man es eben nicht gewöhnt ist, nackt vor anderen zu sein.
Richtig begründen konnte mir das damals keiner.

Heute allerdings sind die Gründe oft wesentlich konkreter. Und die haben fast immer mit sexuellen Dingen zu tun. Auch wenn es real selten auf FKK-Plätzen vorkommt, und wenn du alleine durch die Gegend läufst, dann wirst du auch selten auf Leute treffen, die sich sexuell vergnügen. Aber es hat sich halt mittlerweile genug herumgeprochen, daß sich Spanner, auch mit Smartphones herumtreiben, daß es Plätze gibt, die nur zum sexuellen Zweck genutzt werden, weil sowas halt auch in der Presse zu lesen ist (wie z.b. die Geschichte am Sendener See oder der bekannte Platz in der Pupplinger Au an der Isar) Oder die bekannten sexuellen Aktivitäten auf Cap 'd' Agde usw. Klar ist das nicht überall so, aber wie es eben so schön heißt: Ein schwarzes Schaf verdirbt die ganze Herde. Dazu kommen noch die bekannte Mißbräuche von FKK-Schilder für Swinger-Clubs etc. Und auch viele Szenen in Pornofilmen, wo an Stränden oder in freier Natur auf Wiesen oder in Wäldern gedreht wurden. Im Internet findet man ja heute alles mögliche. Auch die häufigen Berichte von Exhibitionisten, die andere belästigt haben tragen dazu bei. D.h. wenn jemand einem einzelnen Nacktwanderer begegnet, kann er sich nicht sicher sein, daß es eben nur ein harmloser Nacktwanderer ist und kein Exhibi. Das ist ja hier in meiner Gegend auch schon passiert - wegen eines einzigen Nacktwanderes, der viele Anzeigen und Strafen bekommen hat, obwohl er garantiert niemandem was angetan hat. Und diese Geschichten kennt hier jeder, der die regionale Zeitung gelesen hat.

Also wie soll ich da jemandem überzeugend erklären können, daß er absolut nichts zu befürchten hat? Ich habe auch schon von einem Paar gelesen, die an einem relativ einsamen Nord- oder Ostseestrand versuchen wollten, mal nackt zu sonnen und zu baden, um das auszuprobieren, wie sich das anfühlt, und wurden prompt von einem anderen Paar, das dort zufällig auch war, angesprochen und zu einer Swingeraktion eingeladen. Damit war die FKK für dieses unbedarfte Paar gestorben. Wer sollte es noch schaffen, diesem Paar zu erklären, daß das ja nur ein Einzelfall gewesen sei und sie rein zufällig halt Pech hatten?

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Re: Zukunftswerkstatt

Beitrag von Zett » So 14. Jan 2018, 12:04

Eule hat geschrieben:Es wäre interessant, wie du als überzeugte und langjährige FKK'lerin anderen Personen, die einer Nacktheit nicht positiv gegenüber stehen, die Nacktheit als solches in der Öffentlichkeit erklären würdest und ihnen dabei sagst, dass dieses weder für sie noch für die Moral eine Gefahr darstellt.
Hier wieder dieses mysteriöse "als solches", soll wohl heißen "Nacktheit für sich betrachtet ohne alles, was sonst noch dazu gehört"?!?
Also ich finde es absoluten Unsinn über so etwas depattieren zu wollen, ganz besonders, wenn man mit jemandem darüber sprechen will, der öffentlicher Nacktheit nicht positiv gegenübersteht. Nacktheit steht immer im Zusammenhang mit anderen Dingen, vor allem im Zusammenhang mit realem oder fiktivem Sex. Da macht es so wenig Sinn, über "Nacktheit als solche" zu reden, wie wenn man über die "Kugel als solche" redet, wenn es um einen Mord geht, bei dem jemand erschossen wurde. Da ist die "Kugel als solche" auch völlig harmlos.

Ich bin erst einmal raus, in die Natur als solche!

