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Stephen Gough, die unbeendete Tragödie

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Winchester Crown Court 20151019: Neuer Fehlschlag

Beitrag von Calcit » Di 20. Okt 2015, 17:36

Falls es Wunder gibt sind diese selten, und so muß man weiter auf ein solches in UK warten: Gestern, 20151019, ist Stephen Gough, wie zu befürchten war, am Winchester Crown Court, immerhin zum vierten Mal vor einer Jury stehend, erneut gescheitert, es ging wohl wieder um die extra für ihn gebaute ASBO-Falle, in die er bei seinem berechenbar geradlinigen Kurs hineinfallen mußte. Das Urteil soll erst in 7 bis 8 Wochen verkündet werden, in der Zwischenzeit soll mal wieder versucht werden, ihn mittels psychiatrischem Gutachten verschwinden zu lassen, ein schon früher fehlgeschlagener Versuch, der aber gefährlich ist, da bekanntlich Richter oft sich hinter inkompetenten Gerichtsgutachtern verkriechen und denen die Rechtsprechung überlassen.

Ich hatte mich schon gewundert, daß vom Ergebnis des für 20151007 angekündigten Termins nichts zu lesen war:
Calcit, 20150915, hat geschrieben:
Southern Daily Echo, 20150915, hat geschrieben: ... He was remanded in custody to appear at Winchester Crown Court on October 7.
http://www.dailyecho.co.uk/news/1372003 ... ted_again/

... In drei Wochen weiß man mehr, ob das Wunder eingetreten ist, daß die Justiz zu einer problemlösenden Erleuchtung gekommen ist oder beim Routinekurs des "Lebenslänglich" bleibt.
dieser Thread

Der genannte Termin war nur verschoben worden, also kein Fall von Geheimjustiz:
Thelawpages.com, 20151020, hat geschrieben: 14-10-2015 Winchester [court]1 [case no.] T20150309 [defendant] stephen peter gough
Details:
For Preliminary Hearing - Case Started - 10:35
For Preliminary Hearing - Hearing finished for STEPHEN PETER GOUGH - 10:48

19-10-2015 Winchester [court]1 [case no.]T20150309 [defendant] stephen peter gough
Details:
For Trial - Case Started - 10:37
For Trial - Case adjourned until 11:20 - 11:05
For Trial - Resume - 11:36
For Trial - Prosecution Opening - 12:11
For Trial - Witness evidence concluded - 12:22
For Trial - Summing Up - 12:25
For Trial - Case adjourned until 12:50 - 12:36
For Trial - Resume - 14:04
For Trial - Resume - 14:40
For Trial - Hearing finished for STEPHEN PETER GOUGH - 14:58
http://www.thelawpages.com/court-hearin ... esults.php

Das lief gestern anscheinend mal wieder wie gewohnt mit Stephen Goughs Ausschluß von der Gerichtsverhandlung weil er nicht versprechen wollte, nicht aufzustehen hinter seinem hölzernen Sichtschutz, so daß dann die Jury-Mitglieder mehr von ihm durch die Glasscheibe hätten sehen können, herbeigeholte und ihm angebotene Gefängniskleidung akzeptierte er erwartungsgemäß nicht. Eine gelegentliche Gerichtszeichnerin beschreibt das Problem gut mit der Formulierung, daß Nacktheit für Stephen Gough ein Feigenblatt ist. So sehe ich das auch, ihm geht es nicht darum, im Supermarkt nackt einkaufen zu dürfen, was ihn stört ist, daß ihm mit aus seiner Sicht nicht vorhandenen Begründungen absurde Auflagen gemacht werden. Mich erinnert das an den Ärger mit der Gehorsamsübung der Volkszählung von 1987:
https://de.wikipedia.org/wiki/Volksz%C3 ... hland_1987
Wer ehrlich war, bekam ein Bußgeld, andere, die was erfanden oder kreativ formulierten blieben ungeschoren, Strammstehen ist die erste Bürgerpflicht sollte den Untertanen vermittelt werden. Ähnlich auch hier, der Staat mit seinem Justizapparat ist nicht so sehr über Nacktheit ergrimmt, er platzt vor Wut darüber, daß jemand die Berechtigung einer ASBO-Verhängung als Strafe für nicht strafbares Verhalten anzweifelt. Hier einige bizarre Spuren von der gestrigen Veranstaltung:
Isobel Williams, 20151020, hat geschrieben: ... In the dock he is shielded by a wooden screen below, glass above. ... Steve won’t promise to remain seated - with his genitals out of the jury’s sight - so he is sent back to the cells. Prosecuting counsel: ‘Mr Gough does have a wish often to stand up.’ Judge: ‘We can’t ask a prison officer to chain his legs to the floor.’ ... His struggle is not concerned with some right to be naked in Asda, but with an eccentric compulsion to challenge authority. He is using nudity as a figleaf.‎ ...
http://isobelwilliams.blogspot.co.uk/20 ... mbler.html

