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Wortklaubereien

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Re: Wortklaubereien

Beitrag von Mera » Sa 7. Sep 2019, 07:57

Eule hat geschrieben:[...]

Wenn wir uns über diese Begriffe und deren Inhalte unterhalten wollen, so geht dieses nicht, in dem wir persönliche Ansichten diskutieren und dann nach diesen persönlichen Ansichten die Begriffsinhalte neu bestimmen. Wir sollten uns hier an den historisch gewachsenen Zuweisungen dieser Begriffsinhalte halten.

[...]

Der Nudist ist ein Mensch, dem es gefällt und genügt, seine Kleidung abzulegen und so sein Leben zu gestalten. Das ist völlig ok und steht in seiner Bedeutung einem Naturisten gleich, der neben dem Ablegen seiner Kleidung der Schutz und der pflegliche Umgang mit und in der Natur hinzu kommt. Der FKK'ler erweitert sein Beachtungsspektrum weiter, in dem er seine gesamte Lebensführung mit einbezieht.

[...]

Meines Erachtens setzt du hier zwei Dinge selbstverständlich gleich, die nicht notwendigerweise das Gleiche sind:

Nämlich zum einen die historische im Sinne von ursprüngliche, und zum anderen die gewachsene Bedeutung von Begriffen.

Ich weiß, dass die Idee, sich in seiner Freizeit nackt im Freien aufzuhalten, in ihren Ursprüngen einen starken sagen wir mal gesundheitspolitischen Bezug hatte, der sich mit Ideen und Ansichten überschnitten hat, die man mittlerweile primär mit der Umweltschutzbewegung verbindet. Sicherlich war und ist das die historische Bedeutung des Begriffs "Freikörperkultur".

Aber wenn du heute eine Umfrage machst, was "FKK" (sic!) bedeutet, wird wohl nur eine deutliche Minderheit der Befragten antworten, das Akronym stünde für prinzipielle Nacktheit aus ökologischen, lebensreformerischen, spirituellen o. ä. Gründen, und das als Teilaspekt einer umfassenden Lebensweise.

Sondern die meisten würden antworten, "FKK" bedeute, am Strand oder Badesee, beim Schwimmen und Sonnen usw. gerne nackt zu sein, anstatt wie mehrheitlich üblich spezielle Badebekleidung zu tragen.

Und was ist ein ausdrücklich als solcher beschilderter "FKK-Strand" oder "FKK-Bereich"? Ein Versammlungsort der Lebensreformbewegung, oder ganz einfach ein Abschnitt eines öffentlichen Strandes, Strandbades an einem See- oder Flussufer o. ä., an dem man sich nackt aufhalten darf?

Sind Millionen Menschen im deutschsprachigen Raum, und selbst im nicht deutschsprachigen Ausland, die mitunter auch das Akronym "FKK" kennen, und die darunter sämtlich vereinfacht gesagt "Nacktbaden" als Freizeitvergnügen verstehen, alle komplett im Irrtum und müssten eigentlich korrekterweise ausschließlich von "Nudismus", "Nudisten", "Nudistenstrand" usw. sprechen - Begriffe, die ich durchaus auch schon gehört habe, die aber eher sehr ungewöhnlich, im besten Fall noch altbacken (sic!), wenn nicht schlicht seltsam klingen - weil "Freikörperkultur" zu Kaisers Zeiten ursprünglich mal eine lebensreformerische Bewegung bezeichnet hat?

Was du - historisch wohl durchaus zutreffend - "Freikörperkultur" nennst, nennt man meiner Erfahrung heute verbreitet "Naturismus".

Die Mehrheit der Menschen, die - wie man umgangssprachlich sagt - gerne "FKK machen", haben dabei mit lebensreformerischen Ansichten, Prinzipien und Zielen eher wenig bis nichts im Sinn. Während umgekehrt strenggläubige "Naturisten" es sich - soviel weiß ich aus wohlgemerkt zeitgenönssischen Quellen! - in aller Regel verbitten, mit diesen Leuten gleichgesetzt oder in Verbindung gebracht, oder sonst auf Nacktheit als scheinbar primären oder zentralen Aspekt ihrer Lebensweise reduziert zu werden.

Und "Nudismus"?

Ein veralteter Begriff, der ganz früher mal neben "Freikörperkultur" das bezeichnet hat, was sich heute als "Naturisten" empfindende Menschen vertreten, die aber wie gesagt insbesondere von der bekleideten Mehrheitsgesellschaft die Nacktheit gerade nicht ins Zentrum ihrer Philosophie gerückt sehen wollen.

Zusammen mit "Freikörperkultur" bzw. "FKK" hatte er sich zwischenzeitlich wohl darauf ausgedehnt, jedwede Form von Nacktheit als bewusstes Mittel zur Erholung und Steigerung des körperlichen Wohlbefindens zu bezeichnen, in dem Maße, wie das zwar nie mehrheitsfähig, aber jedenfalls gesellschaftlich akzeptiert und nicht mehr unbedingt gleich als Ideologie verstanden wurde, wurde aber der Suffix "-ismus" in diesem Kontext unpassend.

All das ist keinesfalls eine Neubestimmung von Begriffsinhalten anhand persönlicher Ansichten, sondern eine Analyse der zeitgenössischen Bedeutungen der Begriffe "FKK" und "Naturismus". ;)

 
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Re: Wortklaubereien

Beitrag von Ha-Be » Sa 7. Sep 2019, 09:25

Aber wenn du heute eine Umfrage machst, was "FKK"....

Sondern die meisten würden antworten, "FKK" bedeute, am Strand oder Badesee, beim Schwimmen und Sonnen usw. gerne nackt zu sein, anstatt wie mehrheitlich üblich spezielle Badebekleidung zu tragen.