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Re: Zukunftswerkstatt

Beitrag von hajo » So 14. Jan 2018, 12:51

Eule hat geschrieben:@ Kartunger
Sind wir ("FKK'ler", Nackten) nicht selber schuld, dass über Nacktheit zu wenig diskutiert wird?
Mit einer Schuldzuweisung, selbst wenn diese berechtigt ist, kommen wir nicht weiter.
Das ist zunächst einmal keine "Schuldzuweisung", sondern eine Frage.
Die kann man beantworten.
Mit "ja" oder mit "nein".

Aber nicht behaupten, jemand habe hier einem anderen Schuld zugewiesen.

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Re: Zukunftswerkstatt

Beitrag von hajo » So 14. Jan 2018, 13:03

Campingliesel hat geschrieben:Natürlich kommt es darauf an, was die Leute glauben, denn genau danach handeln sie. Ob der Begriff richtig genutzt wird oder nicht, ist den meisten Leuten völlig egal, weil sie entweder gar nicht wissen, was die eigentliche richtige Nutzung wäre, oder weil es für manche mehrere Bedeutungen gibt.

Richtig!
Mal wieder der Glaube...
Campingliesel hat geschrieben:Auch die häufigen Berichte von Exhibitionisten, die andere belästigt haben tragen dazu bei. D.h. wenn jemand einem einzelnen Nacktwanderer begegnet, kann er sich nicht sicher sein, daß es eben nur ein harmloser Nacktwanderer ist und kein Exhibi.
Siehe oben.
Denn, wenn sich jemand mit dem Exhibitionismus beschäftigte, könnte er - eben wg Internet - schnell herausfinden, was das eigentlich ist:
ICD-10 hat geschrieben:F65.2 Exhibitionismus
Die wiederkehrende oder anhaltende Neigung, die eigenen Genitalien vor meist gegengeschlechtlichen Fremden in der Öffentlichkeit zu entblößen, ohne zu einem näheren Kontakt aufzufordern oder diesen zu wünschen. Meist wird das Zeigen von sexueller Erregung begleitet und im Allgemeinen kommt es zu nachfolgender Masturbation.

Die Vokabel "entblößen" legt zumindest nahe, dass der entsprechende Körperteil zuvor bedeckt war.
"Zuvor" meint jetzt: zeitnah, also nicht Stunden, Tage oder Wochen...

Das trifft auf einen unbekleidet Sonnenden oder Wandernden eher nicht zu.