nakedrambler.org, 20151016, hat geschrieben: ... In a surprise move during last Wednesday’s preliminary hearing, the court asked for Monday October 19 to be set in stone for the Naked Rambler’s next live appearance before Winchester’s chosen few. ... Previously, at Winchester Crown Court on Wednesday October 7, Stephen Gough was due to appear by video-link from Winchester prison but this in fact, did not take place. The hearing was therefore adjourned to Wednesday October 14 whereby Mr Gough was reportedly brought to court in person before Judge S[...] E[...] QC. ...
http://www.nakedrambler.org/rambler_news.html

nakedrambler.org, 20151019, hat geschrieben: ... Mr Gough submitted a written statement to present to the court, as the judge never allowed him to appear naked before the jury because of his refusal to sit down, just as he had acted before, in a previous trial at Winchester on October 7 2014 before Judge J[...] M[...] QC. The jury convicted him in 30 minutes. They probably found his short plea unintelligible. Sentence was adjourned for a psychiatric report, although Mr Gough is unlikely to co-operate. Sentencing is predicted in 7-8 weeks. The judge invited the CPS & police to think carefully about whether there was any point in further jury trials....
http://www.nakedrambler.org/rambler_news.html

Vier Tage vor dem verschobenen Termin mußte ich bei der für dieses Jahr wohl letzten Forumswanderung, in der weiteren Umgebung von Marburg, mehrfach daran denken, warum wir 20 Teilnehmer nicht auch geschnappt wurden und lebenslänglich hinter Gefängnis- oder Irrenhausgittern landen. Sicher, unser Maß an Zurückhaltung übersteigt das von Stephen ganz erheblich, wir wären auch ohne Feiertag nicht "so" bei Aldi zum Einkaufen erschienen, aber der Denkansatz ist der selbe, nämlich daß eine Demokratie durch Vorhandensein von Minderheiten nicht untergeht, selbst wenn eine Minderheit in einer hypothetischen dystopischen Gesellschaftsordnung von Sackhüpfern es nicht für verwerflich hält, evolutionsbedingt zwei Füße zu haben und auf diesen zu wandern. Auch an dem Tag gab es bei Begegnungen mit Textilen keinen Ärger, mögen das etwaige englische Leser dieses Threads mitbekommen, auch die britischen Inseln werden nicht im Atlantik versinken wenn Stephen Gough sein Nacktwandern aufgibt weil es ihm nicht mehr verboten wird.

 
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Re: Stephen Gough, die unbeendete Tragödie

Beitrag von Calcit » Fr 18. Dez 2015, 15:58

Heute, 18.12.2015, könnte der Tag sein, an dem das durch den Skandal Stephen Gough beschädigte Ansehen des britischen Rechtssystems nicht noch weiter abgesenkt wird. Ein als überdurchschnittlich nachdenklich geltender Richter, Judge Keith Cutler am Winchester Crown Court, entscheidet laut bisheriger Planung heute über die künftige Rechtmäßigkeit der ASBO-Verfügung, derzufolge Stephen Gough nach einem von der Exekutive extra für ihn gebastelten Gesetz als Einzigem in England einfache Nacktheit in der Öffentlichkeit verboten ist. Da er sich bekanntlich nicht an dieses hielt, da er es für abwegig hält, sitzt er weiter im Hochsicherheitstrakt von Winchester Prison in Isolationshaft hinter Gittern, wie es bisher aussieht bis zu seinem Lebensende. Es ist haarsträubend sich vorzustellen, daß Stephen Gough bei einem seiner Ausflüge von einem oder mehreren Nacktwanderern begleitet als Einziger in Haft genommen wird, nicht wegen Nacktheit, sondern wegen Aufmüpfigkeit gegen die Obrigkeit, die darüber zetert, daß ihr ASBO, so unberechtigt es auch sein mag, nicht ehrfurchtsvoll von ihm geachtet wird, der Geßlerhut-Gedanke. Die Mitwanderer dagegen werden nicht so behelligt, sie sind ja nur nackt und nicht aufmüpfig, und für den maximal denkbaren Vorwurf der Störung der Öffentlichen Ordnung gibt es keine Haftstrafe.