Ich würde auch so antworten, denn genau so mache ich es auch.

Während umgekehrt strenggläubige "Naturisten" es sich - soviel weiß ich aus wohlgemerkt zeitgenönssischen Quellen! - in aller Regel verbitten, mit diesen Leuten gleichgesetzt oder in Verbindung gebracht,


Ich möchte mit denen auch nicht gleichgesetzt werden. 8-)

 
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Re: Wortklaubereien

Beitrag von BMO » Sa 7. Sep 2019, 09:34

Das Wort "Nudismus" ist vor allem aus dem englischsprachen Raum (wieder?) zu uns gekommen, ebenso wie "Naturismus", letzteres auch aus dem Französischen. (Im Spanischen ursprünglich nicht, siehe meinen Link am Anfang )

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Re: Wortklaubereien

Beitrag von Aria » Sa 7. Sep 2019, 13:52

Eule hat geschrieben:
Aria hat geschrieben:So könnte man zurück bis zum Adam und Eva gehen, die sich erst schämten, als sie erkannten, dass sie nackt waren. Und weil ihre Nacktheit auch Gott ab diesem Zeitpunkt nicht mehr gefiel, schneiderte er ihnen Kleidung aus Fellen. Daraus leitete man ganz richtig ab, dass Nacktheit nicht gottgewollt ist, und entsprechend verfolgte und verfolge man diejenigen, die dagegen verstießen bzw. verstoßen.
Eine doktrinäre Auslegung doktrinärer konservative Christen ohne Bezug zur modernen Exegese.
Moderne Exegese gibt es erst seit einigen Jahrzehnten, davor wurde jahrtausendelang das gelehrt, was ich schrieb: Gottgefällig sei die Nacktheit nicht.

Eule hat geschrieben:Es ist eine Folge der bürgerlichen Moral, die sich weit vor der jüdisch-christlich-islamischen Gesellschaftslehre bildete.
Natürlich – die Schreiber der Bibel haben die damaligen Sitten als gottgewollt aufgeschrieben, weil sie keine andere Erklärung kannten.

Das ist kein Affront gegen Religionen, sondern ein Versuch zu zeigen, warum der Begriff „nackt“, wenn unbekleideten Menschen betreffend, bis zum heutigen Tag negativ besetzt ist, obwohl rational gesehen der nackte Mensch, weil nackt geboren, das Normalste der Welt sein müsste.

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Re: Wortklaubereien

Beitrag von guenni » Sa 7. Sep 2019, 14:34

in der bibel wird die nacktheit nicht verurteilt. sie gilt nicht als sünde oder unmoralisch, sondern als zeichen der armut.

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Re: Wortklaubereien

Beitrag von Aria » Sa 7. Sep 2019, 14:39

Das ist eine Auslegung der Bibel, die erst im 20. Jahrhundert modern wurde.

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Re: Wortklaubereien

Beitrag von HaJo » Sa 7. Sep 2019, 17:03

Zudem sollte es eigentlich egal, wie es seinerzeit irgendjemand "auslegte" (meist also anderen die Lesart vorschreiben wollte), da wir doch wohl modernere "Schriften" haben und - soweit naturwissenschaftlich ausgebildet und begabt - längst mit anderen Maßstäben arbeiten.

Siehe u.a. dieses Forum hier und die Nutzung von Tastatur und Maus.

Ich warte gespannt auf die "Auslegung" der "Bibel", die auch dieses gestattet, obwohl sie doch so manches verbietet (schnödes Mammon z.B. - Mt 6,24).

Wer immer noch wegen uralter Texte (übrigens nicht ALLER, sondern wohl(weislich) selektierter) seitenlange Ergüsse zu produzieren in der Lage ist, sollte zumindest andere Ansichten und Aktionen, die sein heutiges und hiesiges Leben viel eher ermöglichen als alle Auslegungen der Jahrhunderte und heute, akzeptieren...

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Re: Wortklaubereien

Beitrag von HaJo » Sa 7. Sep 2019, 17:04

HTJ hat geschrieben:Da wäre es ja sinnvoll das Wort " Textilfrei " zu benutzen, wie es in manchen Bädern gemacht wird.

Auch bei Nacktschnecken?

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Re: Wortklaubereien

Beitrag von HaJo » Sa 7. Sep 2019, 17:08

ostfriesenpaar hat geschrieben:...
Dann gibt es karge, nackte Wände oder ähnliches, die so bezeichnet werden, weil vermeintlich etwas fehlt.
Oder bisher nichts da war...

Denn wenn ich ein Haus erwerbe oder bauen lasse, dürften die Wände (ich nutze mal dein Beispiel) zunächst blank sein.
Es gibt Menschen, die mögen das. Ich z.B.

Andere sähen da gerne Bilder, Regale etc.

Ist das vorherige - wie Eule ja meint - ein Fehler?
Wenn ja, welcher?
Also - WAS fehlt?
Bilder?
Farbe?
Regale?
Verzierungen?

Kann man die Bewertung, die im Wort "Fehler" steckt (Schule?!), nicht vermeiden?

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Re: Wortklaubereien

Beitrag von HaJo » Sa 7. Sep 2019, 17:15

Mera hat geschrieben:"Naturismus" hingegen verstehe ich als eine Weltanschauung ...

"Nudismus" wiederum ist ein Begriff, mit dem ich denklogisch nur wenig anfangen kann, und zwar des Suffixes "-ismus" wegen...
(Hervorhebungen durch mich)

Hmm...

Welcher Begriff ist denklogisch angemessen und welcher nicht?
Vor allem - warum verschiedene Maßstäbe?

Ich versteh das hier nicht.

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