 
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Re: Zukunftswerkstatt

Beitrag von Eule » So 14. Jan 2018, 19:45

@ Zett
Nur musst Du uns bitte mal erklären, worin der Unteschied bestehen soll zwischen dem Begriff »nackt« und »Nacktheit als solche«!?!
Wenn du den Beitrag gelesen hast, der von Bummler hier verlinkt wurde, dann hast du erfahren, dass der Begriff "nackt" einen Zustand beschreibt, bei dem etwas fehlt. Der Mensch ist nackt, weil ihm das Fell fehlt. Dieses ist die evolutionäre Beschreibung des Begriffes "nackt". Heute wird dieser Begriff genutzt, um ein Fehlen generell zu beschreiben. Ein Fehlen von Kleidung oder anderen Dingen bzw. sachlichen Gründen. "Nackt" ist auch ein Mensch, der schutzlos dasteht. Der Begriff "nackt" beschreibt somit einen negativen Zustand, nicht im Sinne von schlecht, sondern als Begriff eines Mangels.
Wenn ich den Begriff vom Fehlen der Kleidung, des unbekleideten Körpers oder der Kleiderlosigkeit hier im Forum nutze, so wird dieses von vielen Usern nicht als die richtige Bezeichnung angesehen, sondern als abgehoben oder geschraubt. Um diesen Zustand ohne Kleidung oder wie Puistola es so schön schreibt: "ohne Höschen" von der Nacktheit als einen negativen Begriff des Fehlens zu trennen und zu unterscheiden, um den Begriff "nackt" von dem Begriff der Sexualität zu trennen und zu unterscheiden, habe ich die Beschreibung "als solches" angefügt. Damit wird diese "Nacktheit" auf sich selbst zurück geführt und von jeglicher anderen Aktivität oder Richtungszuweisung getrennt. Die Nacktheit als solches beschreibt somit die Nacktheit, der lediglich die Kleidung fehlt, also eine weitergehende Zweckzuweisung damit nicht verbunden ist.
Nach meiner Auffassung wäre es besser und klarer, wenn wir nicht von einer Nacktheit reden würden, sondern von einem Unbekleidet-Sein. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ja dem Vorwurf der Nacktheit und damit der Unmoralität mit dem Begriff des Lichtkleides beantwortet. FKK'ler sind nicht nackt, nein, sie tragen eine Kleidung aus Licht, somit ein Lichtkleid. Nur dieser Begriff kann heute nicht mehr genutzt werden. Mit solch einer Begründung würden wir uns heute lächerlich machen.
Dein Versuch, von einer "Nacktheit im engeren Sinne" zu sprechen, trifft nicht genau zu. Denn mit dem Zusatz im engeren Sinne" schließt du eine Zielrichtung dieser Nacktheit nicht aus. Es geht jedoch darum, dieser unserer Nacktheit keine Zielrichtung zu geben. Es soll ja nur ein "So-Sein" sein und nicht einem bestimmten, speziellem Zwecke dienen. Besser und deutlicher wäre es in der Tat, nur von einem "Unbekleidet-Sein" zu sprechen.

@ Campingliesel
Du hast einen sehr umfangreichen und ausführlichen Beitrag geschrieben. Ist dir beim Schreiben dieses Beitrages nicht aufgefallen, dass wir und heute von dem Rassismus unserer Vorfahren deutlich abgrenzen? Wir wollen doch heute den Rassismus unserer Vorfahren nicht dadurch legitimieren, dass wir deren Fehleinschätzung und Irrtümer als natürlich so gegeben darstellen. Damals gab es schon Widerspruch zu dieser rassistischen Haltung, auch wenn dieser Widerstand nicht sehr mächtig war. Mit dieser, sagen wir einmal etwas unüberlegten, Argumentation könntest du dir den Vorwurf von Rassismus einhandeln. Ich gehe aber davon aus, dass dir dieses fremd ist, du dieses nicht beabsichtigt hast und nur unglücklich und ggf. etwas unbeholfen argumentiertest. Wir müssen heute, auch wenn wir den damaligen Menschen deswegen nicht jetzt unbedingt einen Schuldvorwurf machen wollen, schon eine rassistische Handlung bescheinigen und dürfen dieses nicht entschuldigend als ein so gottgegebenes Verhalten darstellen. Es war falsch, auch wenn damals die Einsicht hierzu nahezu unbekannt war. Weil es falsch war, bleibt es auch heute noch falsch und muss daher auch als solches bezeichnet werden.

Dein Erklärungsversuch ist, so wie du es beschreibst, im Großen und Ganzen gescheitert und erfolglos geblieben. Es ist in der Tat nicht nur dir so ergangen. Darum mache ich weder dir noch den anderen Menschen, denen es ebenso ergangen ist, auch keinen Vorwurf. Der Grund des Scheiterns ist dir und den anderen Personen, die das Gleiche erlebten, durchaus bekannt. Du schreibst und sagst diesbezüglich: "Wovor haben denn die Leute überhaupt Angst?" Und dann stellst du fest: "Eigentlich gibt es dafür keine Gründe und Erklärungen. Das ist und war meist nur so ein unsicheres Gefühl, weil man es eben nicht gewöhnt ist, nackt vor anderen zu sein." Und genau dieses ist der springende Punkt. "Richtig begründen konnte mir das damals keiner." Na ja, auch heute wirst du keine richtige Begründung dafür erhalten?