Ein Intelligenzler auf dem Richterstuhl ist gefragt, der zusätzlich auch die ihm als Richter zustehende Entscheidungsfreiheit nutzen kann und nicht davor zurückschreckt diese zu nutzen. Auch ich hoffe, daß Judge Cutler derjenige ist, dem es gelingt, diesen Gordischen Knoten der nicht nur für Stephen Gough humanitären, sondern auch für die britische Justiz juristischen Katastrophe zu zerschlagen.

Während ich mit Spannung auf erste Berichte über Verlauf und Ergebnis der heutigen Verhandlung warte, kann ich noch Lesenswertes empfehlen. Ein mal wieder sehr gut geschriebener Beitrag des Juristen Matthew Scott, der Stephen Gough schon früher vertreten hat und heute wohl nur als Zuschauer dabei ist, zeigt, daß nicht alle Juristen in Absurdistan hausen, auch interessant, daß sogar aus höhereren Ebenen in der Justiz kaum verhüllte Kritik an der bisherigen Entwicklung kommt (Fettschrift im folgenden Ausschnitt von mir):
Matthew Scott, 20151026, hat geschrieben: ... He now awaits sentence on 18th December [2015]. There are cautious grounds for optimism, although perhaps it would be safer to say merely that there are straws in the wind. First, the Recorder of Winchester [Judge Cutler] is an independent and humane judge. One can be sure that he will take no pleasure in passing another sentence of imprisonment on a man who has never harmed anyone. On Mr Gough’s conviction he pointedly questioned the CPS [Crown Prosecution Service] on whether any public interest was being served by the repeated series of Crown Court trials and imprisonments. Secondly, the former Director of Public Prosecutions, Lord Macdonald QC, has spoken out against the decision of his successors to prosecute Mr Gough: “This man is not a danger to anybody, he’s a nuisance. He’s an eccentric, as far as one can tell he’s a harmless eccentric. He’s spent around 10 years in prison, that’s £40,000 a year. This seems to be a draconian, quite inappropriate response to his behaviour. He’s served 10 years, which on normal remission terms would be the equivalent of a 15-20 year sentence in prison … Very few rapists get that sort of sentence, not many murderers serve more than that. Prison should be for people who represent a risk to the public, not for people who annoy the public in the way that he seems to from time to time.” Thirdly, it is fast becoming apparent that the ASBO on Mr Gough has turned itself into an instrument of oppression that is quite out of place in a free society. Whether we want to admit it or not, Mr Gough has been imprisoned for expressing his political views. He has a passionate and unshakeable belief that the human body is nothing to be ashamed of and that we should be free to wear or not wear clothes as we wish. ... It is easy to laugh at what is indeed a farcical situation. But fundamentally this is not a laughing matter. A courageous and harmless man is being kept for year after year in near solitary confinement because he chooses to manifest his eccentric political beliefs. ... But for all that he is a prisoner of conscience whose treatment shames the nation. The seemingly endless cycle of imprisonment, release and re-imprisonment of this man is a shocking blot on our justice system. Mr Gough is next due in court on December 18th [2015]. ... I hope that Judge Cutler will finally dare to do what his predecessors have failed to do and set him free.
http://barristerblogger.com/2015/10/26/ ... #more-1553

Für die, die nur gähnend meinen, Stephen Gough, der schon wieder, soll der Spinner sich doch was anziehen oder verschimmeln, habe ich oben den Satzteil "He has a passionate and unshakeable belief that the human body is nothing to be ashamed of" fett markiert: Dieser von ihm vertretene Denkansatz ist das, was das Fundament dieses Forums ausmacht, da gibt es nur die taktischen Meinungsverschiedenheiten, ob man den Denkansatz besser mit Samtpfötigkeit, z.B. hinter Vereinszäunen, in Wandergruppen in halbwegs einsamen Gegenden, öffentlich beim WNBR oder auf die ganz brachiale Weise wie Stephen Gough mit z.B. seinem Einkauf von "Mars Bars" im dörflichen Krämerladen verbreitet. Das ist der eine Aspekt, das sozusagen Missionarische. Der andere ist der, man will gar nicht missionieren, man will auf seine Weise für sich dieser Überzeugung nachgehen, was soll es wenn andere das gelegentlich mitbekommen, man will sich deshalb nicht in Selbstzensur verkriechen (so habe ich leicht in mich hinein grinsend die Isarstraßenbrücke von Bad Tölz zu bester morgendlicher Kirchgangszeit im Boot unterquert, wen es stört, der braucht ja nicht von der Brücke zu gucken). Diesen anderen Aspekt sehe ich bei Stephen Gough auf die Spitze getrieben, er will nicht missionieren, er besteht darauf, anders zu sein, er zu sein mit seinen niemanden schädigenden Überzeugungen. Ich sehe ihn damit als Vertreter westlicher Werte mit dem Gedanken des Schutzes des Individuums vor dem Kollektiv, und so jemand wird von der Justiz zertreten, das finde ich bitter. Hoffentlich endet der heutige Tag nicht mit erneuter Enttäuschung.

Ganz interessant zum Thema unendliche Beugehaft zur Verhaltensänderung ist ein Fall, bei dem ein Richter wenn auch zähneknirschend schließlich einen Häftling freigelassen hat, weil dieser unbeugsam sein Verhalten nicht ändernd den Zweck der Beugehaft hinfällig gemacht hatte. Es ging um ein Ehepaar mit zerrütteter Ehe, sie Engländerin, er Ägypter, die ihre Tochter nach Ägypten in einem Urlaub mitnahmen damit diese auch die väterliche Verwandtschaft kennenlernen konnte. Dort verschwand sie. Nach Rückkehr nach England wurde der Vater in Erzwingungshaft genommen, damit er den Aufenthaltsort seiner Tochter herausrücke. Nach längerer ergebnisloser Haft wurde er von einem Richter, der unglücklich war, der Tochter nicht helfen zu können, freigelassen. Das könnte ein Präzedenzfall sein für Stephen Gough, der aber bei keinem Verschwinden beteiligt war oder sonstwie irgendjemanden schädigte. Detailliert nachzulesen ist dieser Bericht von "Royal Courts of Justice 19th December 2013", Aktenzeichen [2013] EWHC 4152 (Fam):
Mr. Justice Holman, 20131219, hat geschrieben: ... 27. ... But so far as the present application is concerned, I pass no further sentence of imprisonment; and so, when he has lawfully served the present sentence, he will be released. ...
http://www.bailii.org/ew/cases/EWHC/Fam/2013/4152.html

Vielleicht zeigt dies Beispiel aus dem Familiengericht einen Ausweg aus dem Alptraum in den Stephen Gough geraten ist durch Unnachgiebigkeit von seiner Seite wie durch gleichgroße Unnachgiebigkeit von staatlicher Seite.

Auch lesenswert:
http://www.nakedrambler.org/rambler_news.html

 
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Stephen Gough wird vor Weihnachten 2015 freigelassen

Beitrag von Calcit » Fr 18. Dez 2015, 17:35

Es gibt eine erste Nachricht von der heutigen Verhandlung: Stephen Gough ist zu 200 Tagen Haft verurteilt worden für seinen letzten ASBO-Verstoß, der 20150911 zu seiner erwähnten Verhaftung nach immerhin einigen Wochen Freiheit geführt hatte. Da die Hälfte der Haftdauer bei guter Führung, wie immer bei Stephen, erlassen wird und er schon 97 Tage vor dem heutigen Urteil abgesessen hat, wird er noch vor Weihnachten freigelassen. Der Richter versuchte ihm eine Brücke zu bauen mit dem Hinweis, daß seine ASBO-Bedingungen für die Zukunft nicht unabänderlich sind. Da habe ich ein ungutes Gefühl, ob er sich auf Verhandlungen einläßt, meine pessimistische Frage ist, wie lange dieser erneute Aufbruch in die Freiheit diesmal Bestand haben wird.
Hampshire Chronicle, 20151218, hat geschrieben: Naked Rambler Stephen Gough jailed but could be released before Christmas
... Appearing in court for the 40th time, the 56-year-old was sentenced to 200 days in jail for breaching an anti-social behaviour order barring him from public nudity. ... Representing himself naked in the dock, Gough said: "I'm not against wearing clothes. I'm not naked because I think wearing clothes isn't a good thing - it's just if I'm trying to make the announcement, if you like, that the human body is not indecent. I'm not for or against wearing clothes." He added: "I'm standing for what I believe to be true and thus can go on until I'm dead. If you've got a conviction you just do it." ... Gough had already served 97 days in Winchester Prison as he was held for sentence, the court heard. "You may be released from Winchester, as far as I'm concerned, next week," the judge added. ... Judge Cutler said Gough could apply to amend his ASBO in ways he could "live with". ...
http://www.hampshirechronicle.co.uk/new ... Christmas/