Wir alle wissen, dass es uns und den Mitbürgern in der Regel schwer fällt, unsere Gefühle zu äußern oder zu begründen. Weiter haben wir es in der Regel nicht gelernt, von uns weg zu gehen und uns auf die Gefühlslage unseres Gegenübers einzustellen. Auf unserer Seite fehlt oft das Verständnis für das Besondere unseres Nacktseins als solches. Subjektiv ist dieses für uns normal, also keine Besonderheit. Subjektiv verletzen wir keine Moral. Ob ich nun meinen Körper mit Kleidung verhülle oder nicht, ist für uns keine moralische Frage. Es ist unsere gelebten Praxis und stellt keine Verletzung der Moral dar. Uns ist ein derartiger Gedankengang so fremd, dass viele diesen nicht als eine Möglichkeit erkennen können und darum nicht auf einen solchen Gedankengang eingehen. Und wer von Kindsbeinen an FKK gemacht hat, der kann dieses mangels eigener Erfahrung und mangels eigener Erinnerung nicht nachvollziehen. Die Erfolgslosigkeit dieser Bemühungen ist nicht deswegen entstanden, weil einer der beiden Gesprächspartner dumm oder uneinsichtig ist. Dieses entsteht, weil beide Gesprächspartner aneinander vorbei reden.
Hoffentlich wird es jetzt deutlich, warum ich so viel Zeit und Mühe darauf verwandt habe, die Geschichte der bürgerlichen Moral zu besprechen. Denn wenn ich diese bürgerliche Moralbeschichte kenne und beachte, dann sollte es mir möglich sein, die Ängste und die Furcht vor der Verletzung eines Tabus meines Gegenübers zu verstehen. Verstehen heißt nun nicht, diese Ängste oder die Furcht vor einer Tabuverletzung zu teilen und zu übernehmen. Nein, ich muss dieses nur wahrnehmen und ernstnehmen. Mein Gegenüber hat durchaus das Recht, diese Empfindungen haben zu dürfen. Mein Gegenüber, der diese Ängste und Furcht hat, ist deswegen nicht dumm, beschränkt oder hirnrissig. Er ist nur in einer bestimmten moralischen Erziehungshaltung gefangen und wir wollen ihm hier eine Hilfestellung geben, sich aus dieser selbst zu befreien. Ich kann, ich darf hier als Modell dienen, ich muss es aber nicht. Mein Gegenüber muss die Wahl, die Freiheit behalten, sich selbst entscheiden zu können und zu dürfen. Denn unsere "Normalität" ist nicht seine. Unsere "Normalität" muss auch nicht seine werden. Auch dann, wenn wir es uns so wünschen und dieses als eine Befreiung für ihn/sie verstehen.
Wenn wir dieses jetzt wissen, dieses so akzeptieren, ja, wie erkläre ich jetzt meinem Gegenüber, warum er meinen Wunsch nach einer Nacktheit tolerieren soll und kann?
Aber es hat sich halt mittlerweile genug herumgeprochen, daß sich Spanner, auch mit Smartphones herumtreiben, ...
Hiermit hast du völlig zu recht ein weiteres Problem angesprochen, welches die Ängste und Sorgen unseres Gegenübers noch verschärfen. Es ist ein für mich nicht nachzuvollziehender Meinung, dass man, wenn man unbekleidet ist, den anderen Menschen schutzlos ausgeliefert sei. Weiter wird einem unbekleidet abgelichteten Menschen gerne unterstellt, unmoralisch zu sein. Man kann in ein Gerede kommen, welches für sehr viele Menschen nicht nur unangenehm ist, sondern sogar existenzgefährdend sein kann. Hier bestünde also unsere Aufgabe, diesen Menschen so viel Selbstvertrauen zu vermitteln, so dass sie einer solchen Situation angemessen und souverän entgegen treten können. Und wir müssen uns also fragen, wie wir dieses unserem Gegenüber vermitteln können. Um diesen Ängsten wirkungsvoll entgegen treten zu können, war es wichtig, uns mit der Geschichte der bürgerlichen Moral auseinander zu setzen. Man kann nämlich nur dann einer Angst, einer Furcht wirkungsvoll entgegen treten, wenn man sich deren Ursache und Bedeutung bewusst ist.
Nun der Hinweis, das Argument, eine solche Angst, eine solche Furcht nicht zu haben oder zu benötigen, hilft unserem Gegenüber nicht, diese zu überwinden. Wir müssen ein Konzept entwickeln, diese Angst und diese Furcht ernst zu nehmen und dann einen Weg finden, wie diese überwunden werden kann. Auch hierzu müssen wir uns Gedanken machen und austauschen, wie diese Hilfestellung von uns geleistet werden kann.