Das ist durchaus etwas Neues, daß sein nackter Auftritt vor Gericht nicht wieder mit einem Rausschmiß geendet ist, die vorherige Einschätzung des Richters hat sich in dem Punkt bestätigt. Die Frage bleibt, ob sich da eine tragfähige Brücke bauen läßt mit dem Angebot einer ASBO-Abwandlung.

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Re: Stephen Gough, die unbeendete Tragödie

Beitrag von Aria » Fr 18. Dez 2015, 20:52

Calcit hat geschrieben:Für die, die nur gähnend meinen, Stephen Gough, der schon wieder, soll der Spinner sich doch was anziehen oder verschimmeln, habe ich oben den Satzteil "He has a passionate and unshakeable belief that the human body is nothing to be ashamed of" fett markiert: Dieser von ihm vertretene Denkansatz ist das, was das Fundament dieses Forums ausmacht, da gibt es nur die taktischen Meinungsverschiedenheiten, ob man den Denkansatz besser mit Samtpfötigkeit, z.B. hinter Vereinszäunen, in Wandergruppen in halbwegs einsamen Gegenden, öffentlich beim WNBR oder auf die ganz brachiale Weise wie Stephen Gough mit z.B. seinem Einkauf von "Mars Bars" im dörflichen Krämerladen verbreitet.
Das hast du nicht nur sehr schön gesagt, sondern auch ins Schwarze getroffen.

Stephen Gough geht eben lieber ins Gefängnis als klein beizugeben. Von diesem Holz waren auch die ersten FKK-ler Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts, ohne deren Beharrlichkeit hätte sich die FKK wahrscheinlich nie durchgesetzt. Es ist ihm zu wünschen, dass die Richter irgendwann mit ihm ein Einsehen haben.

 
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Re: Stephen Gough 20160115 mal wieder freigelassen

Beitrag von Calcit » Mi 20. Jan 2016, 22:38

Zwar wurde Stephen Gough nicht wie erhofft noch vor Weihnachten freigelassen, aber jetzt doch mit etwas Verzögerung, vielleicht zum Gesichtswahren der Justiz. Er durfte letzten Freitag, 20160115, das Gefängnis verlassen, vor dem er in seinen "Markenklamotten" von Unterstützern abgeholt wurde. Nicht nur die Uhrzeit 10:30, zur Erinnerung, seine Freilassung in Schottland war früh morgens im Dunkeln, war bemerkenswert, sondern mindest eben so sehr, daß am Gefängnisausgang nicht schon, wie anderswo wohl mehrfach vorgekommen, Polizisten auf ihn warteten und gleich ins Gefängnis zurückbrachten. Da sehe ich einen begrüßenswerten Versuch des Richters zu einer Entspannung beizutragen. In einem Interview mit dem Reporter Slominski von den Eastleigh News äußert sich Stephen anerkennend darüber, daß der Richter seinen Kopf so weit über die Justizbrüstung erhoben hat, daß der Richter selbst gerade noch nicht geköpft wurde (in meinen Worten ausgedrückt):
Gough-Interview, 20160115, hat geschrieben: “I feel that he did stick his neck out, you know, so I have a warm feeling towards him. And yet, I want everything. I want to be able to stand in front of a jury naked, and for him to have allowed that, and gone against the High Court, the Appeal Court decision, would have been him really sticking his neck out as far as he could go and maybe getting it chopped off. ..."

The Naked Rambler being interviewed at Farley Mount Country Park outside Winchester by the reporter Stephen Słomiński from the Eastleigh News. “He may be free for now,” warns Słomiński, “but the ASBO is still in force and it remains to be seen what will happen the next time the naked rambler decides to hit the road”.
http://www.nakedrambler.org/rambler_news.html

Hier gibt es das Interview als kurzen Film, Länge 1min51sec:
https://vimeo.com/152092584

Auch der Reporter macht sich Sorgen, wie lange die Freiheit anhält. Das Interview im Wald war kein Problem, aber ich frage mich, ob Stephen Gough bei seinem nächsten Gang zum Zahnarzt diesen erreicht, behandelt wird und dann erfolgreich zu Hause wieder ankommt. Das Gebiet Farley Mount Country Park ca. 7km westlich von Winchester ist bekannt für ein Pferdedenkmal, das errichtet wurde zu Ehren eines Pferdes, das 1733 bei der Fuchsjagd in eine fast 8m tiefe Kreidegrube sprang und trotzdem ein Jahr später beim Pferderennen gewann, Position des Denkmals auf Farley Mount ist N51.05928, W01.42624 , siehe:
http://www3.hants.gov.uk/countryside/fmcp/monument.htm
https://en.wikipedia.org/wiki/Farley_Mount

Möge auch Stephen Gough aus seiner Grube halbwegs unbeschadet herauskommen.

 
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Gough-Interview von 20160115 ausführlicher

Beitrag von Calcit » Fr 22. Jan 2016, 16:03

Inzwischen gibt es das vorgenannte Interview von 20160115, von dem ursprünglich nur ein kleiner Ausschnitt in Film und Schrift geliefert wurde, viel umfangreicher und nur in Schriftform. Besonders bemerkenswert erscheint mir darin, daß Stephen Gough die Anregung des Richters aufnimmt, gegen die inhaltliche Berechtigung der ASBO-Verhängung vorzugehen. Er wurde schließlich in letzter Zeit nicht wegen Nacktheit, sondern mehrfach nacheinander wegen Mangel an Respekt vor dem Instrument der ASBO-Verhängung eingesperrt. Es wird Zeit, sich endlich mal nicht um den Formalismus, sondern um den Inhalt zu kümmern. Das steuert der Richter anscheinend an, wofür bereits ein Hinweis war, daß er statt die Haftlänge weiter zu steigern für wiederholten ASBO-Verstoß, sie deutlich senkte mit den 200 Tagen, von denen etwa die Hälfte erlassen wurde.
Winchester News Online, 20150115, hat geschrieben: An Audience with Stephen Gough by Stephen Slominski
... SG [Stephen Gough]: ... There is nothing impure or bad or indecent about what we essentially are.
SS [Stephen Slominski]: How important was Judge Cutler’s ruling to that goal when he said, “enough is enough” while sentencing you to just 200 days?
SG: I don’t know his mind but my feeling is that he felt that things aren’t right and he wanted to put a strong message out which he did by the sentencing. He only gave me 200 days [,] before that I got for breach of the Asbo 190 days – or something like that. Then next time I got 16 months then next time I got 30 months and it’s going up, up, up then suddenly he gives me 200 days, woo! It’s down again, what’s going on? He’s a senior judge and the sentencing gave a big message out I believe and also he’s hinting about me challenging the Asbo itself putting a request in to have it lifted he said that several times
SS: Are you going to do that?
SG: I’m doing it. I don’t know much about laws but what I’m getting from him is that a senior judge is saying “something’s not right here let’s look into it”.
http://www.nakedrambler.org/an_audience ... inski.html

Da kommt Hoffnung auf, daß dieses unerfreuliche Schachspiel niveauvoller wird.

 
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Re: Stephen Gough, die unbeendete Tragödie

Beitrag von Tim007 » Fr 22. Jan 2016, 16:43

Aria hat geschrieben:Stephen Gough geht eben lieber ins Gefängnis als klein beizugeben. Von diesem Holz waren auch die ersten FKK-ler Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts, ohne deren Beharrlichkeit hätte sich die FKK wahrscheinlich nie durchgesetzt. Es ist ihm zu wünschen, dass die Richter irgendwann mit ihm ein Einsehen haben.


Ich wünsche ihm alles Gute, habe für seine selbstzerstörerische Vorgehensweise jedoch kein Verständnis.
Seine arme Familie.

 
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Stephen Gough setzt Nacktwandern aus für Pflege der Mutter

Beitrag von Calcit » Di 12. Apr 2016, 15:26

Erfreulich still war es seit einem viertel Jahr um Stephen Gough geworden, nichts war von einer erneuten Verhaftung zu lesen gewesen. Warten auf den Frühling mit besserem Wanderwetter hatte ich als Ursache ausgeschlossen und erst recht Aufgeben des Justizapparates mit stillschweigender Duldung seiner Wanderkleidung, das wäre zuviel erwartet nachdem die letzte Freilassung im Januar ohne sofortige Neuverhaftung einen Willen zur Deeskalation zeigte. Zähmung durch sein Sympathisantenumfeld hielt ich für unwahrscheinlich, und so blieben familiäre Gründe denkbar.