@ Zett
Nacktheit steht immer im Zusammenhang mit anderen Dingen, vor allem im Zusammenhang mit realem oder fiktivem Sex.
Um dieses Missverständnis auszuräumen rede ich entweder von einem Unbekleidet-Sein oder hilfsweise von einer Nacktheit als solches.

@ Hajo
Im Gegensatz zum ICD-10: F65.2 Exhibitionismus vertrete ich die Ansicht, das die sexuelle Erregung beim Exhibitionisten in der Regel nicht zu einer Masturbation führt, da der sexuelle Reitz im Erschrecken des Gegenübers liegt. Da der neue ICD-Schlüssel jetzt bald erscheinen soll, müssen wir jetzt abwarten, wie dieser Passus dann beschrieben werden wird. Für das Strafrecht ist eine Masturbation des Exhibitionisten nicht erforderlich. Es genügt alleine das sich so zeigen. Im Übrigen stimme ich mit dir überein.
Wir müssen und sollen beachten, dass der ICD-Schlüssel ein Diagnoseschlüssel ist, der nur zur Abrechnung der ärztlichen Leistungen der Krankenkassen gegenüber genutzt wird. In der Wissenschaft kann es zu abweichenden Definitionen kommen.

 
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Re: Zukunftswerkstatt

Beitrag von Eule » So 14. Jan 2018, 21:35

Um Missverständnisse vorzubeugen noch eine kurze Erklärung. Bei der Definition von Krankheitsbildern gibt es je nach dem Verwendungszweck dieser Definition bzw. nach der beruflichen Ausrichtung (Fachbereich) Unterschiede, ohne dass die eine oder andere Definition deswegen falsch oder unzutreffend ist. Man muss nur diese Unterschiede kennen.

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Re: Zukunftswerkstatt

Beitrag von hajo » So 14. Jan 2018, 21:35

Eule hat geschrieben:@ Hajo
Im Gegensatz zum ICD-10: F65.2 Exhibitionismus vertrete ich die Ansicht, das die sexuelle Erregung beim Exhibitionisten in der Regel nicht zu einer Masturbation führt, da der sexuelle Reitz im Erschrecken des Gegenübers liegt.

Nun, wenn jeder in definierte Begriffe seine eigene "Ansicht" einbringt, könnte irgendwann auch das "Tischdecken" als obszöne Metapher aufgefasst werden.
Sprache und die Definition bestimmter(!) [Pleonasmus ;) ] Begriffe dienen der Verständigung.
Meine Ansicht.

Zum Thema des Exhibitionismus:
Zu bedenken wäre m. E. ob der Exhibitionismus nicht eine unmittelbare Folge des unnatürlichen ständigen Bekleidetseins ist, da das Sehen und Gesehenwerden des zumindest gelegentlich unbekleideten Mitmenschen - eine Normalität in einer wahrhaft menschlichen Gesellschaft - nunmehr fehlt.
Ginge man angemessen mit dem natürlichen Zustand des Mitmenschen um, bedürfte es keines Exhibitionismusses...

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