Wenn seine Ex-Frau und seine Kinder ihn nicht akzeptieren, dann ist das deren Sache. Wer sich aber nicht frei entscheiden kann ist seine 89 Jahre alte Mutter. Recht hatte ich mit meiner Intuition und Einschätzung seines Charakters und seiner Fähigkeit, Prioritäten zu setzen: Solange seine Mutter nur ihn hat, der sich persönlich um sie kümmert, tut er das und verhindert nicht diese Aufgabe durch Auslösen eines neuen Gefängnisaufenthaltes. Deshalb ist er bekleidet wenn er mit ihr spazieren geht, mit Alzheimer und Schlaganfall soll sie noch etwas Bewegung haben und er wird gebraucht ihr dies zu ermöglichen. Das paßt in sein Denksystem, er nimmt sich nicht nur die Freiheit sich gegen ihm unbegründet erscheinende Zwänge aufzulehnen, was sich in seinem sehr unkonventionellen Nacktwandern konkretisiert, sondern auch die Freiheit, dieses ihm wichtige Thema aus humanitären Gründen zurücktreten zu lassen und selbst zu entscheiden, daß Pflege seiner Mutter ihm noch wichtiger ist, das ist schließlich ein begründbarer Zwang.

Der Alptraum dieser Geschichte ist jetzt aber nicht zu Ende. Ich nehme an, daß es weitergeht wenn die Mutter nicht mehr lebt, irgendwann könnte er nackt an Altersschwäche im Gefängnis sterben.
Daily Echo, 20160411, hat geschrieben: Naked Rambler Stephen Gough set to quit nude crusade
Hampshire's Naked Rambler Stephen Gough has vowed to quit his nude crusade to care for his ill mother, it has been revealed. ... has announced he is putting his clothes back on again so that he can walk with his elderly and frail mum without getting arrested. ... he says he will be turning his back on that lifestyle so he can peacefully take out his mum Nora, 89, who is battling dementia. He said: "At the moment what’s appropriate is looking after my mum — she needs 24-hour care. If she wants to go for a wander, I’ll get dressed and go with her whatever time it is. Obviously I’m clothed when I’m doing all this — I’d get arrested if I wasn’t and then she’d have no one to look after her.” He added that she had suffered a stroke and said: "She’s gradually getting worse. I need to be here. I had to respond to what was necessary. Rambling was about freedom — it was never about being naked.”
http://www.dailyecho.co.uk/news/distric ... e_crusade/

Hier ist die Vorankündigung der Fortsetzung der Alptraumgeschichte, Fettschrift von mir:
Hampshire Chronicle, 20160412 (20160411?), hat geschrieben: Naked rambler decides to cover up
... Now Hampshire's Naked Rambler Stephen Gough has sensationally vowed to put his clothes back on while he cares for his ill mother. But he is refusing to give up his cause - saying he could strip off again in the future. ... The shock revelation comes just three months after his latest stint in jail following another spell of public nakedness. It follows him telling a top judge he could keep his clothes off "until he dies" - in what was his 40th court appearance after being sentenced to 200 days in jail for breaching a no-nudity Asbo. ... But now he is promising to turn his back on that lifestyle so he can peacefully take out his mum Nora, 89, who is battling dementia. He said he is her sole carer providing 24-hour care, adding: "I'm looking after my mum cooking and taking her out for walks so I am staying clothed for that so that I don't get arrested. I'm doing what's necessary as she's got Alzheimer's. If circumstances change then I might be thinking again. I'm not giving up on anything." He branded his Asbo an "insane situation" pointing out that scores of people take part in Southampton's Naked Bike Ride each year and that it is about "freedom" adding: "We are brought up being told there is something wrong with being naked in public and it doesn't make sense. The human body isn't disgusting and I'm questioning things."
http://www.hampshirechronicle.co.uk/new ... _cover_up/

Auch überregionale Zeitungen berichten über diese Entwicklung:
http://www.telegraph.co.uk/news/2016/04 ... alks-with/
http://www.dailymail.co.uk/news/article ... walks.html

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Re: Stephen Gough, die unbeendete Tragödie

Beitrag von regenmacher » Mi 27. Apr 2016, 20:39

Wenn seine Ex-Frau und seine Kinder ihn nicht akzeptieren, dann ist das deren Sache.

Glaub bitte nicht alles was du in der Sun oder im Mirror liest. Die Differenzen zwischen ihm und seiner Ex-Frau sind nach so langer Zeit der Trennung völlig normal, aber längst nicht so groß, wie in der reißerischen Presse dargestellt. Es gibt auch Interviews in denen seine Ex-Frau ihn zwar nicht unbedingt flammend unterstützt, aber doch in gewissem Sinne „für ihn spricht“ und sogar für Verständnis wirbt. Seine Kinder kennen ihn – wegen der nun schon lange zurückliegenden Scheidung, lange vor der ersten Haftstrafe – kaum. Genauer : Gar nicht. Für seine Kinder ist er ein Fremder, den sie weder akzeptieren noch ablehnen, sondern der ihnen einfach egal ist.

Auch überregionale Zeitungen berichten über diese Entwicklung

Wenn du denn etwas genauer gelesen hättest, was ich hier so gelegentlich von mir gegeben habe, dann hättest du das bereits vor etlicher Zeit gewusst. Damals schrieb ich vom hohen Alter seiner Mutter und fügte die Bemerkung an, bitte zwischen den Zeilen zu lesen. Nachdem Stephen deren Erkrankung nun selbst öffentlich gemacht hat, brauche ich diesen Umstand nicht mehr und würde doch höflich darum bitten – mir ist klar, das das hier erfolglos bleibt – Stephen bitte für einige Zeit in Ruhe zu lassen.

Der Alptraum dieser Geschichte ist jetzt aber nicht zu Ende. Ich nehme an, daß es weitergeht wenn die Mutter nicht mehr lebt, irgendwann könnte er nackt an Altersschwäche im Gefängnis sterben.

Um das zu verhindern, muss es jetzt einen weiteren Versuch zu einem „Reset“ geben, zu dessen Gelingen allerdings auch Stephen wird beitragen müssen.

michael regenmacher
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Re: Stephen Gough, die unbeendete Tragödie

Beitrag von Aria » Fr 8. Jul 2016, 15:06

In dem SZ-Magazin, das der heutigen süddeutschen Zeitung beiliegt, gibt es einen wohlwollenden Artikel über Stephen Gough, dem nacktwandernden Briten, der wegen seiner Überzeugung, nackt in der Öffentlichkeit sein zu dürfen, bisher mehr als 10 Jahre im Gefängnis verbracht hat.

Zitat aus einem seiner Briefe aus dem Gefängnis:

Der Grund, warum ich in der Zelle sitze, liegt meines Erachtens darin, dass ich eine allgemeine Ignoranz hinterfrage, die sich die Leute aber nicht eingestehen möchten. Und obwohl unser Rechtssystem auf der Voraussetzung basiert, dass die Richter ihre Fälle unvoreingenommen betrachten, ist diese Einstellung selten. Zumindest in meinem Fall – weil das, was ich tue, so kontrovers ist. Aber letztlich sind es die kontroversen Fälle, an denen sich zeigt, ob ein System funktioniert oder nicht.

Das britische Rechtssystem ist schon etwas merkwürdig, wenn jemand, der nur nackt herumläuft, länger im Gefängnis sitzt als z.B. ein Bankräuber. Erschwerend kommt hinzu, dass man für solche Fälle einen Paragraphen geschaffen hat – eine „Anti-Social Behaviour Order“ –, mit dem man bestimmte Verhaltensweise bestimmten Menschen explizit verbieten kann. In dem Fall hat man Stephen Gough verboten, nackt in der Öffentlichkeit aufzutreten, was zur Folge hat, dass er bei Zuwiderhandlung automatisch, d.h. ohne ein langes Verfahren, bestraft werden kann, denn weder hat er die Möglichkeit, sich zu verteidigen, noch kann der Richter von der Strafe absehen.

Der Autor des Artikels aber konstatiert, dass sich die öffentliche Meinung zugunsten Gough zu drehen beginnt, das auch unter dem Gesichtspunkt, dass Gough bisher dem Steuerzahler über eine halbe Million Pfund gekostet hat. Und das alles nur wegen der Nacktheit, die diese Gesellschaft nicht breit ist zu akzeptieren.

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